![]() Die Eingangshalle des Düsseldorfer Flughafens (359kb). |
![]() Verspätung (309kb). |
Beim Checkin geschah in der Warteschlange neben uns Beachtliches. Ein älterer türkischer Herr und seine immens dicke Frau mit Kopftuch, weitem Rock und sehr weitem Oberteil standen neben uns in der Schlange. Die Dame fiel den Kontrolleuren irgendwarum auf und durfte dann einen genauesten Bodycheck durchlaufen. Die Zolldame fuhr immer wieder mit ihrem Handchecker über ihren Oberkörper und diskutierte mit der türkischen Dame. Die schüttelte immer wieder den Kopf und erläuterte, es sei ihre BH-Stange. Mittlerweile beobachtete unsere gesamte Schlange die Ereignisse am Nachbarcheckpoint. Vor uns eine Familie mit zwei großen Kindern und hinter uns noch zwei Ehepaare. Wir mussten schmunzeln. Die Zolldame blieb standhaft und klopfte jetzt mit den Händen die gewaltigen Busenmassen der Dame genauestens ab und erklärte, dass diese dicke Wulst kein BH-Stängchen sein könnten. Nach einigem Hin und Her griff die Dame dann in ihr Oberteil (von oben) und holte an einer Schnur einen schwarzen Beutel hervor. Bei uns ging ein Raunen durch die ganze Reihe. Sie lächelte auch entschuldigend zur Zolldame, zog die Schultern hoch, mittlerweile war sie hochrot geworden und lächelte jetzt auch zu uns (wir waren praktisch die Zuschauerreihe) und unter Staunen wurde dann der Beutel geöffnet und es enthüllte sich ein dickstes Paket 50 Euro Noten. Mittlerweile standen auch schon zwei Polizeibeamte Spalier hinter dem Checkpoint. Wir mussten lachen und die Familie vor uns meinte, jetzt weiß es jeder, wie reich die Dame ist. Leider habe ich nicht mehr verfolgen können, wie die Dame dann an den beiden Polizeibeamten vorbeigekommen ist, denn jetzt waren wir dran und durften unsere Utensilien in die grauen Schalen legen. Überraschenderweise durften wir die Schuhe anbehalten.
Beim Warten in der Lounge entdeckten wir einen bequemen Massagestuhl, der natürlich ausgiebig getestet wurde; man muss ja Zeit totschlagen. Pünktlich zur angekündigt verspäteten Zeit begann schließlich das Boarding. Wir hatten uns allesamt zusammenhängende Plätze an der linken Fensterseite ausgesucht.
![]() Wieder mal fast die ersten an Bord (186kb). |
![]() Wir sitzen direkt am Eingang (172kb). |
![]() Nüsse, die eventuell Nüsse enthalten (260kb). |
An Bord ereignete sich diesmal nichts ungewöhnliches. Die Sitze waren zwar gefühlt etwas enger als zuletzt bei KLM, aber man kann sich arrangieren. Wenn nur dieses ganze unnütze Zubehör (Decke, Kissen, Katalog) nicht immer im Weg wäre. Zu Essen gab es wie immer Hühnchen oder Pasta - also Hühnchen für mich. Das sogar zwei mal; einmal mit Püree und einmal mit Nudeln. Beide Male hat es mir hervorragend geschmeckt. Überhaupt mag ich diese Flugzeugkost, bei der die ganzen Beilagen wie der knackige Salat oder das Obst immer sehr viel Flüssigkeit enthalten und dadurch ausgesprochen erfrischend wirken. Sogar heiße Tücher zum Abwaschen der Hände wie beim Chinesen wurden gereicht; für manche ein Anlass, eine Gesichtswäsche vorzunehmen. Für 1,50 EUR habe ich mir noch ein Tütchen Nüsse gekauft - duty free versteht sich. Bemerkenswert die Aufschrift auf der Rückseite der Verpackung: "Produkt kann Spuren von Nüssen enthalten"...
![]() Das erste warme Essen... (274kb) |
![]() ... und der zweite Gang (337kb). |
![]() Beim Rückflug gabs Schweinebraten... (225kb) |
![]() ... und eine bayerische Brotzeit (218kb). |
Das Ausfüllen der berüchtigten Einreiseformulare ließ sich auch diesmal nicht umgehen. Und jedes Mal falle ich beim Eintragen des Geburtsdatums darauf herein, dass die Beschriftungen oberhalb der Zeilen stehen. Die Stewardess reagierte äußerst pampig, als ich nach einem neuen Zettel fragte. Mit der Bemerkung, sie hätten nicht für jeden drei und sie hätten ja wohl ausführlich erklärt, wie man sie richtig ausfülle, holte sie mir einen neuen. Ok, ich saß in der Touriklasse, also wird man wie ein Touri behandelt. Trotzdem war ich nun etwas säuerlich; für 800 Euro darf man wohl ein zusätzliches Blatt Papier erwarten dürfen, das - wie sich schon bald zeigen sollte - doch kartonweise zur Verfügung stand. Was ein größeres Problem im Flieger war: es gab keine Kugelschreiber zum Ausfüllen. Die wenigen Exemplare, die die Mitreisenden im Handgepäck hatten, mussten rundgereicht werden. Und das, wo die Homeland Security doch angeblich so penibel auf alles achtet. Wenn man da mit dem falschen, nicht dokumentenechten Stift, und womöglich noch in einer verbotenen Farbe... Wie auch immer, man hat uns einreisen lassen.
![]() Über den Hollywood Hills (118kb). |
![]() Ein Highwaykreuz (161kb). |
![]() Die Departure Halle vom Tom Bradley International Terminal bei unserer Abreise (312kb). |
Beim Landeanflug konnten wir trotz Verbots ein paar nette Fotos von Los Angeles schießen. Dann setzte die Maschine auf und wir durften endlich aussteigen. Doch wenn wir nun glaubten, direkt zum Gepäck zu können, waren wir falsch gewickelt. Wir waren nämlich nicht am Hauptterminal gelandet sondern j.w.d. - janz weit draußen. Mit einem Shuttlebus mussten wir erst mal vom Landeterminal in das Hauptgebäude des Flughafens fahren. Im Shuttlebus herrschte beklemmende Enge, denn auch die Stehplätze waren überbesetzt. Jeder will natürlich mit dem ersten Shuttle mitfahren, also zwängt man sich hinein. Dessen ungeachtet ging es nun in ruppigem Fahrstil voran; 5 Minuten vielleicht, dann ist man endlich angekommen. Mein Gefühl, ein Billig-Touri zu sein, verdichtete sich. Insgesamt war dies schon eine unerwartete Unbequemlichkeit, aber es sollte noch weitaus schlimmer kommen.
Die Einreise im Tom Bradley International Terminal war ein einziges Chaos. LAX ist einer der größten Flughäfen der Welt mit über 61 Millionen Passagieren pro Jahr (2006), und bei der Ausweiskontrolle gab es einen riesigen Rückstau. Ein aufwendiger Flughafenumbau ($723,5 Millionen teuer, wie man auf stolzen Wandplakaten erfuhr) beeinträchtigte den gesamten Betrieb deutlich. Bis März 2010 sollen weite Teile des Terminals erneuert und modernisiert werden. Ein Anbau ist ebenfalls geplant. Zudem waren unverständlicherweise nicht alle Schalter besetzt, und die diensthabenden Sicherheitsbeamten hatten sich offenbar für einen Bummelstreik entschieden. Als ich nach einer Stunde in der Warteschlange schweißgetränkt - die Klimaanlage war auch außer Betrieb und nur riesige Ventilatoren verteilten die Wärme ein wenig - endlich zu dem bulligen Kontrolleur vorgelassen wurde hatte der alle Zeit der Welt, um sich meine Ausweispapiere durchzusehen (als ob es da was spannendes zu lesen gäbe). Zwischen jeder Abfertigung war für ihn übrigens eine kurze Pause angesagt, in der der Computer angestarrt wurde. Schließlich justierte er die kleine Webcam für ein Foto, nuschelte dann etwas Unverständliches, womit er aber meinte, dass ich nun beide Zeigefinger nacheinander auf den Scanner legen solle. Als Rechtshänder wähnte ich zuerst meine rechte Hand am Zuge, doch weit gefehlt. Einen bösen Blick und eine weitere unverständliche Wortkette einkassierend übersetzte mir ein anderer Flughafenmitarbeiter netterweise, zuerst sei der linke Zeigefinger dran. Ich war ganz irritiert. Wieso gab es hier nicht die schönen Erklärtafeln für Dumme, wie man sie sonst zu allen überflüssigen Gelegenheiten präsentiert bekommt? Und wieso reicht mein (ich behaupte mal hervorragendes) Englisch nicht aus, um einen Staatsbediensteten zu verstehen? Schließlich tackerte der nun wieder Lethargie verströmende Beamte in einer letzten Kraftanstrengung den begehrten grünen Zettel in den Pass und ließ mich gehen. Den Zehnfingerscan gab es offenbar noch nicht. Ich warte ja noch auf den Tag, wo man ein kleines Gefäß zur Abgabe einer DNA-Probe überreicht bekommt.
![]() Hier gibt man das Gepäck auf (362kb). |
Durch die Verzögerungen bei der Abfertigung lief das Gepäck auf die Bänder, ohne dass die Leute schon dort waren. Als die schließlich durch die Kontrollen waren, waren die Anzeigetafeln, die einem den Weg zum richtigen Gepäckband wiesen, längst bei anderen Maschinen, so dass niemand wusste, wo sein Gepäck gelandet war. Derweil stapelten sich an den Bändern die Koffer immer höher, denn die Flugzeuge wurden natürlich weiterhin entladen. Bedienstete waren vom oberen Stockwerk in die Mitte der Bänder geklettert und warfen die Kofferberge runter damit es überhaupt noch weitergehen konnte. Schließlich half aber alles nichts und es mussten doch alle Bänder angehalten werden weil nichts mehr ging. Laut der Anzeige, die wir zum Glück direkt nach dem Betreten der Einreisehalle inspiziert hatten, sollten unsere Koffer auf Band 5 ankommen. Das war nach der Abfertigung, also eine Stunde später, aber bereits wegen Defekts abgeschaltet. Eine halbe Stunde brauchte nun ein Flughafenmitarbeiter um rauszubekommen, dass Band 9 das unsere sei. Das ging auch nur, weil wir wussten, wo die Koffer eigentlich erwartet wurden. Auf Band 9 lief aber auch nicht viel; man kam gar nicht bis zum Band vor, so viele Gepäckstücke lagen da herum. Einige Mitreisende aus unserem Flieger saßen fassungslos vor den Gepäckbergen. Mit viel Glück konnten wir unsere deutlich markierten Taschen dann doch recht zügig herausangeln. Also LAX muss ich mir nicht nochmal antun. Jedenfalls nicht, solange der Umbau noch andauert...
Jetzt konnte es nicht schnell genug hinaus gehen. Nicht nur der Stress sondern auch die unangenehme muffige Hitze im Terminal machten uns sehr zu schaffen. Frische, wenn auch wenig kühlere Luft, erwarteten uns vor dem Ausgang; gepaart mit dem nächsten Problem. Unsere Autovermietstation hieß Thrifty, und die konnte man wie alle übrigen auch nur mit einem Shuttle erreichen. Diese fuhren auch in großer Menge ständig am Ausgang vorbei. Budget, Alamo, Hertz... nur kein Thrifty. Waren wir an der richtigen Stelle? Hielt unser Shuttle womöglich woanders? Es gab noch eine zweite Straße auf einer höheren Ebene über uns, auf der ebenfalls Kleinbusse verkehrten. Nun mussten alle die Augen offen halten, um unseren Shuttlebus zu finden und herbeizuwinken. Erschwert wurde diese Aufgabe weil wir nicht wussten, wie der Schriftzug und die Busse von der Farbgebung her gestaltet waren. Den Mietwagen hatten wir über DerTour gebucht und erst kurz vor dem Abflug erfahren können, dass Thrifty unser Vermieter ist. Nach einer Viertelstunde kam schließlich unser herbeigesehntes Transportmittel. Als kleinerer Autovermieter hat Thrifty eben eine viel kleinere Shuttleflotte, was mit längeren Wartezeiten verbunden ist. Das war nun auch egal, wir waren schon lange auf den Beinen, und der Tag war noch nicht zu Ende.
![]() Unser Dodge Grand Caravan (188kb). |
![]() Rückansicht mit unserem tollen Nummernschild (172kb). |
![]() Der Innenraum: M&Ms und Diet Coke dürfen nicht fehlen (275kb). |
Die nette Dame vom Bus ließ uns nun einsteigen. Die Gepäckstücke wurden in ein klappriges Regalkonstrukt gelegt, natürlich in keinster Weise dort fixiert, und los gings. Zehn Minuten Fahrt vom Flughafen zur Vermietstation am Century Boulevard verschafften uns die ersten optischen Eindrücke von Los Angeles. Das Encounter Restaurant mit seiner gelungenen Architektur auf dem Flughafengelände war der erste Lichtblick. Einige große Hoteltürme in Flughafennähe folgten, und viel Verkehr. Zufrieden, unsere erste Unterkunft nicht in dieser riesigen Stadt zu haben, ließen wir die Gebäude an uns vorbeiziehen. Schließlich hielt das Shuttle direkt vor der Rezeption von Thrifty. Hier stand nun die nächste Hürde bevor. Sollten wir den richtigen Mietwagen bekommen? Wir waren zu sechst, weswegen es nicht sonderlich viel Verhandlungsspielraum gab. Zunächst mussten wir uns aber standhaft aller Zusatzversicherungen erwehren, die uns natürlich alle angeblich fehlten und ohne die man das Auto in keinstem Falle aushändigen wollte. Nachdem man ein Einsehen mit unserer sturen Verweigerungshaltung hatte durften wir uns in Block 10 ein Auto aussuchen. Choiceline also, sehr praktisch. Wir schleppten uns und unsere Koffer zum besagten Abschnitt des Außenparkplatzes, in dem die ganze Minivanflotte geparkt war. Der augenscheinlich größte Minivan, ein roter Ford, war offenbar fälschlicherweise hier abgestellt, denn er war sowohl breiter als auch länger und höher als die übrigen Minivans; eine Mischung aus SUV und Van der Marke "A-Team Van mit Fenstern". Nach längeren Diskussionen entschieden wir uns aber für einen blauen Dodge Caravan, der zweitgrößte Wagen im besagten Abschnitt. Der Vorteil bei diesem Modell war der tiefe Kofferraum, in den wir all unser Gepäck unterbringen konnten. Außerdem gab es unter den Rücksitzen große Bodenwannen, die man ebenfalls mit Taschen befüllen konnte. Insgesamt war das eine sehr gute Wahl wie ich fand. Nachdem das GPS angestöpselt war verließen wir mit dem entsprechenden Mietvertrag den Parkplatz und stürzten uns ins Highwaygetümmel. Malibu hieß unser Tagesziel.
(c) Stefan Kremer - Alle Rechte vorbehalten
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