![]() Nahezu steril präsentiert sich das McDonalds direkt an der Hauptstraße (200kb). |
Wir waren nach all den Strapazen des Tages natürlich wieder sehr hungrig, und so beschlossen wir, trotz vorgerückter Stunde noch eine kurze Fahrt in die City zu unternehmen. Arby's und Burger King hatten wir bereits passiert, doch ein grooooßer Salat war Objekt der Begierde, und der war bei McDonalds einfach besser. Am nächsten Tag würden wir in Ruhe die "richtigen" Restaurants besuchen, jetzt musste es nur schnell gehen. Neugierig geworden durch Berichte von Freunden, in gäbe es das schlechteste McDonalds im Südwesten, betraten wir das von außen eigentlich sehr propere Restaurant. Ein Freund hatte mir von seinem Besuch in 2000 berichtet. Damals hatte er zahlreiche Fotos von dieser verkommenen Filiale gemacht und sich anschließend bei der Firmenleitung von McDonalds über eben jene beschwert - und prompt einen Verrechnungsscheck erhalten. Klebrige Tische, dreckiger Fußboden, muffige mexikanische Bedienung - von all dem war nichts zu sehen, ganz im Gegenteil. Der ganze Laden sah vollkommen neu aus. Große hohe Glasfassaden ringsum, neue blitzblanke, wenn auch unbequeme, weiß-blaue Metallbestuhlung, nicht das geringste Staubflöckchen, und als Krönung erwartete uns sogar freundliche, einheimische Bedienung; junge hübsche Studentinnen. Ganz offensichtlich hatte McDonalds hier einiges ausgetauscht, einschließlich Personal. Hätte ich den Namen meines Freundes am Tresen erwähnt, ich hätte vermutlich Hausverbot bekommen. Der große Gastraum war fast leer, nur drei andere Tische waren besetzt. Dadurch wirkte der Raum eher kühl und ungemütlich - irgendwie klinisch mit dem Kachelboden und den weißen Tischen. In einer Ecke flimmerte American Football, und passend zum großen Gemälde auf der Giebelseite des Raumes senkte sich gleich daneben die echte Sonne langsam hinter einer Gebirgskette und es wurde dunkel. Wir kehrten in unser Motel zurück - nach dem weltweit standardisierten Essen versteht sich -, und unser Tag klang langsam bei der Versorgung der sonnenbrandgeschädigten Hautpartien mit frischem Speisequark aus.
![]() Das Slickrock Cafe im Vorbeifahren (265kb). |
Der nächste Morgen begann mit der Suche nach einem geeigneten Frühstück und einem Internetzugang. Bereits am Vortag hatten wir einige Surfangebote in verschiedenen Geschäften entdeckt, die wir aber aufgrund der vorgerückten Stunde nicht mehr in Anspruch nehmen konnten. Während es meine Mitreisenden nun umso mehr drängte, Kontakt mit den Lieben daheim aufzunehmen, blieb ich standhaft meinem Vorsatz treu: kein Computer im Urlaub. Doch erst drängte der Hunger. Nach kurzer Diskussion entschieden wir uns für ein Frühstück im kultigen Slickrock Cafe an der Ecke Main Street/Center Street. Dieses auf zwei Etagen angelegte Restaurant bietet Kulinarisches der Spitzenklasse zum kleinen Preis in einer sehr netten Atmosphäre. Dazu tragen sowohl die netten, jungen Kellnerinnen bei wie auch die Raumaufteilung. Jeder Tisch in Parterre ist mit einer etwa 1,5 Meter hohen geweißten Mauer umgeben, mit Bildern daran und Blumen auf dem Tisch. So befindet man sich zwar in einem großen Raum, aber jeder ist doch ein wenig für sich und bekommt vom Treiben ringsum nicht viel mit. Der Raum ist nach oben ins 1. Geschoss offen, eine große Treppe führt hinauf auf die entlang der Außenwand angebrachten Balustrade, die eine weitere Tischreihe ringsum wie auf einem Balkon und mit Blick nach draußen bietet. Zusätzlich zum Restaurant gibt es noch einen kleinen Laden, der hauptsächlich Merchandising-Artikel wie T-Shirts anbietet, und zwei PCs mit Internetzugang - und einstündiger Wartezeit.
![]() Blick von der anderen Straßenseite (276kb). |
Dank Wait-to-be-seated konnten wir uns nicht den allerschönsten Platz aussuchen, waren aber doch ganz zufrieden mit unserem Tisch zentral in einer dieser kleinen Nischen. Bei der Auswahl des Frühstücks gab es wieder Neues zu lernen: ein English Muffin zum Beispiel ist sowas ähnliches wie ein getoastetes Brötchen ohne Kruste - sehr lecker als Beilage zum Spiegelei - natürlich ohne jeglichen Nährwert. Die hausgemachten Bratkartoffeln sind ebenfalls sehr empfehlenswert. Die klein gewürfelten und braun gebratene Kartoffelstückchen schmecken süßlich und könnten süchtig machen - gäbe es sie auch anderswo. Alternativ zum üblichen Schinken und Ei Frühstück empfiehlt sich auch das sehr leckere Obst- und Früchtefrühstück mit Honigmelone und anderen Leckereien. Ich glaube es hieß "Healthy start" oder so. Ums kurz zu machen: wir waren rundherum begeistert und haben aus diesem Grunde am Tag unserer Weiterreise gleich nochmal hier gefrühstückt.
![]() Rezeption des ZAX und Eingang zum Watering Hole (217kb). |
![]() Offener Kamin auf der Außenveranda (226kb). |
![]() Ham und pineapple - lecker (226kb). |
Am Abend stand das Thema Essen wieder auf unserem Plan nachdem wir uns den Arches Nationalpark, und den in einer Art Schweinsgalopp angeschaut hatten. Wir hatten uns ZAX's Wood-fired Pizza direkt an der Hauptstraße in Moab ausgesucht, denn hier konnte man auf einer überbauten Veranda draußen sitzen und der Laden war gerammelt voll, was ja nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen ist. In der Ecke der Veranda befand sich direkt an der Straße ein offenes Holzfeuer - der Blickfang sozusagen. Frohen Mutes und hungrig bis unter die Arme betraten wir den Laden. Am Empfangspult stand ein höchstens 18 Jahre altes Mädchen und versuchte verzweifelt, die Heerscharen der Essenswilligen auf ihrer Warteliste zu registrieren und dann mit den freiwerdenden Tischen zu koordinieren. Hier gab es wieder etwas zu lernen. Bei der Reservierung muss man den Namen angeben damit man später ausgerufen werden kann sobald ein passender Tisch frei wird. Wenn man jetzt Müller-Lüdenscheidt heißt wird man vermutlich nie aufgerufen, denn das ist für amerikanische Zungen einfach nicht aussprechbar. Kurze, amerikanische Namen sollte man angeben - völlig egal ob man so heißt oder nicht, Hauptsache man kann sie nachher aus der Kneipensoundkulisse identifizieren - es dient ja nur der Zuordnung. So wählten wir also "Tom" als Namen und setzten uns artig auf die lange hölzerne Wartebank. 30 Minuten sollte es dauern sagte man uns. Nunja, Hunger hatten wir schon gewaltig, aber was blieb uns übrig. Woanders wären wir wohl auch nicht schneller bedient worden. Immerhin gab es einiges zu beobachten. Mein Warteplatz war genau gegenüber einer großen Saloontüre, die in die hauseigene Bar führte. Aufgrund des Alkoholausschanks und der dürftig (aber anständig) bekleideten Bardamen war hier der Zutritt erst ab 18 erlaubt; wir waren eben in Utah. Zwei kleine mexikanische Jungen, vielleicht 8 Jahre alt, flitzten die ganze Zeit durch den Gang zwischen Restaurant, Empfang und Saloon und hatten einen ziemlichen Spaß daran, immer wieder durch die Saloontüre zu linsen und dann beim bösen Blick des Personals in halsbrecherischem Tempo wieder wegzulaufen. Nach einer halben Stunde wurde tatsächlich "Tom" aufgerufen, und ein netter Kellner führte uns vorbei am riesigen offenen Pizza-Holzofen inmitten des Restaurants zu einem Tisch auf der Veranda. Ich bestellte mir ein Sam Adams und bastelte mir trotz großem Angebot eine eigene Pizza zusammen; Schinken und Pilze, so wie immer. Was mir dann serviert wurde war atemberaubend. Nicht nur vom Volumen, nein auch geschmacklich setzte diese Pizza neue Maßstäbe. Der Pizzateig war irgendwie kandiert und glitzerte ein wenig, ultralecker und wurde auch nicht hart als die Pizza abkühlte. Warum hatte ich sowas in Deutschland noch nie gesehen? Die Zutaten waren reichhaltig und frisch, ein Hochgenuss und wahrlich würdig für die lange Warterei. Da auch die Toiletten in einwandfreiem Zustand waren kann ich ZAX's nur ausdrücklich empfehlen. Auch mein Besuch in 2010 unterstrich meine bisherige Einschätzung. Wie man auf dem Foto rechts sehen kann entschied ich mich diesmal für eine klassische Pizza Hawaii.
(Letzte Änderung: 18.01.2011)
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