Twentynine Palms Motel 6 Dennys Pizza Hut Library Joshua Tree Nationalpark Parker Dam

Parker Dam, Lake Havasu, Colorado, Kalifornien, Arizona
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Wir nähern uns dem Parker Dam (275kb).

Parker Dam, Lake Havasu, Colorado, Kalifornien, Arizona

Der Damm gleicht einem Monument (228kb).

Parker Dam, Lake Havasu, Colorado, Kalifornien, Arizona

Schikanöse Fahrbahnverengung (346kb).

Die Strecke von Lake Havasu nach Twentynine Palms zieht sich. Zunächst fahren wir den Highway 95 um den Ostzipfel des Lake Havasu herum, biegen dann aber zum Parker Dam auf die Parker Dam Road ab. Diese führt nach 1,2 Kilometern zu eben jenem kleinen Staudamm, wegen dem der Lake Havasu überhaupt existiert. Was kaum jemand ahnt: dieses beschauliche Bauwerk, gebaut zwischen 1934 und 1938, ist der tiefste Staudamm der Welt. Bis 72 Meter unterhalb des Flussbetts ragt die 97,5 Meter hohe Staumauer. Der Taleinschnitt ist schmal, der Damm mit seinen 261 Metern Dammkronenlänge schnell überfahren. Eine besondere Schikane gibt es vor und hinter dem Damm: hier ist die Straße bewusst verengt, so dass man diese Stelle nur im Schritttempo passieren kann. Warum dies auch hinter dem Damm geschieht ist mir nicht erklärlich, aber so ist es eben. Zahlreiche Gummispuren und Verbeulungen in der gelben Plastikbarriere offenbaren, dass ziemlich viele Autofahrer kein gutes Augenmaß haben - bei einem Mietwagen nicht sehr verwunderlich. Nachdem wir nun den Parker Dam überquert haben befinden wir uns nördlich des Colorado auf einer Landstraße, die an unzähligen Campgrounds und Mobile Home Anlagen entlang des Flusses vorbeiführt. Sie ist vermutlich sehenswerter als der Highway, der auf der anderen Seite in etwas größerem Abstand dem Flusslauf folgt. Die Campinganlagen sind teilweise in saftig grünen Wiesen mit vielen Bäumen angelegt, was sehr viele Amerikaner für einen Urlaub nutzen. Andere wiederum wirken wie graue Kiesplätze, und doch sind fast alle Stellplätze belegt.
Bluewater, Kalifornien

Nicht nur die Landschaft ist trist: Garagenphalanx vor Bluewater (160kb).

Parker, Arizona

Die Eisenbahnbrücke von Parker (284kb).

Wir passieren Cienega Springs und Bluewater und erreichen schließlich Parker, die allesamt jenseits des Flusses in Arizona liegen während wir uns in Kalifornien befinden; der Colorado bildet hier die Grenze. Eine markante schwarze Eisenbahn-Stahlgitterbrücke begleitet die parallel verlaufende Straßenbrücke und bildet den Ortseingang von Parker. Gleichermaßen markiert sie die Stelle, wo wir auf den Highway 62 auffahren. Dieser heißt nach unserem Tagesziel übrigens auch 29 Palms Highway. Wir überqueren die Brücke nicht und bleiben auf kalifornischer Seite.

Die Landschaft wird nun sehr öde, denn wir verlassen den Fluss. Markante Blickfänge sucht man vergebens. Dies mag ein Grund dafür sein, dass der Bahndamm, der ab kurz hinter Parker neben dem Highway 62 herläuft, mit zahlreichen Schriftzügen verziert ist, die Autofahrer aus Kieselsteinen liebevoll auf die Trassenflanke gelegt haben und die dort dank des trockenen Klimas viele Jahre unverändert liegen bleiben. Liebeserklärungen, schlaue Sprüche oder Zeichnungen - im Vorbeifahren kann man immer nur Bruchstücke aufschnappen. So hat zumindest der Beifahrer etwas anzuschauen während der Fahrer dem immer geradeaus führenden Highway folgt.

Desert Sign Post, Highway 62, Kalifornien

Der berühmte Desert Sign Post (190kb).

Highway 62, Kalifornien

Vorsicht: Dips ahead (202kb).

Highway 62, Kalifornien

Eine wirklich öde Strecke (199kb).

Einer ganz besonderen Attraktion begegnet man mitten in der Wüste ganz unscheinbar am Straßenrand etwa 24 Kilometer hinter Rice. An der Abfahrt zur Iron Mountain Pump Plant Road, die zu einer Pumpstation im Verbund des Colorado River Aqueduct Systems führt, steht am Wegesrand ein Wegweiser, der Desert Sign Post. Dieser einsame Pfahl wurde im Laufe der Jahre von vielen vorbeifahrenden Menschen mit allerlei Hinweisschildern geschmückt, so dass letztendlich ein sich ständig änderndes Kunstwerk entstanden ist. Hin und wieder fallen Schilder dem rauen Klima zum Opfer und lösen sich vom Holzstamm, was andere nutzen, einen Wegweiser zur ihrem Heimatort oder zu ihrer Firma an der frei gewordenen Stelle anzubringen. Der Sign Post ist mittlerweile so berühmt, dass er ein CD-Cover schmückt - übrigens mit einem Foto von Michael.

Hin und wieder erfreut ein mitunter heftiger Dip die Insassen, die wie in einer Achterbahn ein mulmiges Gefühl im Magen verspüren. Ansonsten herrscht einschläfernde, optische Langeweile.

Etwa 50 Kilometer vor Twentynine Palms erreicht man eine große Sanddüne. Hier ragen einige felsige Hügel aus der Landschaft empor, zwischen denen sich oranger Sand angesammelt hat. Der Highway schlängelt sich bei sanftem Gefälle um diese natürlichen Hindernisse herum. Die Dünen indes waren von zahlreichen breiten Reifenspuren durchfurcht; offenbar ist dieser Ort ein beliebtes Ziel für Quadfahrer. Gleich hinter den Sandbänken passiert man rechterhand einen fast ausgetrockneten See, den Dale Lake. Dann folgt wieder Einöde, bis ein kleiner Flughafen zur Linken das Erreichen von Twentynine Palms ankündigt.

Twentynine Palms, Kalifornien

Twentynine Palms wirkt da wie eine Oase; hier der Highway 62 mitten in der Stadt (237kb).

Twentynine Palms, Kalifornien

Blick in die umgekehrte Richtung; links das rote Dach des El Rancho Dolores Motel (212kb).

Die Peripherie bilden winzige Hütten, die vereinzelt mitten in den Feldern stehen und selbst für Hunde noch zu klein wären. Sind die Leute hier so arm oder dienen diese Häuser als Geräteschuppen? Die Bebauung wird langsam dichter und rückt näher an den Highway heran. Dann sind wir mitten im Zentrum des für unsere Verhältnisse kleinen Dorfes.

Ganze 14.764 Einwohner zählt der Ort im San Bernardino County (2000), und doch umfasst er 142 Quadratkilometer, was ihn flächenmäßig größer macht als San Francisco. Hier befinden sich die Park Headquarters des Joshua Tree National Parks und das Marine Corps Air Ground Combat Center, die größte Marinebasis der Welt. Benannt wurde der Ort nach den Palmen an der Oasis of Mara (die lokal ansässigen Chemehuevi-Indianer nannten den Ort "Mar-rah", was soviel bedeutete wie "Land des wenigen Wassers"), dem jetzigen Standort der Parkheadquarter am Nordeingang des Parks. Zu dem Zeitpunkt, als sich in den 1870ern hier die ersten Siedler und Goldsucher niederließen, standen dort 29 Palmen, von denen heute noch einige existieren. Palms Springs - so nannte man diesen Ort damals - diente in der Folge als Raststätte für die Kutschen des Utah Trail und als Zwischenlager für die Goldsucher, die hier ihre Wasservorräte auffüllten bevor sie zu den Claims in der Wüste weiterreisten. Mit etwa dem Beginn des 1. Weltkriegs erlosch die Bergbauaktivität. Nach dem Krieg kamen viele Veteranen, die durch den Giftgaseinsatz Atemprobleme hatten, nach Twentynine Palms, das wegen seiner sauberen und trockenen Luft sowie seiner Nähe zu den Großstädten an der Küste ideal als Erholungsgebiet erschien. 1927 wurden die ersten Straßen angelegt und eine Schule gegründet. Zur Stadt wurde Twentynine Palms jedoch erst am 23. November 1987. Berüchtigt sind die extremen Temperaturen dieser Gegend. Zwischen 48,3 und -12,2 Grad Celsius reicht die Bandbreite.

Motel 6, Twentynine Palms, Kalifornien

Das Motel 6, Ansicht vom Parkplatz am Highway 62. Links der Außenpool (195kb).

Motel 6, Twentynine Palms, Kalifornien

Unser Zimmer in 2006 (286kb).

Motel 6, Twentynine Palms, Kalifornien

Die Einrichtung gewohnt solide, ... (211kb)

Motel 6, Twentynine Palms, Kalifornien

... die Lampen gewohnt schief (302kb).

Motel 6, Twentynine Palms, Kalifornien

Motelrückseite mit Außentreppe (299kb).

Eine Unterkunft hatten wir in 2006 nicht vorgebucht. Wir wussten aber aus dem ADAC Tourbook, dass es ein Motel 6 im Ort gab. Nachdem wir bei der Fahrt durch Twentynine Palms zunächst an einem anderen Motel vorbeigefahren waren entschieden wir, noch bis zum Ortsausgang durchzufahren und dann zu entscheiden, was wir machen. Hinter diesem ersten Motel, dem El Rancho Dolores Motel (es war nicht das erste am Highway, aber wir empfanden es so), führt der Highway 62 auf einen Hügel hinauf. Wie die Amerikaner das wegen dem Schachbrettmuster so machen umfahren sie eben keine Hügel sondern bauen die Straße lieber schnurgerade darüber - selbst wenn die Umfahrung nur eine seitliche Abweichung von 190 Metern erfordert hätte, oder ein paar Tage Arbeit mit dem Bagger. Also geht es mitten im Ort steil bergauf auf jenen markanten Hubbel, der so den ansonsten flachen Ort in zwei Hälften teilt. Jedenfalls hat man auf diese Weise die Möglichkeit, am späten Abend in den Sonnenuntergang hineinzufahren. Das hat auch seinen Reiz gebe ich zu. Hinter dem Hügel tauchte nun zu unserer Rechten das Motel 6 auf. Ein dreigeschossiges, langes Gebäude, dessen Zimmeranzahl von 124 den Anschein erweckte, dass wir hier noch ein Kämmerlein bekommen können sollten. Motel 6 ist ja auch mal nicht der teuerste Anbieter. Also fuhren wir vor die Lobby und erkundigten uns. Ein Zimmer für drei Personen, kein Problem. Auf der 1. Etage nach hinten raus. Die Koffer konnten wir über einen Aufzug hinaufbefördern, sehr praktisch. Der Preis war in Ordnung ($49.99 plus 9% Tax für ein 2 Queenbed Zimmer im Juli 2007), also buchten wir die Übernachtung und fuhren mit dem Auto dann bequemerweise bis zum Aufzugeingang, der sich an der nordwestlichen Seite des Wohnblocks befand.

Motel 6, Twentynine Palms, Highway 62, Kalifornien

Blick vom Außenflur nach hinten (244kb).

Motel 6, Twentynine Palms, Kalifornien

Sinnfrei: Aschenbecher mit Rauchverbot (231kb).

Motel 6, Twentynine Palms, Kalifornien

Die Waschzelle aus 2007 (145kb).

Auf dem großen Parkplatz, der vom Highway aus gesehen hinter diesem Gebäude lag, hatten sich ein paar Mexikaner versammelt, die uns den Eindruck vermittelten, nicht in der allerbesten Wohngegend gelandet zu sein. Wir schleppten uns und unser Gepäck in den Aufzug. Der war vermutlich schon 50 Jahre alt, stank und sah einfach nur schäbig aus. Die Wandverkleidung zerschrabbt, Schmierereien an den Wänden, Dreck auf dem Boden. Wenn es nicht so eine Erleichterung für das Kofferschleppen wäre hätten wir ihn sicher nicht genutzt. Oben angekommen mussten wir nun ein Stück über den Außenflur gehen. Die Mexikaner waren wieder gut zu sehen und zu hören, wie sie in leicht alkoholisiertem Zustand herumgröhlten. Einige Zimmertüren standen offen. Automatisch wirft man einen flüchtigen Blick hinein, und erblickt dickbäuchige Menschen, die mit freiem Oberkörper auf dem Bett liegen und fernsehen. Wo waren wir um alles in der Welt bloß gelandet!? Dann kamen wir zu unserem Zimmer. Der erste Eindruck war gut. Ein Motel 6 Standardzimmer eben. Ein kleines Bad mit eingebauter Badewannennasszelle, ein Kühlschrank und zwei Doppelbetten mit den bekannten bunten Abdecküberzügen. Das war für den Preis völlig ok, und für die übrigen Gäste kann das Motel ja nichts; die müssen halt jeden nehmen, so abgelegen wie Twentynine Palms liegt.

Adobe Road, Twentynine Palms, Kalifornien

So breit können Nebenstraßen sein: die Adobe Road nördlich der Library (367kb).

Little Church of the Desert, Twentynine Palms, Kalifornien

Die Little Church of the Desert (194kb).

Library, Twentynine Palms, Kalifornien

Hier gibt es Internet: San Bernardino County Library (218kb).

Library, Twentynine Palms, Kalifornien

Sieht verblüffend aus wie eine Bücherei (280kb).

Es war kurz nach 17 Uhr als wir unsere Koffer abgestellt hatten. Der Joshua Tree Nationalpark war für den nächsten Tag geplant, also konnten wir uns noch etwas im Ort umschauen und dann zu Abend essen. Ein Ziel des Ortsbesuches war die Public Library an der Adobe Road, genauer gesagt die San Bernardino County Branch Library. Hier gab es nämlich Internetzugänge, und wir wollten unbedingt unsere Mails abrufen. Es sollte die erste Bücherei in den Vereinigten Staaten sein, die ich betreten sollte. Da ich beruflich bedingt die Stadtbücherei zu Hause kannte war ich gespannt, was mich erwarten würde. Optisch sah alles wie gewohnt aus. Viele Bücherregale, 6-stöckig vollgekramt mit bunten Büchern. Die Räume waren hell und freundlich, mit Sitzgelegenheiten und natürlich einer riesigen amerikanischen Flagge gleich neben der Rezeption. Hier wurden wir von einer älteren, farbigen Bibliothekarin freundlich begrüßt. Besucher aus dem Ausland waren hier wohl eher selten. Ein winziger Obolus sei für die Internetnutzung nach Zeit zu entrichten, klärte sie uns auf. Die Höhe weiß ich nicht mehr. Es war jedenfalls lächerlich wenig, und am Ende bekam man die nicht genutzte Zeit wieder finanziell zurückerstattet. Zwei Frauen waren für die technisch sehr befremdlich aufwändig erscheinende Abwicklung dieses simplen Vorganges beschäftigt, was dann auch glatt mal 5 Minuten dauerte. So schafft man Vollbeschäftigung. Dann gingen wir in den Internetraum, besser gesagt in die Internetecke.

Library, Twentynine Palms, Kalifornien

Welche Hochglanzmagazine da wohl fehlen... (256kb)

Library, Twentynine Palms, Kalifornien

Eine Fahne darf jedenfalls nicht fehlen (294kb).

Adobe Road, Twentynine Palms, Kalifornien

Adobe Road Richtung Highway 62. Wie gesagt, eine Nebenstraße (260kb).

Hier standen fünf PCs, und mit unserem erworbenen Freigabecode konnten wir uns an einem PC einloggen. Während mein Kumpel am PC beschäftigt war nutzte ich die Zeit, mich mal im Bücherfundus umzuschauen. Die Abteilung für Schulkinder interessierte mich besonders. Ich wollte wissen, was man in den USA so lernt und ob wirklich alles so dramatisch egozentrisch auf die USA beschränkt ist wie sämtliche Vorurteile behaupten. Meine Neugier blieb dann aber an einem Buch hängen, das die Staatsorgane der USA erklärt. Da las ich dann ganz fasziniert, dass der Bürgermeister mal der alleinige Ortsvorsteher ist, sich mal diese Funktion mit dem Sheriff teilen muss, mal ernannt wird oder mal gewählt wird. In jedem Ort kann das anders geregelt sein; historisch eben, so wie es die Stadtgründer einst bestimmten. Spontan erinnerte ich mich an die Werbeplakate an den Highways. Dort hieß es entweder "Wählt Major X" oder "Wählt Sheriff Y". Mir wurde klar, dass nicht nur die Lichtschalter und Wasserhähne in den USA nicht einheitlich standardisiert sind. Nachdem ich diese interessante Erkenntnis gewonnen hatte war auch schon der PC für mich frei. Gerne hätte ich noch etwas länger in den Büchern gestöbert, aber wir hatten uns vor dem Besuch aufgeteilt und konnten jetzt nicht zu lange in der Library blieben ohne den anderen warten zu lassen. Also checkte ich schnell meine Mails, stellte erfreut fest, dass in meinem dienstlichen Emailpostfach keine größere Katastrophe auf mich wartete, und dann konnten wir uns dem gemeinsamen Abendessen zuwenden. Ein paar Cent gab es noch zurück weil wir weniger als eine Stunde gebraucht hatten, dann trafen wir uns wieder im Motel.

Dennis, Twentynine Palms, Kalifornien

Mein leckeres Essen im Dennis (327kb).

Dennis, Twentynine Palms, Kalifornien

Ein Hamburger nebst Fladenbrot mit Kräuterbutter (285kb).

Highway 62, Twentynine Palms, Kalifornien

Sunset in Twentynine Palms vor dem Hügel (111kb).

Highway 62, Twentynine Palms, Kalifornien

Hinter dem Hügel; rechts das Motel 6 (96kb).

Zum Abendessen hatten wir uns das Dennis ausgesucht, das zentral in Twentynine Palms direkt an der Kreuzung von Highway 62 und Adobe Road gelegen ist. Es war 18:45. Der Laden war gut gefüllt, und so erhielten wir einen der wenigen noch freien Tische. Die Auswahl der Speisen verlief zügig; mit der Zeit kennt man das Angebot der verschiedenen Schnellrestaurantketten eben. Hühnchenbrust mit Bohnen und Pommes war meine Wahl - mal kein Steak. French fries hießen die Fritten jetzt wieder; Freedom fries hatte sich wohl nicht durchgesetzt, nachdem man nach 9/11 auf die Franzosen nicht gut zu sprechen war wegen ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der 2003er Invasion im Irak und kurzerhand alles französische aus dem Sprachgebrauch verbannte.

Während wir auf das Essen warteten unterhielten wir uns logischerweise in Deutsch. Das bemerkte wohl ein frühreifer Teenager mit Baseballkappe und deutlich untersetzter Figur an unserem Nachbartisch auf der anderen Seite des Ganges, und er begann, seinem Freund allerlei Witze über Deutsche zu erzählen. Und zwar so laut, dass wir jedes Wort verstanden. Das lief eine ganze Weile so, und die beiden hatten richtig Spaß mit richtig flachen Witzchen. Dann kam unser Essen, und wir wechselten ein paar Worte mit der netten Bedienung auf bestem Englisch. Ab diesem Zeitpunkt war Jimmy, so hieß der Gimpel, klar, dass wir ihn wohl verstanden haben müssten. Das störte ihn aber wenig, außer, dass es jetzt ja nicht mehr witzig war. Also widmete er sich nun seinem ebenfalls servierten Essen. Hier offenbarte er, von Knigge und auch jeden rudimentären Tischmanieren nie etwas gehört zu haben. Schmatzend und die Finger dem Besteck vorziehend warf er sich auf sein Fastfood. Ich fand's lustig, und wir begannen, uns nun über ihn lustig zu machen - wohl wissend, dass er tatsächlich kein Wort Deutsch verstand. So hatten nun auch wir unseren Spaß und Jimmy das Nachsehen. Als wir nach Hause fuhren ging die Sonne gerade spektakulär rot unter.

Dies sollte nicht das einzige Mal sein, dass wir Jimmy begegneten. Zum Frühstück am nächsten Morgen war der Rüpel wieder im Dennis. Und das, wo doch ein Wochentag war und er sicher in der Schule hätte sein müssen. Diesmal aß er nichts sondern flirtete ungeniert und sehr primitiv mit unserer hübschen Bedienung herum, die sicher 10 Jahre älter war als er. Sie war aber ganz offensichtlich von Jimmy sehr angetan und widmete ihm ihre ganze Aufmerksamkeit. Dass Frauen sich mit solchen Typen überhaupt abgeben wird mir immer ein Rätsel sein. Jedenfalls verbrachte die gute (aber leider wohl auch etwas simpel gestrickte) Frau die meiste Zeit unserer Anwesenheit am Tisch von Jimmy und schritt nur auf ausdrückliche Anweisung ihrer Vorgesetzten mit Zeitverzögerung zur Arbeit. Hinterste Provinz, dachte ich im Geheimen. Zum Frühstück gibt es nicht viel zu erzählen; da ich ja immer Ham and eggs nehme und Dennys eine Fastfoodkette ist schmeckt das eigentlich überall gleich gut. Danach ging es endlich Richtung Joshua Tree.

Nichtmal 10 Monate später sollte ich erneut nach Twentynine Palms kommen. Trotz intensiver Recherche im Vorfeld hatten wir uns wieder für das Motel 6 entschieden. Erstens kannten wir es, es war günstig und die einzige preiswertere Alternative mit freien Zimmern im Zentrum hatte nicht genügend Zimmer für unsere 6-Personen starke Gruppe.

Motel 6, Twentynine Palms, Kalifornien

In 2007 sind die Lampen gerade (262kb).

Motel 6, Twentynine Palms, Kalifornien

Dafür ist die Einrichtung spärlicher (144kb).

Wieder erhielten wir Zimmer auf der Etage, diesmal im 2. Stock. Also mussten wir erneut in den Aufzug, der sich nicht zum besseren verändert hatte. Quietschgeräusche beim Fahren waren hinzugekommen; sehr vertrauenerweckend. Also, Luft anhalten, rein und schnell wieder raus. Nach einer kurzen Pause im Zimmer und einem Poolbesuch, der dank der Kinder etwas ausgedehnter stattfand, veranlasste mich der Hunger, kurz vor acht Uhr eine Essensmöglichkeit aufzutun.

Pizza Hut, Twentynine Palms, Kalifornien

Pizza Hut gleich neben dem Motel 6 (220kb).

Pizza Hut, Twentynine Palms, Kalifornien

Wir sind alleine in der Hütte (222kb).

Pizza Hut, Twentynine Palms, Kalifornien

Die reichhaltige Salatbar (270kb).

Gleich neben dem Motel 6 befindet sich ein Pizza Hut. Also nichts wie hin. Der Laden war ziemlich leer. Deshalb kümmerte sich wohl die hübscheste asiatische Bedienung direkt und exklusiv um uns. Ohne lange Wartezeit konnten wir die Getränke bestellen, die auch prompt geliefert wurden - und damit meine ich innerhalb einer Minute. Überraschenderweise erklärte uns das Mädchen dann, die Getränke wären umsonst. Oh dachte ich, entweder sehe ich heute wieder umwerfend aus, oder es gibt irgend was zu feiern. Ich wollte aber nicht nachfragen - nicht dass es sich nachher noch als Fehler herausstellt. Dann orderte ich eine Pizza. Und auch hier gab es wieder etwas gratis, nämlich meine Pizza. Wir waren zu zweit, und mein Freund hatte einen Salat vom reichhaltigen Buffet bestellt, der allerdings nicht umsonst war. Kurios. Ein dickes Trinkgeld war damit schonmal sicher. Die Erklärung, dass es was zu feiern gäbe, verpuffte ins Nichts als noch die übrigen Mitreisenden nachkamen und normal bezahlen mussten. Es muss mein Charme gewesen sein; dabei lag ich nichtmal gut im Haar. So ließen wir den Abend gemütlich im Pizza Hut bei einer nicht nur wegen dem unschlagbaren Preis vorzüglichen Pizza ausklingen. Nach einem Refill habe ich nicht gefragt - man will ja nicht unverschämt sein.

Twentynine Palms, Kalifornien

Cheerleader am Highway (328kb).

Twentynine Palms, Kalifornien

Die große Waschaktion (295kb).

Bevor es am nächsten Morgen in den Joshua Tree ging erwartete uns vor der Lobby eine weitere Überraschung. Am Straßenrand des Highways hatte eine kleine Gruppe minderjähriger Cheerleader Aufstellung genommen und wedelte mit ihren Ponpons den vorbeifahrenden Autos zu. Ein Schild hielten sie auch in die Höhe, das wir von der Seite aber nicht lesen konnten. Unsere Neugier war geweckt. Was war das für eine Aktion? Hatte es was mit meiner Gratis-Pizza zu tun? Wir checkten aus und fuhren langsam zu den Mädels, so dass wir das Schild lesen konnten. Aha, Car Wash wurde angeboten. Ein Mann am Steuer, da war die Fahrtrichtung klar. Unser Minivan sah eh ziemlich mitgenommen aus von der langen Fahrt, und nun für ein Trinkgeld eine Komplettwäsche durch Bikinischönheiten zu bekommen war ja mal was. Wir fuhren also auf den Parkplatz vom Pizza Hut. Dort war die Truppe bereits mit einem anderen Wagen beschäftigt (der vermutlich vorher extra durch ein riesiges Schlammfeld gefahren war) und wir mussten ein paar Minuten warten. Leider hatte das Restaurant geschlossen, sonst hätte ich mir glatt ein Eis gekauft.

Twentynine Palms, Kalifornien

Zum Abschied wurde nochmal mit den Ponpons gewedelt. Nun geht es Richtung Joshua Tree (245kb).

So saß ich auf einer Bank und schaute dem lustigen Treiben zu. Für ihre Klassenkasse machten sie diese Aktion, erklärte uns eine ältere Frau - vermutlich eine Mutter oder die Lehrerin. Nette Idee dachte ich, vermutlich auch recht profitabel. Allerdings unterschied sich das Waschteam von der Werbetruppe am Highway dahingehend, dass die anstrengende Polierarbeit von Jungen und nur das vorherige Einseifen des Wagens von leicht bekleideten Mädchen durchgeführt wurde. Übrigens, mehr als einen Bikini hätte man bei der Hitze ohnehin kaum anziehen können. Gut, ich hatte keinen an, aber ich kam ja auch ins Schwitzen - wegen der Hitze versteht sich. Ein großzügiges Trinkgeld - es war ja für einen guten Zweck - und unsere Reise konnte weitergehen. Gefrühstückt hatten wir ein paar Sandwiches im Motelzimmer, die wir im Ort gekauft hatten.

(Letzte Änderung: 08.07.2008)

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