Scottys Castle Schloss im Death Valley

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien
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Gesamtansicht vom Parkplatz (240kb).

Eine eher aus touristischer Sicht interessante Sehenswürdigkeit liegt im nördlichen Teil des Wer mehr als einen Tag für Death Valley eingeplant hat oder zum wiederholten Male das berühmte Tal durchquert sollte einen Besuch in Betracht ziehen. Rund 100.000 Touristen kommen jährlich hierher.

Scotty's Castle ist das betongewordene Winterdomizil eines zeitweiligen Millionärs: Albert Mussey Johnson. Den Namen trägt das Castle von Walter Scott. Auch wenn er nur das Castle verwaltete erzählte er gerne, es gehöre ihm. Geboren wurde Walter Scott 1872 in Cynthiana, Kentucky. Als 11-jähriger Junge lief er von Zuhause weg und zog zu seinen beiden Brüdern auf deren Ranch bei Wells in Nevada. Nach zahlreichen Jobs in der Gegend reiste er ab 1890 12 Jahre lang mit Buffalo Bills Cody's Wild West Show als Stuntreiter um die Welt. Er überzeugte mehrere reiche Businessleute, Geld in seine (imaginäre) Goldmine im Death Valley zu investieren, die - so sagte er - Millionen wert sei. Unter diesen Geschäftsleuten war auch Albert Johnson, ein Versicherungsmagnat aus Chicago. Zwischen ihnen entstand eine lebenslange Freundschaft, wobei man sicher behaupten kann, dass sich hier zwei Gegensätze anzogen. Johnson war ein hochgeachteter, religiöser Mann während Scott ein Rowdy und ein zwielichtiger Kerl war.

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Scotty's Castle von der Burgmauer aus (354kb).

Nachdem er tausende Dollar in die Mine investiert hatte, ohne dass diese auch nur den geringsten Gegenwert erbrachte, beschloss Johnson, trotz seiner angeschlagenen Gesundheit, die Mine in Augenschein zu nehmen. So reiste er 1904 zum ersten Mal ins Death Valley, wo ihm Scott ausgiebig das ganze Tal zeigte; natürlich ohne eine Mine. Johnson durchschaute Scotts offensichtlichen Betrug, war aber aufgrund des trockenen, sonnigen Klimas des Death Valley, das für seine Gesundheit überaus wohltuend war, und der lustigen Geschichten und Witze von Scott so guter Laune, dass er nach einem Monat gestärkt nach Hause fuhr und weiter Geld schickte. Er begann, mit seiner Frau das Tal regelmäßig zu besuchen. Elf Jahre später erwarb er 4,85 Quadratkilometer Land am Grapevine Canyon. Die Höhenlage von 919 Metern und die durchgängige Wasserversorgung dank der westlich des heutigen Castles gelegenen Grapevine Canyon Springs machten diesen Ort zum idealen Standort für die Errichtung einer komfortablen Wohnanlage - eine Idee von Johnsons Frau Bessie. Die nicht existente Mine konnten offenbar seine Freundschaft zu Scott nicht weiter erschüttern, und er betrachtete dessen fortwährenden Geschichten als Amüsement. Die Bauarbeiten an der Death Valley Ranch begannen 1922. Über zweieinhalb Millionen Dollar wurden in das Projekt investiert, und Scott als begnadeter Geschichtenerzähler steuerte allerlei Mysterien bei. Im Laufe der Jahre kamen viele Berühmtheiten, um das groß angelegte Castle zu besichtigen, einschließlich Betty Grable, Will Rogers und Norman Rockwell. Die allmähliche Umbenennung in Scotty's Castle störte Johnson nicht weiter. "He repays me in laughs", wird Johnson über Scott zitiert. Der Börsencrash von 1929 hinderte Johnson schließlich daran, sein Bauvorhaben zu vollenden. Seine Versicherungsgesellschaft ging 1933 bankrott. Da die Johnsons keine Kinder hatten vererbten sie das Castle der religiösen Gospel Foundation und erteilten Scott ein lebenslanges Wohnrecht. Dieser wohnte jedoch fast ausschließlich in seinem eigenen kleinen Haus nahe des Castles und war nur gelegentlich als Gast im Schloss, wo er ein eigenes Zimmer hatte. Wie tief die Freundschaft zwischen Johnson und Scott war mag man daran erkennen, dass es im ganzen Castle kein Gemälde von Johnson uns seiner Frau gibt, dafür aber mehrere von Johnson und Scott. Auch trägt das Besteck die Gravur J und S. Walter Scott überlebte seinen Gönner 6 Jahre und starb am 5. Januar 1954. Er wurde auf einem Hügel über dem Castle begraben. Ein Weg führt zu seinem Grab. 1970 erwarb der National Park Service die Villa für $850.000 Dollar.

Death Valley, Kalifornien

Abfahrt zu Scotty's Castle (191kb).

North Highway, Death Valley, Kalifornien

Auf dem North Highway (195kb).

Ich besuchte Scotty's Castle, das ganzjährig geöffnet ist, in 2006 auf unserer Fahrt von nach Wir durchquerten dabei das Death Valley auf dem Highway 190 von Westen nach Osten.

Hinter den Mesquite Flats Sand Dunes verlässt man den Highway 190 und biegt links auf den North Highway (Highway 72) ab. Es erwartet den besuchswilligen Touristen zunächst eine ziemlich lange Anfahrt - was die grundsätzliche Überlegung legitimiert, auf einen Besuch aus Zeitgründen doch besser zu verzichten. Schließlich dürfte es sich bei den meisten Rundfahrten um einen Abstecher von der Route handeln. Wer sich doch für einen Besuch entscheidet, den erwartet eine in vielerlei Hinsicht skurrile Oase. Doch zunächst muss man durch den nördlichen Teil des Death Valley fahren. Die Landschaft, in der man sich bewegt, ist erwartungsgemäß ziemlich karg. Zwar gibt es immer wieder Hügelketten und Felsformationen, die sich von der Umgegend abheben, aber im Großen und Ganzen bleibt es eine Fahrt durch eine hügelige, trostlose Wüstenlandschaft. In dem recht weiten Tal bemerkt man zudem das Vorankommen kaum, da es entlang der Straße wenige optische Anhaltspunkte gibt und die Bergrücken links und rechts nur sehr langsam das Vorankommen anzeigen.

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Scotty's Castle taucht auf (311kb).

Während man zunächst auf der linken Seite noch die in der Ferne liegenden Mesquite Flats Sand Dunes erkennt, verschwindet dieses bekannte Besucherziel schon nach wenigen Minuten. Nach 24 Kilometern passiert man auf der rechten Seite die Zufahrt zum Titus Canyon. 29 Kilometer weiter biegt der Highway plötzlich nach rechts in ein Seitental ab, um im weiteren Verlauf das Death Valley zu verlassen. Zur Linken erkennt man an dieser Stelle das Vulkanfeld, rund ein dutzend sich überlappender Maare, deren größtes Exemplar insgesamt einen 722 Meter weiten und bis zu 237 Meter tiefen Krater bildet, der von Tuffstein umringt ist. Nach weiteren 5 Kilometern erblickt man schließlich das Ziel des Ausflugs: Scotty's Castle. Ein großer Parkplatz im prallen Sonnenlicht bietet kaum eine andere Möglichkeit, als sein Auto während der Besichtigung auf wohlig warme Siedetemperatur hochzuheizen. Wer noch Getränke wie die tägliche Cola-Dosis im Auto mitführt und sie nicht in die Kühlbox verfrachtet, hat nachher die einmalige Gelegenheit, völlig neuartige chemische Süppchen zu verköstigen - ein Genuss für Gaumen und ein wahres Kribbelerlebnis an den Papillen und Plomben.

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Frontansicht des Castles vom Hauptplatz aus (203kb).

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Der schmuckvolle Brunnen (263kb).

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Der südliche der beiden Türmchen (237kb).

Wir parkten unser Auto direkt gegenüber der Parkplatzeinfahrt vor der langgezogenen weißen Wand eines Gebäudes. Insgesamt besteht Scotty's Castle aus acht unterschiedlichen Häusern, von denen das Hauptgebäude, eine im spanischen Baustil errichtete Villa mit vielen Arkaden und einem Innenhof, die Hauptattraktion darstellt - auch optisch. Der imposante Bau springt direkt beim Betreten des Areals ins Auge, denn er überragt fast alle übrigen Bauwerke durch seine Größe und die beiden Türmchen.

Zunächst findet man sich auf einem Platz wieder, um den herum vier der Gebäude angeordnet sind. Im Westen begrenzt die umfangreiche, aber wasserlose Poolanlage den Komplex nach Süden. Nördlich darüber befindet sich die besagte Villa und westlich dahinter ein grauer Bau im Burglook, mit Zinnen und dem Clocktower. Nördlich des Platzes schließt sich der Curio Shop an, hinter dem noch das Cook House liegt. Im Nordosten führt ein Weg zunächst zur Hacienda und Scotty's Shack und ganz im Osten zu den Ställen. Den Abschluss nach Süden bildet hier ein langgezogenes Haus in L-Form, in dem sich auf der Platzseite das Visitor Center befindet: die Employee Appartements. Auf einem zweiten kleinen Platz zwischen Employee Appartements, Hacienda und Ställen befinden sich noch die öffentlichen Toiletten und ein kleines Vorratsgebäude.

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Das Visitor Center am Employee Building (401kb).

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Die Wendeltreppe im Turm, von unten betrachtet (189kb).

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Blick in den Innenhof; links das Castle, rechts der Annex (242kb).

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Im südlichen Castle befindet sich der Musikraum mit einer Orgel, die 1.000 Pfeifen hat (237kb).

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Der unvollendete Pool (448kb).

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Blick durch das westliche Tor Richtung Hauptplatz (244kb).

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Kraftwerk mit Clocktower (271kb).

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Blick auf die Ställe (453kb).

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Ausblick aus dem Turmeingang (243kb).

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Sonnenuhr am Annex im Innenhof (205kb).

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Durch eine Seitentüre sieht man das Osttor und den Turm (187kb).

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Ein chicer Balkon (335kb).

Scotty's Castle, Death Valley, Kalifornien

Der Clocktower (245kb).

Nach kurzem Studium der Informationstafeln vor dem Visitor Center nahmen wir zunächst das Hauptgebäude der Anlage unter die Lupe. Das Castle ist in der Mitte durch einen Innenhof in einen südlichen (castle) und einen nördlichen (annex) Gebäudetrakt aufgeteilt. Auf der Frontseite ist am Annex ein kleiner Turm vorgebaut. Während der Innenhof mit großen Holzgittertoren verschlossen war, stand die Türe zum Turm sperrangelweit offen. Da man hier nicht nur Schatten sondern auch einen Blick ins Innere erwarten konnte schleppte ich mich direkt dorthin. Eine Wendeltreppe an der Außenseite des Turminneren führte in die Höhe, jedoch war die Treppe für die Öffentlichkeit abgesperrt. Da man verschiedene Besichtigungstouren buchen (und bezahlen) kann, sind die inneren Bereiche des "Schlosses" nur im Rahmen dieser Führungen zugänglich. Aus dem Türbogen des Turmes heraus hat man einen reizvollen Blick auf den Brunnen des Hauptplatzes mit dem Visitor Center dahinter. Noch während ich im Turm ein wenig Kühle tankte kam eine Besuchergruppe die Treppe hinunter und ich beschloss, meine Erkundung draußen fortzusetzen.

Der Innenhof des Castles ist natürlich eines der Fotomotive, die man einfach ablichten muss. Zum Glück ermöglichen die Gatter der Tore an beiden Seiten das Hindurchschieben des Kameraobjektivs, so dass man ihn barrierefrei ablichten kann. Die zweigeschossigen Gebäude sind auf der oberen Etage durch eine Brücke miteinander verbunden. Nach ein paar Fotos war ich allerdings wieder so gut aufgeheizt, dass ich mit Freude unter die Arkaden des sich südlich anschließenden Traktes verschwand und ein paar Minuten auf einer Bank Platz nahm. Überhaupt sind die überall vorhandenen Überbauungen sehr angenehm.

Nun ging es weiter zur anderen Seite des Castles. Dazu führt der Weg zunächst etwas bergab und dann südlich zwischen Castle und Pool vorbei. Wäre da nicht der leere Betonpool könnte man tatsächlich glauben, es handele sich um ein authentisches spanisches Gebäude. Besonders die beiden kleinen Holzbalkone des Castles wirken äußerst attraktiv und stilvoll. Die Fensterscheiben passen in ihrer Erscheinungsform und Aufteilung teilweise leider nicht ganz so gut ins Bild. Auf der Rückseite muss man nun eine kleine Betontreppe emporklettern um wieder auf die richtige Höhe zu gelangen. Fasst um Gottes Willen nicht die sinnigerweise metallenen und dunkelbraunen Handläufe an, wenn Euch Eure Finger etwas wert sind. Der ummauerte und mit Kieseln bestreute Platz nennt sich trotz jedweder Pflanzenlosigkeit ironischerweise Tea Garden. Von ihm aus kann man in das andere Tor des Innenhofes schauen. Diesem gegenüber befindet sich ein übelst kitschig wirkendes Betonbauwerk. Was als Burg mit Zinnen und zwei an den Seiten hochführenden Wehrgängen getarnt ist, mutet zunächst wie ein versteckter Atombunker an. Es ist in Wirklichkeit das Kraftwerk der gesamten Anlage. Trotz dieser Geschmacksverirrung lohnt ein Gang auf die Burgmauer, denn nur von hier aus kann man das Castle in voller Schönheit und Ausdehnung bewundern. Das Kraftwerk nutzte die nahe Wasserquelle der Grapevine Canyon Springs, die ein Schaufelrad antrieb und damit Strom erzeugte. Als der Strombedarf im Laufe der Zeit, unter anderem durch die Orgel und ein elektrisches Piano, zunahm, wurden Dieselgeneratoren hinzugefügt. Die ursprüngliche Anlage mit dem Schaufelrad ist aber noch in Betrieb und sorgt abends für die Außenbeleuchtung. Der auf der Rückseite dieses Kraftwerks gelegene Clocktower (auch Chimestower) ist für die (nicht zahlende) Öffentlichkeit leider gesperrt. Ursprünglich sollte er als Hülle für Wassertanks mit warmem Wasser dienen, doch eine Planänderung führte schließlich zum Einbau eines Glockenspiels, das mit seinen 25 Glocken jede Viertelstunde erklang. Offenbar spielt es heute nicht mehr; ich habe es jedenfalls nicht gehört.

Nachdem ich nun die bekanntesten Teile der Anlage gesehen hatte wollte ich noch einen kurzen Rundgang durch die übrigen Bereiche machen, entschied aber aufgrund der Hitze, auf eine Inaugenscheinnahme der weit östlich liegenden Teile wie den Ställen zu verzichten. Ein Besuch der Toilette war jedoch unvermeidlich, was mich in den sehr angenehmen östlichen Platz hinter dem Visitor Center führte. Hohe Bäume spenden hier nicht nur Schatten, sondern lassen auch erahnen, dass die Lage von Scotty's Castle nicht zufällig gewählt ist. Ein paar Bänke laden zum Verweilen ein.

Nach kurzer, feuchter Wiedersehensfreude mit dem muggelich warmen Auto, die mir spontan einen Liter Flüssigkeit dehydrierte, fuhren wir wieder zurück zum Highway 190.

(c) Stefan Kremer - Alle Rechte vorbehalten

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