White Hills Ghosttown Ghost Town

Ein kurzer Zwischenstopp sollte es werden, aber es entwickelte sich zu einer echten Expedition.

Rund eine halbe Stunde Fahrt hinter dem auf dem Weg von zum befindet sich White Hills. Dieser wundersame Ort inmitten der eintönigen Landschaft und fernab jedweder Sehenswürdigkeit weckte meine Aufmerksamkeit beim Studium der Landkarte. Hier gab es weit und breit nichts, was auch nur einen kurzen Blick wert gewesen wäre, und dann eine Geisterstadt. War unsere Tagesstrecke schon lang und eintönig genug, so würde ein kurzer Stopp an dieser Stelle sicher ein wenig Abwechslung bringen. Vor drei Jahren hatten wir es schon nicht bis nördlich des geschafft - der wohl berühmtesten verfallenen Siedlung überhaupt -, so könnten wir hier Verpasstes nachholen.
White Hills, Arizona

Nur Silbervorkommen können Menschen in diese Gegend locken (468kb).

Wir verließen den Highway 93, um über die Connecting Road 145 nach White Hills zu gelangen, immerhin nur 8 km vom Highway entfernt. Ein großes braunes Hinweisschild mit touristischen Informationen wies am Highway auch direkt auf White Hills hin: ja, wir waren richtig. Zwar war die Connecting Road nichts mehr als eine verfallende Dorfstraße, aber das passte ja schließlich gut zur Geisterstadt. Übrigens war das das erste mal, dass ich einen Highway mit getrennten zweispurigen Fahrbahnen nach links und quer über die Gegenfahrbahn verlassen habe (weil es so vorgesehen war natürlich).

White Hills, Arizona

Dieses Gewächs verdeckt die weltberühmte Kreuzung; wo bleibt der Straßenwart... (463kb)

So fuhren wir die nächsten zehn Minuten durch das flache Tal der Hochebene zu der kleinen Hügelkette, die das Tal östlich abschließt. Jetzt musste es bald kommen, das alte Miningcamp. Sicher hinter der nächsten Straßenbiegung und dem nächsten Hügel. - Wieder nichts. Laut Karte konnte es nicht mehr weit sein. Hier irgendwo, vielleicht ja nicht direkt an der Straße... Langsam ging es weiter denn die mittlerweile zum Weg degenerierte Road erlaubte nur noch langsames Fortkommen. Schließlich kreuzte ein breiter und jetzt zum Glück trockener Flusslauf inmitten der Hügel die Straße - Flashfloodgefahr. Das kann ja lustig werden, dachte ich, denn schon waren wir nur noch auf einer Buckelpiste aus Schotter und Sand. Wir hatten die Hügelkette durchquert und nicht mal den Ansatz einer ehemaligen Siedlung gesehen. Auch Hinweisschilder gab es keine. Wir hielten an, denn laut Karte und GPS waren wir schon deutlich zu weit gefahren, aber Abzweigungen hatte es auch keine gegeben. Wir stiegen aus und schauten uns mal um. Nordöstlich von uns, in etwa 200 Metern Entfernung, standen mehrere Wohncontainer und eine Wellblechhalle. Das sah aus wie ein schlechterer Campingplatz mit eigener Tomatenzucht- war aber, wie ich heute weiß, die Spear Ranch mit einer Pumpstation. Dazwischen verdorrter, sandiger Boden mit etwas Gestrüpp. Ja, wir waren da - am Ende der Welt. Hier endete auch bald die White Hills Road, etwa 800 Meter hinter der "Kreuzung" zwischen ihr und einem Trampelpfad namens Cyclopic Boulevard. Mit taufrischen Straßenschildern war diese Kreuzung ausgestattet, an der wir gehalten hatten. Die Schilder waren vielleicht die Vorboten für ein gewagtes, aber mittlerweile erfolgreich abgeschlossenes Bauprojekt. Unter dem schönen Namen "White Hills Equestrian Estates" wurde dort vor kurzem Bauland angeboten. "Enjoy mountian views, hiking and equestrian trails". Jaja, so schön kann es auf dem Papier klingen. Ihr seht ja selbst, wie es da aussieht, "just minutes away from Lake Mead", dem Erholungsgebiet im Norden. Mit einer F-16 sicherlich kein Problem, 22 km bis zur Recreational Area und 33 km bis zum Lake Mead sind es um genau zu sein - Luftlinie. Auf Straßen sind das schon 37 bzw. 54 km.

White Hills, Arizona

Die Spear Ranch ist das einzige Zeichen von Zivilisation weit und breit (648kb).

Jetzt wollte ich aber doch wissen, ob wir denn so falsch lagen mit White Hills. Immerhin war es auf unser AAA-Karte dick mit dem Hinweis "ghost town" eingetragen. Zum Glück hatte ich das erwähnte braune Hinweisschild an der Abfahrt des Highway 93 fotografiert. Während die anderen nun ein wenig frische Luft schnappten schaute ich mir das Bild in der Kamera an und zoomte hinein, so dass ich die Schrift lesen konnte. Dann bekam ich einen Lachanfall. Ich übersetze:

White Hills, Arizona

Hätten wir das Schild nur eher gelesen (318kb).

"White Hills - Früher bekannt als Indian Secret Mining District oder Silverado startete das White Hills Miningcamp in den 1890ern. Die Minen hatten reiche Silbervorkommen, besonders Hornsilber, auch Chloride Silver genannt. Diese große Siedlung wurde durch eine Flashflood am Morgen des 5. August 1899 zerstört, von der sich die Stadt nie mehr erholte. Nachdem die Minen geschlossen wurden verfielen die übriggebliebenen Gebäude." - Soweit ist ja noch alles in Ordnung. Jetzt kommt's:

"Heute ist nichts mehr übrig von dem einst aufstrebenden Miningcamp. Die Ghost Town von White Hills erscheint auch weiterhin auf Landkarten."

Na die haben ja einen seltsamen Humor, die Amerikaner. Aber eins trifft wohl auf White Hills zu: es ist die einzig wahre Geisterstadt. Bis auf ein paar Überreste an Bergbauwerkzeugen und wenige Fundamentreste ist von der einst über 200 Gebäude zählenden größten Bergbausiedlung nichts geblieben; keine einzige stehende Wand. Kein Wunder, dass wir White Hills nicht finden konnten. Es befindet sich übrigens vor den Hängen der ersten Hügelkette nördlich der Connecting Road. Wer noch etwas zur Geschichte wissen möchte: 1892 fand der Indianer Hualapai Jeff auf der Suche nach Eisenoxid, welches er als Gesichtsfarbe benutzte, Silber. Er informierte Richter Henry Shaffer, der sogleich die erste Mine eröffnete. Ein Post Office öffnete am 20. Oktober 1892, 200 Menschen zog es in den ersten zwei Wochen nach White Hills. Schon 2 Jahre später gab es 200 Häuser, einen Saloon und einen General Store. Es gab elektrisches Licht, fließendes Wasser und sogar Telefon. Wieder 2 Jahre später lebten 1.500 Menschen in der Stadt. 12 Millionen Dollar erwirtschafteten die 15 Minen alleine in den folgenden 6 Jahren, bis sie 1914 erschöpft waren. Mit dem Erlöschen der Minen verschwand auch White Hills.

(c) Stefan Kremer - Alle Rechte vorbehalten




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