![]() Die Goosenecks des Colorado River. Hinter dem Fluss beginnt Canyonlands (505kb). |
Der State Park befindet sich 29 Kilometer vom Highway 191 entfernt, wenige Meilen vor dem Island in the Sky Eingang zu Canyonlands. In rund 1.810 Metern Höhe gelegen bietet der nur 21,7 Quadratkilometer große, am 18. Dezember 1959 zum State Park erklärte Park einen spektakulären Ausblick von einer Landzunge aus Sandstein auf den rund 610 Meter tiefer gelegenen Colorado River und die rot-orangen Canyons des Canyonlands Nationalparks. Es gibt einen sehenswerten Rundwanderweg von knapp zwei Kilometern Länge, der am Visitors Center beginnt und immer entlang der Klippe führt. Wasser muss man selbst mitbringen. Der im Park gelegene Campingplatz bietet Stellflächen für 21 Trailer und ebensoviele Zelte mit fließendem Wasser bei einer Campinggebühr von $14 (2004). Geöffnet ist der Dead Horse Point State Park von Mitte März bis zum 31. Oktober.
![]() Mitte links liegt der Pyramid Butte (542kb). |
Der Parkname geht - der Legende nach - auf ein Ereignis kurz vor der Jahrhundertwende zurück. Damals lebten auf den Mesas wilde Mustangs. Diese wurden von Cowboys auf den Felsvorsprung getrieben und an dessen engsten, 27,5 Meter breiten "Neck" genannten Stelle mit einem Zaun abgesperrt. Dann fing man die Mustangs und versuchte, sie zu zähmen, wobei man die besten Pferde mitnahm und die übrigen in dem Gehege zurückließ. Einmal fanden über hundert Tiere alleine nicht mehr den Weg hinaus und verdursteten; nur ihre verblichenen Knochen blieben zurück. Inwiefern die Cowboys den Zaun abgebaut hatten ist nicht überliefert.
![]() Die Büsche entlang des Colorado wurden um 1900 aus Italien importiert... (434kb) |
Wir besuchten den Dead Horse State Park nach unserer kurzen Rundreise in Canyonlands. Freunde hatten mich auf dieses oft übersehene Kleinod aufmerksam gemacht, und so konnte ich nicht umhin, dort einen kurzen Besuch abzustatten. Das Wetter war nicht das beste, und auch Canyonlands konnte uns nach den Highlights Grand Canyon und Monument Valley nicht mehr so recht begeistern. Mit anderen Worten, die Erwartungen waren ziemlich gesunken, und die Motivation für einen weiteren Stopp zur Betrachtung von Felsen und Steinen ebenso. Hinzu kam nun die Ernüchterung, als uns der freundliche Mann am Parkeingang sieben Dollar (pro Fahrzeug) abverlangte. Dafür erklärte er uns aber auch ausführlich, warum das so sein müsse, und dass das Visitors Center in wenigen Minuten schließen würde. Das wiederum konnte ich gut verstehen, denn ich habe noch nie einen so unbesuchten Park in den USA erlebt wie diesen. Wenn ich mich recht erinnere kreuzten höchstens fünf andere Besucher unseren Weg, und die Eintrittskarte mit der laufenden Nummer 37.000 - gezählt vom Jahresanfang bis zum 17. Mai) belegte, dass dies wohl normal war. Da kann man sich überlegen, ob man sich für lau im berühmten Canyonlands an den Aussichtspunkten im Touristengetümmel anstellt, oder lieber in Ruhe und Abgeschiedenheit die Aussicht genießt - für sieben Dollar.
![]() ... und haben sich rasant entlang des ganzen Flusses ausgebreitet (437kb). |
Jedenfalls fuhren wir am Eingangshäuschen und dem kurz dahinter rechter Hand gelegenen Kayenta Campground - benannt nach der Gesteinsschicht, auf der sich der State Park befindet, dem Kayenta Sandstone - vorbei bis zum großen Aussichtspunkt am hintersten Ende des Parks, wo wir unser Auto parkten. Von hier waren es vielleicht hundert Meter bis zur Klippe, die - teilweise überdacht - mit aus Naturstein gemauerten Brüstungen gut befestigt war. Die Überdachung dient wohl bei Stürmen als Unterstand und Schutz zugleich, denn bei Gewittern ist der Ort eine der höchsten Erhebungen der Gegend. Man sollte auch gerade Kleinkinder nicht unbeobachtet herumlaufen lassen, denn im Gegensatz zum Hauptaussichtspunkt sind die meisten übrigen Klippen des Parks nicht gesichert. Doch zurück zum Dead Horse Point Overlook. Da sich dieser auf einer kleinen Landzunge befindet und er halbkreisförmig um deren Spitze angelegt ist bietet sich dem Betrachter eine 270-Grad Sicht auf die darunter liegende, zerklüftete Landschaft des Canyonlands Nationalparks im Südwesten und auf die La Sal Berge im Osten, vor denen auch im Nordosten Moab liegt. Die Gegend ist geprägt von den vielen in Braun- und Beigetönen gefärbten Canyons und den starken Mäandern des Colorado Rivers, dessen braunes Wasser sich entlang der dicht bewachsenen Ufer windet. In den letzten 25 Millionen Jahren hat sich der Fluss dabei immer tiefer in die Gesteinsschichten des Colorado Plateaus eingegraben und so eine einzigartige Landschaft geschaffen, die vom Dead Horse Point State Park aus besonders kompakt zu sehen ist. Die untersten Gesteinsschichten sind dabei über 300 Millionen Jahre alt. Macht diese Landschaft von Canyonlands aus betrachtet einen sehr weitläufigen Eindruck, so hat man von hier aus das Empfinden, quasi wie in einer Zusammenfassung die schönsten Landstriche der Umgebung komprimiert auf einmal betrachten zu können. Über 2.450 Meter geologischer Erdschichten sind auf einem Blick offengelegt, von den Gipfeln der La Sal Berge bis zum Ufer des Colorado.
![]() Aussicht nach Südosten (426kb). |
Gleichsam war die Landschaft auch für vergangene Kulturen interessant; weniger wegen der Aussicht als vielmehr als vergleichsweise nahrungsreicher Lebensraum. Vor 10.000 Jahren ließen sich die ersten Menschen auf den Plateaus nieder. Ihnen folgten vor 2.000 Jahren die Fremont und Anasazi, die Ackerbau betrieben und Siedlungen anlegten ehe sie zwischen 1200 und 1400 die Gegend aus mysteriösen Gründen wieder verließen.
![]() Blick vom Dead Horse Point Overlook nach Osten, hinten die La Sal Berge (301kb). |
Eine halbe Stunde verbrachten wir im State Park. An der westlichen Seite des Aussichtspunktes hatte sich eine Profi-Fotografin positioniert, die mit ihrer reichhaltigen Kameraausstattung während unseres gesamten Aufenthalts an einer einzigen Einstellung herumexperimentierte. Soviel Zeit wollten wir nicht für unsere Fotos verbringen, auch wenn die grandiose Aussicht dies durchaus rechtfertigt hätte. Wären wir dem Pfad an der westlichen Flanke des Plateaus gefolgt hätten wir übrigens im Felsen einige Mulden und Löcher (potholes) finden können, in denen sich das spärliche Regenwasser von durchschnittlich nur 25,4 Zentimeter pro Jahr sammelt und die so für die hier lebenden Tiere wichtige Wasserquellen darstellen. Überhaupt ist die Flora aufgrund des Wassermangels eher karg und gedeiht nur langsam. So kommt es, dass Bäume, die vier Meter groß sind, durchaus schon mehrere hundert Jahre alt sein können. Die Blätter sind üblicherweise klein und haben eine wachsartige Oberfläche um die Verdunstung zu minimieren. Andere Pflanzen verfallen in Trockenphasen in eine Art Schlaf, und auch die Samen können mehrere Jahre ruhen ehe genügend Feuchtigkeit für ihr Wachstum vorhanden ist. Aber auch die Fauna hat sich angepasst. Die meisten Tiere sind nachtaktiv oder verbringen den Tag im Schatten oder in ihren Bauten um in den Morgen- und Abendstunden zu jagen. Andere haben große Ohren entwickelt, um die Hitze besser ableiten zu können.
![]() Die TexasGulf Potash Ponds (401kb). |
In der Ferne konnten wir an der östlichen Seite große, künstlich angelegte Seen erblicken. Sie tragen den schönen Namen "TexasGulf Potash Pond 1-3" und dienen der Firma als Verdunstungsbecken zur Pottaschegewinnung. Dahinter und unterhalb des Dead Horse Point Overlooks gibt es auch noch zwei kleinere Ölquellen.
Wer Western mag befindet sich am Dead Horse Point übrigens auf geschichtsträchtigem Boden. Im Film "Warlock" machte hier Henry Ford Schießübungen, für "Ten who dared" legte man östlich des heutigen Parkplatzes einen Teich an, wo im Film drei Deserteure aus Major John Wesley Powells Expedition (sh. Grand Canyon) auf Paiutes stießen, und für "Against a crooked sky" errichtete man westlich vom Parkplatz einen Marterpfahl. Direkt unterhalb des Dead Horse Point verfolgten ein Dutzend Polizeiautos Thelma & Louise in der letzten Filmszene des gleichnamigen Films.
(Letzte Änderung: 11.03.2004)
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