Mono Lake - Salzsee im Great Basin

Mono Lake, Kalifornien

Negit Island und Paoha Island (235kb).

Mono Lake, Kalifornien

Das südliche Ufer (321kb).

Mono Lake, Kalifornien

Schild am Vista Point vor Lee Vining (231kb).

Mitten im trockenen Great Basin der Eastern Sierra liegt der Mono Lake wie Quecksilber in einer flachen Schale, in dessen Oberfläche sich die schneebedeckten Bergrücken der Sierra Nevada spiegeln. In 1946 Metern Höhe (2007) gelegen ist er neben dem Great Salt Lake in Utah und dem Abert Lake in Oregon einer der letzten größeren salinen Seen im Great Basin und ein wichtiger Lebensraum für Wandervögel. Sein hoher Alkaligehalt macht den 180 Quadratkilometer großen und bis zu 43 Meter tiefen See nur für angepasste Lebewesen zum Lebensraum. Mit der umschließenden Vulkanlandschaft, den Ghosttowns und den forellengefüllten Bächen ist diese Gegend ein einzigartiges Naturerlebnis.

Die Gegend um den Mono Lake ist vulkanischen Ursprungs. Auch wenn man es den Hügeln im Norden, den Bodie Hills, und den Cowtrack Mountains im Osten nicht ansieht sind sie doch Überreste einer früheren vulkanischen Ära. Die Mono Craters hingegen, die sich südlich des Sees 19 Kilometer weit bis zum Crowley Lake anschließen, waren noch vor geologisch kurzer Zeit aktiv und sind dadurch auch als vulkanischen Ursprungs erkennbar. So ist zum Beispiel Negit Island, eine von zwei Inseln im Mono Lake, erst vor rund 2.000 Jahren entstanden. Die Vulkankette, die sich 16 Kilometer nach Norden und Süden des Sees ausdehnt, ist vermutlich das jüngste Vulkangebiet in Nordamerika. Die letzte Eruption fand vor 700 Jahren im Panum Crater am Südufer statt. Dieser ist eigentlich kein Krater sondern ein plug-dome Vulkan, bei dem abgekühlte Lava einen Stopfen im Vulkanschlund gebildet hat und diesen verkorkt. Die gesamte Vulkankette besteht aus solchen plug-domes, die in den letzten 40.000 Jahren entstanden sind. In der Umgebung gibt es heiße Quellen, ausgekühlte Lavaströme und andere Anzeichen vulkanischer Aktivität.

Negit Island, Mono Lake, Kalifornien

Die vulkanische Negit Island (212kb).

Der Mono Lake entstand vor über 1 Million Jahren. Diese recht genaue Datierung gelang 1908 als Prospektoren auf Paoha Island nach Öl suchten. Sie fanden in einer Gesteinsschicht eine Ascheschicht von der Long Valley Eruption zwischen hunderten feet von Seesedimenten. Die Long Valley Eruption fand 32 Kilometer südlich des Mono Lakes am nördlichen Rand der Long Valley Caldera statt. Mit einer Stärke, die 2.500 Mal größer war als der Ausbruch von Mount St. Helens 1980 wurden 150 cubic miles Erde und Asche in die Luft geschossen und verteilte sich bis nach Nebraska. Es entstand ein über 1,6 Kilometer tiefer Krater in einer 200 square mile großen Senke, die Long Valley Caldera. Damit existierte der See bereits zur Zeit der Eruption vor 760.000 Jahren und auch vorher; er gehört zu den ältesten Seen in Nord Amerika.

South Tufa Area, Mono Lake, Kalifornien

Tufas in voller Schönheit - wie in einem Garten (498kb).

South Tufa Area, Mono Lake, Kalifornien

Aussicht vom Parkplatz der South Tufa Area (247kb).

South Tufa Area, Mono Lake, Kalifornien

Auf dem Weg zum Ufer (382kb).

Inmitten des Sees liegen zwei vulkanische Inseln: die größere helle Paoha Island entstand um 1680, als Bodensediment durch vulkanische Aktivitäten an die Oberfläche gedrückt wurde, die kleinere schwarze Negit Island ist wie erwähnt bereits über 2.000 Jahre alt.

In Ufernähe prägen spitze und krustige Türme aus Mineralienablagerungen das charakteristische Bild des Sees. Es sind Kalktuffe (tufa). Diese sind seit 1941 zunehmend sichtbar. Das liegt daran, dass ab diesem Zeitpunkt das Los Angeles Department of Water and Power Wasser von den Zuflüssen des Sees ableitete und dadurch der Wasserspiegel sank. In den 1990ern konnte der Wasserentzug durch mehrere Gerichtsurteile drastisch begrenzt werden, so dass heute der Wasserspiegel wieder leicht steigt - 3,08 Meter seither (2007).

Tufas entstehen am Seegrund, wo kalziumhaltiges Süßwasser in das karbonatreiche Seewasser quillt. Karbonat und Kalzium verbinden sich und sinken als Kalkstein zu Boden, wo sie im Umfeld der Quelle die bizarren Gebilde formen und im Laufe der Jahrhunderte ganze Türme bilden. Die höchsten Tufas erreichen eine Höhe von 9,1 Metern. Um die zerbrechlichen Tufas zu schützen wurde 1981 die Mono Lake Tufa State Reserve eingerichtet.

Der hohe Salzgehalt des Mono Lake liegt darin begründet, dass der See zwar zahlreiche Zuflüsse aus den umliegenden Bergen, jedoch keinen Abfluss hat. So bleibt für das Wasser nur die Verdunstung im heißen Wüstenklima. 1,2 Meter können in einem Jahr verdunsten und machen den See 2-3 mal salziger als Meerwasser (Salzgehalt etwa 8%). Die chemische Zusammensetzung ist einzigartig auf der Welt. Durch die vulkanische Aktivitäten sind zahlreiche Mineralstoffe ins Wasser gelangt, durch die sich der See von anderen Salzseen unterscheidet. Sodium, Karbonate, Sulfate, Borate und Potassium gehören zu den Inhaltsstoffen und erzeugen einen pH-Wert von 10. Besucher sollten daher auf einen Kontakt mit dem Wasser verzichten, denn Schuhe und Kleidung nehmen bei längerem Kontakt Schaden.

Die Flora ist geprägt von Wüsten-Beifuß (sagebrush), der meist verbreiteten Pflanze im Great Basin, und Jeffrey-Kiefern (big jeffrey pines). Von diesen gibt es südlich des Sees die größte Ansammlung weltweit. Große Tiere gibt es hier wenige. Nur Möwen (gulls), Haubentaucher (grebes), Salinenkrebse (brine shrimp) und die Alkalifliege (alkali fly) fühlen sich wirklich wohl. Fische gibt es im See keine. In den Bodie Hills im Norden findet man Gabelböcke (pronghorn antelopes), und Gelbbauchmurmeltiere (yellow-bellied marmots) aalen sich in der Sommersonne der High Sierra. New-Mexico-Schaufelfußkröten (great basin spadefoot toads) erfüllen die Abendluft mit ihrem endlosen Quaken während die Nachtfalken (nighthawks) in der Dämmerung die zahlreichen Insekten jagen. Trillionen brine shrimp leben und vermehren sich im salzigen Wasser des Mono Lake. Sie sterben im kalten Wasser des Winters komplett aus. Da sie jedoch im Sommer und Herbst kleine Eier mit unentwickelten Embryos bilden, die mehrere Jahre metabolisch inaktiv bleiben können (sog. Kryptobiose) kann im Frühjahr eine neue Generation heranwachsen. Die Alkalifliegen bilden die Nahrung der faustgroßen Wilson-Wassertreter (Wilsons phalaropes) für ihren 4.800 Kilometer weiten Nonstop-Flug nach Südamerika, für den sie nur 3 Tage benötigen. Im Sommer kann man sie im flachen Ufer beobachten, wie sie schnell im Kreis schwimmen und dadurch kleine Wirbel erzeugen, die Fliegenlarven an die Oberfläche befördern. An den Ufern kann man außerdem Möwen und Purpurstärlinge (Brewers blackbirds) mit offenem Schnabel herumlaufen sehen, die auf diese Weise ausgewachsene Fliegen fangen. Überhaupt nutzen über 2 Millionen Zugvögel aus den Küstengebieten, bestehend aus 35 Arten, den Mono Lake als Ort der Nahrungsaufnahme, der Brut und des Ausruhens auf ihrer Reise. Hinzu kommen 1,5 Millionen Schwarzhalstaucher (eared grebes) und Wassertreter.

South Tufa Area, Mono Lake, Kalifornien

Die Felsen im See (424kb).

South Tufa Area, Mono Lake, Kalifornien

Bizarr und doch schön (297kb).

South Tufa Area, Mono Lake, Kalifornien

Das ferne nordöstliche Ufer (278kb).

Insgesamt findet man am Mono Lake und seinen 14 ökologischen Zonen über 1.000 Pflanzenarten und etwa 400 Wirbeltierarten in dem Wassereinzugsgebiet des Sees. Damit bildet der Mono Lake und seine Umgebung eines der reichhaltigsten Naturgebiete Kaliforniens.

Erste Anlaufstation für interessierte Besucher ist das 1992 eröffnete Scenic Area Visitor Center 400 Meter nördlich von Lee Vining direkt am Highway 395. Dieses ist von Juni bis September zwischen 9 und 16:30 geöffnet; in den übrigen Monaten Donnerstags bis Montags von 9 bis 16 Uhr. Hier erhält man umfassende Informationen über die Geologie, Ökologie und Geschichte des Mono Basins. Der 20-minütige Film "Of Ice and Fire: A Portrait of the Mono Basin" wird regelmäßig gezeigt. Zwei Bildergalerien und ein Bookstore erweitern das Angebot.

Beste Stelle zur Besichtigung der Tufas ist die South Tufa Reserve am südlichen Ufer. Diese erreicht man, wenn man von Lee Vining aus 8 Kilometer auf dem Highway 395 nach Süden fährt und dann 8 Kilometer nach Osten den Highway 120 entlangfährt. Eine Eintrittsgebühr von $3 für Erwachsene wird erhoben, der Annual Pass wird akzeptiert.

Ebenfalls am südlichen Ufer befindet sich südlich der South Tufa area der Panum Krater. Vom Highway 120 east führt eine kurze Dirtroad etwa 5 Kilometer östlich des Highway 395 zu ihm nach Süden. Mit 700 Jahren ist er der jüngste Vulkan der Mono Krater, mit fast 20 Meter hohen Lavatürmen. Über zwei kurze Wege ist er zudem der am besten erreichbare. Der Rim Trail führt auf dem Kraterrand um den Vulkan herum, mit beeindruckenden Aussichten auf die Sierra Nevada und das Mono Basin. Über den Plug Trail kann man auf den Gipfel des plug dome klettern. Am Panum Crater gibt es kaum Schatten.

Der Navy Beach, östlich der South Tufa Reserve gelegen, bietet Bademöglichkeiten, wo man wie im Toten Meer schwerelos im Salzwasser treiben kann. Das extrem salzhaltige Wasser kann jedoch brennen, weswegen man sich nach dem Bad mit Süßwasser abwaschen sollte. Die nächsten Duschen findet man allerdings in Lee Vining. Weil hier die Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Ufernähe bestehen ist dies der beliebteste Anlaufpunkt für Kajak- und Kanutouren.

Am Nordufer führt eine Seitenstraße von Highway 395 zum Mono County Park. In diesem mit Wildblumen und Gras sowie schattenspendenden cottonwood trees bewachsenen und mit den schönsten Tufatürmen gespickten Park erhält man auf dem einfachen Weg einen hervorragenden Eindruck vom Mono Lake, an dessen Ufer man die Vögel beobachten kann. Es ist der ideale Picknickplatz, mit Toiletten, Trinkwasser, Tischen und Schaukeln. Weitere 8 Kilometer auf der unbefestigten Straße führt zu den Black Point Fissures. Vor 13.000 Jahren traten hier unter der Wasseroberfläche große Menge geschmolzener Lava aus, die abkühlte und sich zusammenzog. So entstanden auf der Oberfläche Risse und Spalten, einige nur 1-2 Meter breit, aber bis zu 20 Meter tief. Hitze, Staub und Trockenheit sind der Preis für eine Besichtigung.

Von Mitte Juni bis Mitte September veranstaltet das Mono Lake Committee an Samstagen und Sonntagen um 8, 9:30 und 11 Uhr einstündige Kanutripps für $17. Kajakerkundungen ab $65 werden durch Caldera Kayaks angeboten.

(c) Stefan Kremer - Alle Rechte vorbehalten





Schließen