Gouldings Lodge Monument Valley

 Ich empfehle diese Unterkünfte:
Hotelempfehlung The View Hotel
 Ausführlichere Infos gibts hier.
Zwei Übernachtungen am Grand Canyon hatten wir hinter uns. Der Tag der Weiterfahrt sollte eigentlich nur dazu dienen, noch einmal kurz Abschied von diesem Weltwunder zu nehmen um dann in aller Ruhe eine Unterkunft vor, im oder hinter dem Monument Valley zu finden. Wir standen also früh auf, denn wir wussten nicht, wohin uns das Schicksal verschlagen würde. Wider Erwarten hatte sich das Wetter aber im Gegensatz zu den vorangegangenen zwei Tagen an diesem Morgen derart verbessert, dass wir um einen ausführlicheren Besuch der schönsten Aussichtspunkte - nun mit Sonnenschein - nicht herumkamen. Daher konnten wir erst verhältnismäßig spät weiterfahren, zu sehr hielt uns der Canyon in seinem Bann. Um 13 Uhr verließen wir schließlich den Nationalpark.
Highway 160, Arizona

Unterwegs nach Monument Valley (143kb).

Highway 160, Arizona

Flirrende Hitze auf dem Highway 160 (115kb).

Es folgten rund zwei Stunden Autofahrt auf dem Highway 160 nach Nordosten durch ödes, nahezu unbewohntes Gebiet - das größte Indianerreservat der USA. Es gehört den Navajo, die sich selbst "Diné" nennen und mit über 300.000 Mitgliedern heute zu den größten Indianerstämmen des Landes zählen. Auch das Monument Valley liegt in ihrem Reservat, in dem auch heute noch einzelne Familien in sogenannten Hogans, den traditionellen Lehmhütten, leben. Kurz vor Kayenta machten wir einen Tankstopp. Eine angenehme Pause von der nahezu schnurgeraden Strecke und eine Möglichkeit, sich mit kleinen Snacks zu versorgen. Dann bogen wir nach Norden in das Monument Valley ein.

Owl Rock, Monument Valley, Arizona

Einsam ragt Owl Rock in den Himmel (214kb).

Agathla Peak, Monument Valley, Arizona

Agathla Peak (370m) ist der Rest eines durch Erosion freigelegten Vulkanschlotes (218kb).

Bereits beim ersten Anblick von verhältnismäßig winzigen Tafelbergresten links und rechts des Highway 163 hielten wir an. Der Eingang zum Monument Valley lag vor uns und unser Tagesziel in greifbarer Nähe. Ganze Fotosalven wurden geschossen - wir waren schließlich wechselhaftes Wetter gewohnt und daher froh, dieses einzigartige Motiv bei trockenem, wenn auch wolkigem Wetter erreicht zu haben. Wir konnten ja nicht ahnen, dass es gegen Abend noch so viel schöner werden würde was sowohl Landschaft als auch Wetter betraf. Außerdem tat es ganz gut, sich mal die Beine vertreten zu können.

Monument Valley, Arizona

Blick in den Rückspiegel auf dem Parkplatz der Gouldings Lodge (130kb).

Gouldings Lodge, Monument Valley, Arizona

Die Gouldings Lodge... (234kb)

Gouldings Lodge, Monument Valley, Arizona

... und unser Appartementhaus links (342kb).

Da ich bereits im Internet nach einer Unterkunft im Monument Valley geforscht hatte war mein Bestreben, in der Gouldings Lodge zu übernachten. Diese liegt nämlich direkt gegenüber des weltberühmten Tafelbergpanoramas und ist quasi die einzige Unterkunft, die einen solchen Ausblick bietet. Als wir schließlich an dem Wegweiser zu dieser Lodge angelangt waren versuchten wir einfach unser Glück. Nur knapp fünfhundert Meter vom Highway 163 entfernt gelangten wir über eine staubige Piste zur Gouldings Tradepost & Lodge. Am Fuße eines Tafelberges, dem 1807 Meter hohen Rock Door Mesa, gelegen bot die Anlage tatsächlich den versprochenen grandiosen Ausblick. Jedes Zimmer hatte einen Balkon mit freier Sicht. Ich sah mich schon in der Abenddämmerung mit einem kühlen Sam Adams auf dem Balkon sitzen, den Blick in die Ferne schweifend und gemütlich im Schaukelstuhl hin- und herwippend. Es wäre zu schön gewesen. Wie fast schon befürchtet war dieses Motel natürlich völlig ausgebucht. Es sollte sich jedoch zeigen, dass das gar nicht so schlecht war. Vielleicht sahen wir bereits ziemlich erschöpft aus; wie auch immer, man bot uns schließlich ein Appartementhaus für supergünstige 120 Dollar an. Dieses lag neben einem zweiten Häuschen vielleicht hundert Meter Luftlinie von der Lodge entfernt ganz einsam auf dem knochentrockenen Land gleich vor dem Steingeröll am Fuße des Tafelbergs. Von außen betrachtet bestand unsere Unterkunft aus zwei Containerhaushälften, die am First zusammenmontiert waren. Zwei Riesencontainer mit rotem Dach. Naja, dachte ich, lieber in einem Container übernachten als das Monument Valley nur flüchtig aus dem Auto gesehen zu haben.

Gouldings Lodge, Monument Valley, Arizona

Luxus mitten in der Wüste (275kb).

Gouldings Lodge, Monument Valley, Arizona

Wenn das nicht gemütlich ist...

Die Überraschung war perfekt als wir den Container betraten. Von außen eine Blechhütte boten sich innen 120 Quadratmeter purer Luxus unseren verblüfften Augen. Wir standen in einem riesigen Wohnzimmer, mit flauschigem, zwei Zentimeter tiefem Teppichboden, einer großzügigen Couchgarnitur und schmucken Holzmöbeln. Der Raum war in drei Bereiche unterteilt. Direkt hinter der Eingangstüre befand sich der klassische Wohnbereich. Eine passend zum Teppich ausgesuchte, gemütliche Couchgarnitur grenzte den Bereich mit dem 3-Sitzer nach hinten zum Flur und der dahinter gelegenen Küche und mit einem 2-Sitzer nach rechts zum Essbereich ab. In der Ecke dazwischen ragte eine schmale Eckmauer als Stütze hinauf zur Decke. Gegenüber der Couch stand ein Fernseher mit Videorekorder, jedoch bemerkenswerterweise kein Tisch.

Gouldings Lodge, Monument Valley, Arizona

Der Flur zu den Schlafzimmern... (218kb)

Gouldings Lodge, Monument Valley, Arizona

Unser großes Wohnzimmer mit Entertainment-Center und Türe zur Veranda.

Gouldings Lodge, Monument Valley, Arizona

... führt zum später durch Ungemach versperrten Gemach (234kb).

Die Küche bestand aus einer kompletten Einbauküche, natürlich auch entsprechend großzügig dimensioniert und voll ausgestattet mit Kochutensilien und Gerätschaften. Zum Essbereich hin war die Küchenwand von einer breiten Durchreiche und darüber liegenden offenen Abstellfächern unterbrochen. Im Esszimmer selbst befand sich ein großer Esstisch und an der Außenseite bot sich durch zwei große Erkerfenster der berühmte Ausblick auf das Monument Valley, den man vom Tisch aus in Ruhe genießen konnte. Über einen kurzen Flur gelangte man in den hinteren Bereich des Wohncontainers. Hier befanden sich die Schlaf- und Badezimmer. Ja, Ihr habt richtig gelesen, es gab alles im Doppelpack. Zwei große Schlafzimmer mit je einem Kingsize-Bett, Einbauschränken und jeweils einem eigenen Badezimmer mit Dusche und WC standen zur Verfügung. Ein zusätzliches Gästeschlafzimmer durfte natürlich auch nicht fehlen. Klimatisiert wurde alles über eine zentral gesteuerte und sehr effektive Klimaanlage. Auf den zweiten Blick musste ich meinen Eindruck vom Luxus zwar etwas relativieren - die schweren Eichenmöbel waren in Wirklichkeit aus federleichtem Pappmaschee, deren Griffe schon beim Berühren bedenklich nachgaben -, den Gesamteindruck konnte das aber nicht wesentlich schmälern denn man sah das zumindest nicht. Und schließlich lebten wir ja aus dem Koffer und brauchten unsere Sachen nicht in die windigen Schränke zu räumen.

Ja, hier konnte man es aushalten. Ich fühlte mich wie in einem Western, als Großgrundbesitzer mit Rinderherde. Sogar eine kleine Holzveranda war an der Seite angebracht; hier fehlte nur der obligatorische Schaukelstuhl, aber der war bestimmt auch irgendwo in einer Abstellkammer versteckt.

Big Indian, Gouldings Lodge, Monument Valley, Arizona

Blick von der Veranda auf den Big Indian und den davor liegenden Monument Valley Airport (150kb).

Train Rock, Gouldings Lodge, Monument Valley, Arizona

Ein startendes Leichtflugzeug vor dem Train Rock (163k).

So weit ab von der Zivilisation war ich selten. Wer bei all den Touristenattraktionen einer solchen Rundreise ein paar Tage himmlische Ruhe genießen möchte, sollte hier etwas länger verweilen. Es gibt zwar im Umfeld bis auf das Monument Valley selbst nicht viel Sehenswertes, aber gerade dieser Umstand ist vielleicht für den einen oder anderen reizvoll - zumal man natürlich auch in dieser abgelegenen Lokation auf keinerlei Annehmlichkeit verzichten muss. Die nahegelegene Lodge bietet alles, was das Herz begehrt. Ob ein beheiztes Hallenbad, dem Trading Post im Stil der 20er Jahre, ein kleines Museum, die allabendliche Earth Spirit Show oder das Stagecoach Restaurant - für alle Belange ist gesorgt. Der Gouldings Campingplatz gleich nebenan bietet zudem ein Lebensmittelgeschäft, einen Kinderspielplatz und einen Waschsalon.

Auch kann man von einem der angebotenen halb- oder ganztägigen Ausflüge mit einem Navajoführer Gebrauch machen. Zu sehen gibt es neben Anasazi Ruinen und Petroglyphen die Drehorte zu bekannten Western, eine Tapetenweberei und Navajo Hogans, die bei einer Tour auf eigene Faust meist verborgen bleiben. Eine besonders pikante Steinformation bekommt man übrigens nur gezeigt wenn man gaaanz brav ist ;)

Gouldings Lodge, Monument Valley, Arizona

Der sagenhafte Ausblick von der Veranda unseres Appartements am Abend (82kb).

Im Lodge-eigenen Fernsehsender kann man sich ein einstündiges Programm anschauen, das alles Wesentliche über die Region, deren Entdeckung, die Familie Goulding, die Lodge und die Veranstaltungen näher bringt - ideal für den Abend wenn es draußen schon dunkel ist. In der Lodge kann man zudem Videos ausleihen - Western versteht sich.

Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten unternahmen wir eine Fahrt durch das Monument Valley. Als wir zurückkamen war es bereits dunkel geworden. Die Aussicht von unserer Wohnung war nun besonders reizvoll. Doch zunächst plagte uns ein anderes Problem. Eine der Schlafzimmertüren war beim Verlassen offenbar zugeschnappt und nun verriegelt. Leider hatte sie nur von innen einen Türgriff und von außen einen Drehknauf, der das Schloss aber nicht entriegeln konnte. Da war guter Rat teuer. Während wir zunächst in der Lodge um Hilfe baten, die direkt einen Hausmeister entsenden wollten - den wir aber nie zu Gesicht bekamen -, sah ich uns schon in Gedanken die Türe eintreten, denn die Hälfte unserer Koffer war nun unserem Zugriff entzogen. Trotz dieser Notlage begannen wir mit der Zubereitung des Abendessens. Im Lebensmittelladen hatten wir zuvor die nötigen Zutaten für ein leckeres Mahl eingekauft: vier Packungen Nudeln und Tomatensauce - etwas, das wir halt ohne größere Zwischenfälle selbst zubereiten konnten. Während unser Kochteam nun in der Küche zugange war entdeckte ich im Türknauf des verschlossenen Zimmers eine kleine Öffnung. Wie gut, dass ich früher immer Miss Marple gesehen hatte, dachte ich, denn da ließ sich eine Türe doch auch immer mit einer Haarnadel öffnen. Günstigerweise hatten wir eine solche zur Hand. Ich hatte nicht wirklich erwartet, dass diese Methode funktionieren würde. Umso erstaunter war ich, als nach wenigen, zugegebenermaßen unkoordinierten, Bewegungen (Herumgebüttel genannt) mit dem zurechtgebogenen Metallstück das Schloss aufsprang. Der Abend war gerettet und mein Vertrauen in die Sicherheit amerikanischer Wohnungen tief erschüttert - sollte alles Gezeigte in den Krimis tatsächlich funktionieren?

Rock Door Mesa, Monument Valley, Arizona

Rock Door Mesa bei Nacht, 8 Sekunden Belichtungszeit (255kb).

Nachdem auch die Nudeln vorzüglich gemundet hatten verbrachten wir noch eine Weile auf der Veranda und beobachteten die Landschaft. Es war bereits tiefste Nacht, aber gerade das war ein einzigartiges Erlebnis. Keine Lichtsmog und keine Wolken verhinderten den Blick auf die Sterne. Es war relativ kühl geworden, um nicht zu sagen kalt, doch der Faszination der natürlichen Dunkelheit konnte ich mich nicht entziehen. Später machten wir es uns noch vor dem Fernseher gemütlich ehe sich der Tag dem Ende neigte.

Den nächsten Morgen begannen wir mit einem ordentlichen deutschen Frühstück. Weichgekochte Eier mit Toastbrot und Marmelade. Ein genialer Auftakt vor einer genialen Kulisse, die im grellen Sonnenlicht durch die Fenster den Hintergrund unseres Frühstückstisches bildete. Nur schweren Herzens packten wir wieder unsere Koffer und machten uns auf den weiteren Weg.

(Letzte Änderung: 09.02.2004)




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