Den Streckenabschnitt von Moab zum Bryce Canyon hatte ich mit einem Zwischenstopp bei Torrey eingeplant gehabt. Immerhin erschien mir diese Strecke mit den sehenswerten Naturparks Goblin Valley, Capitol Reef und Escalante viel zu interessant, als dass man sie an einem einzigen Tag hätte abfahren sollen.
Wir verließen Moab erst spät, nämlich nach dem Mittagessen um 12:30 Uhr und besichtigten von 14:30 bis 15:30 das Goblin Valley ehe wir gegen 16:30 das Capitol Reef erreichten. Hier hielten wir uns bis 19 Uhr auf. Die Sonne stand schon sehr tief und warf lange Schatten, doch bis Torrey waren es ja nur noch wenige Meilen.
Torrey ist ein winziges Dörfchen - für unsere deutschen Verhältnisse hätte es wohl nicht mal den Status eines Dorfs erhalten. Ein paar Dutzend freistehender Gebäude entlang der "Hauptstraße" und den paar abzweigenden Wegen, das war alles. Keine Geschäfte, keine Restaurants. Nur aufgrund der Nähe zum Capitol Reef gibt es in Torrey einige wenige Übernachtungsmöglichkeiten. Hinter der Ortseinfahrt hielten wir am Straßenrand an und berieten die Situation. Ganz so einsam und verlassen hatte ich mir Torrey nicht vorgestellt; keine Menschenseele war zu sehen, und von den wohl in privatem Besitz befindlichen Unterkünften war auch nichts ausgeschildert. So fiel die Entscheidung, die wenige hundert Meter bis zum Highway 12 zurückzufahren und diesem weiter Richtung Bryce Canyon zu folgen. Dort am Highway sollte die Chance größer sein, ein Zimmer zu finden, und ein wenig hell war es ja auch noch.
![]() Der Blick vom Point Lookout nach Osten... (425kb) |
![]() ... auf die Waterpocket Fold und Capitol Reef... (425kb) |
Es folgte ein landschaftlich sehr schöner Abschnitt, der sich durch hügelige Wald- und Wiesenlandschaften mit zahlreichen Pferdekoppeln bei Grover langsam hinauf zum etwa 2.882 Meter hohen Summit Pass schlängelte. Der Highway 12 ist an dieser Stelle übrigens erst seit 1985 geteert, das nur am Rande. In den höheren Regionen des Passes - dem Aquarius Plateau - erinnert die Vegetation mit dichten Wäldern aus hohen, schlanken Espen und Kiefern an Skandinavien. Aufgrund der kahlen Baumstämme wirkt die Landschaft stellenweise jedoch auch etwas trostlos und kalt. Auf der höchsten Stelle des Passes öffnet sich schließlich der Blick nach Osten, und an einem Aussichtspunkt (Point Lookout, 2.862 Meter) kann man weit in die Ferne auf das einem zu Füßen liegende Capitol Reef und weitere Auffaltungen der Waterpocket Fold mit den markanten roten Sandsteinen schauen. Im Hintergrund bilden die Henry Mountains und die Navajo Mountains die Abgrenzung zum Horizont. Eine fantastische Aussicht, vor allem bei den abendlichen Lichtverhältnissen wie wir sie kurz nach halb acht vorfanden.
![]() ... reicht bis weit in die Ferne... (223kb) |
![]() ... auf die Henry Mountains (293kb). |
Hinter dem Summit Pass folgt eine längere Abfahrt zwischen den über 3.300 Meter hohen Bergen im Nordwesten und dem 2.734 Meter hohen Deer Mountain im Südosten hinunter nach Boulder. Diese 800 Meter Höhenunterschied verteilen sich auf rund 18 Kilometer; eine landschaftlich sehr schöne Strecke, die zunächst ziemlich kurvenreich beginnt. Etwa auf der Hälfte dieser Strecke bemerkten wir plötzlich, dass die Bremswirkung unseres Wagens deutlich nachließ. Natürlich kreuzten in diesem Moment auch einige Hirsche die Straße, die gottlob schnell genug wieder vom Asphalt ins Gebüsch getrottet waren. Doch das letzte bisschen Bremskraft war nun auch aufgebraucht. Schon nach wenigen weiteren Kurven mussten wir den Wagen irgendwie ohne Bremse zum Stehen bekommen.
Dieser freundliche Hirsch hatte Glück, dass wir ihn nicht angefahren haben. |
Ein Grund mehr für seine Familie, sich unser Auto genauer anzuschauen. |
Glücklicherweise bog rechts vom Highway ein Forstweg ab. Im groben Schotter gelang es uns schließlich, anzuhalten. Bereits beim Öffnen der Türe wurde klar: die Bremsen waren völlig überhitzt; ein übler Geruch von glühenden Bremsbelägen schlug uns entgegen. Was tun? Ein Blick auf mein GPS zeigte mir, dass wir uns tatsächlich in der letzten engen Kurve des Highways vor Boulder befanden und den größten Teil des Gefälles hinter uns gebracht hatten. Ein paar Minuten Pause, ein kurzer Bremstest und wir entschieden uns, bis Boulder weiterzufahren. Dort wollten wir essen gehen und den Bremsen dadurch genug Zeit zum Abkühlen zu verschaffen. Vorsichtig und im ersten Gang setzten wir unsere Fahrt fort. Das war kein Problem, denn um diese Zeit war der Highway völlig unbefahren.
Nach einer kleinen Ewigkeit erreichten wir Boulder, oder besser das, was auf der Karte als Boulder eingezeichnet war. An den ersten Häusern am Highway hielten wir an; dem Burr Trail Grill. Mittlerweile war es stockdunkel und mehr als die beiden Gebäude des Grills mit dem angrenzenden Trading Post konnten wir auch nicht erkennen. Wir parkten direkt vor dem Grill. Durch die hell erleuchteten Fenster konnten wir erkennen, dass das Restaurant gut besetzt war. Da kaum weitere Autos dort geparkt waren konnten es nur Einheimische sein - ein gutes Zeichen. Hungrig und auf die kühlende Wirkung des Stopps für unsere Bremsen hoffend betraten wir das Restaurant. Der Burr Trail Grill wird von einem jungen Ehepaar geführt. Während sie hinter der Theke steht und die Kochtöpfe schwingt bedient der Gatte die Gäste. Beide verrichten ihren Job aufs vorzüglichste, und sie ist nebenbei noch ein wirklicher Augenöffner; ja, hier würde es uns sicher schmecken. Ein einziger Tisch war noch frei, im hinteren Teil des länglich schmalen Gastraums, in dem vielleicht 40 Gäste Platz fanden - eng, aber saugemütlich. Eine kleine Stolperstufe und wir saßen auf den niedrigen Holzstühlen. Hier wurde frisch gekocht, hier gab es nichts aus der Konserve; hier konnte ich es wagen, ein Steak zu bestellen ohne mit einem Lappen Industriefleisch rechnen zu müssen. Mit ein paar flotten Sprüchen wurde die Bestellung entgegengenommen, und schon nach kurzer Zeit hatten wir unser Essen, an dem es nun wirklich überhaupt nichts auszusetzen gab.
Leider nur bei Nacht: der Burr Trail Grill in Boulder. |
Unseren Reiseplan mit der Übernachtung zwischen Moab und Bryce Canyon hatte unser Bremsenproblem schon nachhaltig durcheinandergebracht. Da es eh schon dunkel war reifte die Idee, auf diese Übernachtung ganz zu verzichten und noch am Abend zum Bryce Canyon weiterzufahren. Das setze natürlich voraus, dass im Ruby's Inn noch ein Zimmer frei war und uns dort auch gegen 23 Uhr noch jemand in Empfang nehmen konnte - oder wollte. Wie gut dass wir ein Handy hatten, und ich die Nummer vom Ruby's Inn in meinen Unterlagen. Kurzerhand riefen wir also an und erkundigten uns nach unseren Chancen. Wir hatten Glück, ohne für die zweite Nacht umziehen zu müssen konnten wir unser gebuchtes Zimmer auch für zwei Nächte haben. Außerdem versprach man uns, den Nachtportier entsprechend zu informieren - ja sogar preislich kam man uns entgegen; schließlich hatten wir ja nicht mehr allzuviel Zeit von der Nacht übrig. Ein spät vermietetes Zimmer ist schließlich besser als ein nicht vermietetes. Einerseits waren wir nun froh, dass der Tag doch noch ein ordentliches Ende nehmen sollte, andererseits würden wir so am Escalante National Monument in tiefster Nacht ungeachtet vorbeifahren müssen.
Den Namen hat der Burr Trail Grill übrigens vom Burr Trail, einer 67,4 Meilen langen Route, die Boulder nach Südosten mit dem Highway 276 bei Bullfrog Resort verbindet. Die wiederum trägt den Namen eines der berühmtesten Pioniere der Gegend, John Atlantic Burr, der diesen Weg ab etwa 1876 nutzte um seine Rinderherden zwischen Sommer- und Winterquartier zu führen. Der Trail ist heute eine der abwechslungsreichsten und schönsten Straßen Amerikas mit Blicken auf die Henry Mountains und die Waterpocket Fold. Sie kreuzt die Red Circle Cliffs, den Long Canyon, Burr Canyon und Muley Twist Canyon. Damit durchquert sie die Glen Canyon Recreation Area und den Capitol Reef National Park. Befahren kann man den Trail mit dem Auto allerdings nur bei gutem Wetter.
Boulder hat ansonsten nicht viel zu bieten. Der Eindruck vom Winzdorf bestätigt sich bei näheren Recherchen, auch wenn wir den Ort wegen der Dunkelheit nicht zu Gesicht bekamen. Vier Motels mit zusammen vielleicht 40 Zimmern, zwei Restaurants, eine Tankstelle und der Anasazi State Park sind alles, was Boulder dem Durchreisenden präsentiert. Der Anasazi State Park wurde gegründet, nachdem Archäologen der Utah State University in den 1950ern hier ein Anasazi-Dorf mit 87 Zimmern ausgruben, eine der größten Anasazi-Siedlungen westlich des Colorado. Im State Park kann man ein wiedererrichtetes sechsräumiges Gebäude und ein kleines Museum besuchen.
Nach dem Essen - es waren schon 21:40 Uhr - widmeten wir uns zunächst unserem Auto. Waren die Bremsen wieder funktionstüchtig? Ein Blick unter die Motorhaube sollte Gewissheit verschaffen. Zum Glück hatten wir eine Taschenlampe dabei, die neueste Entwicklung auf dem Gimmick-Markt: eine fünf-LEDige Lampe im schmucken Titan-Gehäuse der Firma Inovalight. Später sollte ich mir eine solche bei Frys ebenfalls kaufen. Was wir im Motorraum erblickten ließ uns nicht gerade jubeln. Zwar waren die Bremsen offenbar abgekühlt und zeigten auch wieder genügend Bremskraft, aber in Amerika werden offenbar nur Scheibenbremsen verwendet. Den Rest unserer Tour würde der Wagen sicherlich problemlos überstehen, es standen ja auch keine großen Steigungen mehr an. Aber nun war mir auch klar, warum in San Francisco die Autos nur 1/3 so alt werden wie im übrigen Land - eine Behauptung, der ich bisher immer etwas zweifelnd gegenüberstand. Wir fuhren also los, doch mit einem etwas mulmigen Gefühl zunächst. Wir hatten ja bereits einige Hirsche und Rehe gesehen. Nicht auszudenken was passieren würde, wenn uns nun ein solches Tier in den Lichtkegel unserer Scheinwerfer laufen würde und die Bremsen nicht richtig funktionierten. Da nicht viel - oder sagen wir besser gar kein - Verkehr auf dem Highway 12 herrschte fuhren wir entsprechend rücksichtsvoll unserem neuen Tagesziel entgegen. Mit etwas Wehmut fuhren wir durch Escalante und am Escalante National Monument vorbei und erreichten schließlich Tropic. Ab hier kannte ich die Strecke von meinem 2000er Urlaub.
Die Rezeption mit der tollen Holzdekoration. |
Um 23:30 erreichten wir das Ruby's Inn. Hier klappte alles wie besprochen. Der Nachtportier begrüßte uns mit Namen und schon zehn Minuten später waren wir in unserem Zimmer. Das befand sich im hintersten der sechs zweigeschossigen Wohnblöcke in Parterre, die hinter dem Hauptgebäude gelegen sind. Was soll ich sagen; der übliche Standard eben, ordentlich und sauber wie man es erwarten darf.
Für ein Motel sind die Zimmer sehr geräumig... |
... und wirklich schön; Sicht aus dem Badezimmer. |
Am nächsten Morgen konnten wir das Ruby's Inn endlich auch bei Tageslicht bewundern. Und das war diesmal gnädig mit uns: strahlender Sonnenschein begrüßte uns als wir die Türe unseres Zimmers öffneten. Die Wohnblöcke sind - passend zur Landschaft - von außen mit waagerechten Holzbalken verblendet und sehen wie Blockhütten aus. Gleich gegenüber unseres Zimmers begann hinter dem Parkplatz die Wildnis mit einem See und einer großen Wiese. Hier war ein Tipi aufgebaut, das wohl zum südlich angrenzenden Campground des Ruby's Inn gehört.
![]() Einsam steht ein Tipi... (425kb) |
![]() ... vor unserem Wohnblock im Westernstil (336kb). |
Unser erstes Tagesziel hieß Canyon Dinner, das Schnellrestaurant im Ruby's Inn direkt am Highway 63 am Eingang des Areals. Hier herrschte geringer Andrang, das Ruby's war ohnehin höchstens halb ausgebucht und die meisten Touristen - vor allem die älteren - bevorzugten den etwas edleren (und teureren) Cowboy's Buffet & Steak Room im Hauptgebäude. Piccadilly Pizza war die Spezialität des Canyon Dinner, folglich orderte ich eine. Hoffentlich würde die Pizza besser aussehen als die Dame hinter der Theke. Der optische Schock war nämlich groß. Vielleicht hatte ich in Boulder die Maßstäbe für das Aussehen von Restaurantpersonal neu definiert; hier musste ich jedoch erkennen, dass nicht jeder vom lieben Herrgott wohlwollend mit Schönheit bedacht wurde. Meine Blicke schweiften überall hin, nur bloß nicht auf die Bedienung. So fiel mein Blick auch auf den in einer Ecke stehenden Getränkeautomat, an dem man sich frei bedienen durfte. Das war durchaus nichts besonderes, aber hier gab es Dr. Pepper; eine Cola-Sorte, von der ich schon mehrfach gehört hatte und die ich nun probieren wollte. Ich konnte ja bei Nichtgefallen einfach kostenlos etwas anderes nachzapfen. Ein halber Becher sollte fürs erste reichen. Und auch fürs übrige, um es vorwegzunehmen. Dieses chemische Gebräu besteht zu einem Großteil aus Phosphorsäure. Das prickelt natürlich kräftig beim Trinken, greift allerdings auch massiv die Zähne an. Und der Geschmack, naja keine Offenbarung. Nun kam die Pizza; auch keine Offenbarung. Aber was soll's, danach ging es endlich zum Bryce Canyon.
![]() Die Theke des Canyon Dinner (415kb). |
Noch ein paar Worte zum Ruby's Inn. Begonnen hat die Geschichte des Ruby's Inn 1916 als Reuben C. (Ruby) Syrett unweit des heutigen Inns eine Ranch errichtete. Einige Wochen nach seiner Ankunft erfuhr er von einem anderen Siedler vom nahegelegenen Bryce Canyon und machte einen Ausflug dorthin. Die Aussicht beeindruckte ihn derart, dass er fortan Werbung für den Canyon betrieb und ab 1919 mit dem "Tourist Rest" eine erste Lodge am Canyonrand eröffnete. Als 1923 Bryce Canyon zum National Monument erhoben wurde verlegte Ruby sein Tourist Rest zu seiner Ranch und nannte es fortan Ruby's Inn. Ein Post Office öffnete ebenfalls im Inn, das auch heute noch die Gegend versorgt. Die Bedeutung des Ruby's Inn wuchs mit der Zeit immer weiter während das Inn in Familienbesitz blieb. Heute wird es von Enkeln und Urenkeln von Reuben Syrett geführt.
![]() Der General Store von der Tankstelle aus gesehen, hinten das Vordach des Haupteingangs (204kb). |
Einen geräumigen Giftshop mit allen nur erdenklichen Souvenirs, in dem ich wieder eine neue DVD erwarb, gibt es im Hauptgebäude. Neben dem eindeutig überwiegenden Touristenkrempel gibt es natürlich auch Campingzubehör und Lebensmittel - ein General Store eben, täglich geöffnet von 7 bis 22:30 Uhr. In der Hotellobby kann man zudem alkoholische Getränke erwerben, sich im Beauty-Saloon auffrischen, seine Filme im 1-Stunden-Service entwickeln oder lokale Touren planen lassen. Öffentliche Telefone sind ebenfalls vorhanden; Handys funktionieren im Park wegen der abgeschiedenen Lage kaum.
| Ich empfehle diese Unterkünfte: |
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| Ausführlichere Infos gibts hier. |
Direkt am Highway 63 befindet sich eine Chevron und eine Texaco Tankstelle inklusive Hertz Car-Rental auf der anderen Straßenseite. Gleich daneben gibt es die etwas kitschig wirkenden Old Bryce Town Shops, eine Häuserzeile im Westernstil mit zahlreichen Geschäften. Ein Helikopterlandeplatz sowie Reitmöglichkeiten runden das Angebot des Inns ab, das dadurch schon viel mehr zu bieten hat als beispielsweise Boulder.
Einen Abstecher der besonderen Art machten wir am Abend. Hungrig waren wir vom Wandern, und das Restaurantangebot des Ruby's Inn versprach - ohne es überprüft zu haben - Höchstpreise (der Canyon Dinner hatte bereits geschlossen). Also setzten wir uns in unseren Wagen und fuhren in das nächstgelegene Örtchen. Tropic heißt das und liegt direkt am Highway 12 östlich des Bryce Canyons. Bei der Hinfahrt waren wir bereits durch den Ort gefahren und hatten trotz Dunkelheit einige Restaurants ausfindig machen können. Hier würde es bestimmt preiswerteres Essen geben als in dem Touristenziel Nummer Eins, dem Ruby's Inn.
Kurz hinter der Ortseinfahrt erblickten wir rechts vom Highway bereits das Bryce Valley Inn, ein ansprechender Flachbau aus Holz mit Veranda im Südstaatenstil. Wir parkten auf dem Schotterparkplatz und setzten uns an einen der wenigen noch freien Tische im gutbesuchten Restaurant. Der Name erschien uns zunächst passend: "Hungry Coyote Restaurant", denn wir hatten Hunger bis unter beide Ohren. Schnell hatte ich ein Steak bestellt und die Vorfreude stieg, als die übrigen Gäste mit guten Portionen bedacht wurden. Die übrigen Gäste, nur wir nicht. Als sich nach einer Dreiviertelstunde noch überhaupt nichts rührte bestellten wir uns die Bedienung an den Tisch, die daraufhin versprach, in der Küche nachzufragen. Es vergingen wieder 10 Minuten, dann erschien endlich das Essen, unüblicherweise ohne jegliche Entschuldigung für die Verspätung. Doch das war nicht alles. Das Medium-Steak war nicht nur englisch, sondern sogar innen noch gefroren - und zwar bei fast allen - und die Pommes waren lauwarm. Ein sicheres Zeichen, dass der Koch erst nach der Reklamation mit der Zubereitung begonnen hatte. Der Kellner durfte wieder antreten. Wir erklärten ihm, dass wir dieses völlig unzulängliche Essen weder verspeisen noch bezahlen würden. Als selbst jetzt kein Wort der Entschuldigung oder auch nur der Versuch einer Erklärung an unser Ohr drang standen wir auf und verließen das Restaurant "The Hungry Coyote", hungriger als zuvor und ziemlich verärgert. Wir hatten über eine Stunde Zeit verloren, es war nach 21 Uhr und die Chance, woanders etwas zu essen zu bekommen, war nicht mehr besonders groß. Immerhin hatten einige von uns, die kein Steak bestellt hatten, ein paar Happen gegessen und entschieden sich, dass das für heute genügen sollte. Diät im Urlaub? Ohne mich. Ich hatte mich so auf das Steak gefreut, dass ich das nicht kampflos aufgeben wollte.
Gemütliche Nischen im Cowboy's Buffet & Steak Room. |
Wir fuhren zurück ins Ruby's Inn. Hier hatte der Cowboy's Buffet & Steak Room - das Restaurant im Ruby's Inn - noch offen, wenn auch schon die Putzkolonne am Werk war. Die Atmosphäre des hübsch gestalteten Raumes litt ein wenig unter den Reinigungsarbeiten, aber das musste ja schließlich sein. Immerhin fand ich es sehr zuvorkommend, dass man uns zu so später Stunde noch reingelassen hatte. Und wir bekamen - sozusagen als Belohnung - die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der hübschesten Kellnerin des ganzen Restaurants; höchstens 18, etwas schüchtern und lange blonde Haare. Jetzt war ich mir sicher, dass der Abend doch noch zu retten war. Ein leckeres, kühles Sam Adams und das Hungry Coyote war vergessen. Als schließlich nach wenigen Minuten schon das Steak serviert wurde konnte nichts mehr meine gute Laune verderben. Es war das größte Steak des ganzen Urlaubs, auf den Punkt genau Medium, zart und völlig fettfrei. Nach den üblen Erfahrungen im Vorfeld war jetzt das großzügigste Trinkgeld des Urlaubs fällig.
Abschließend bin ich mit dem Ruby's Inn sehr zufrieden. Die Unterkunft war vollkommen in Ordnung, das Essen ebenfalls und die Lage eine Meile vor dem Bryce Canyon National Park Eingang sowieso.
(Letzte Änderung: 25.10.2005)
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