Wuksachi Lodge Sequoia

Highway 41, Kalifornien
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Auf Highway 41 Richtung Süden kurz hinter Oakhurst (203kb).

Highway 41, Kalifornien

Die Vegetation ist noch dicht (263kb).

Nach meinem Besuch in 2003 wollte ich den Sequoia Nationalpark in 2009 erneut besuchen. Das war einerseits der Tatsache geschuldet, dass meine letzte Reise zu einer Jahreszeit stattfand, wo der gesamte Park noch unter einer Schneedecke begraben war, und andererseits dem Umstand, dass unsere kleine Kalifornien-Rundreise uns diesmal vom Yosemite nach Pismo Beach führte. Da lag der Sequoia quasi am Wegesrand, und es wäre töricht gewesen, es dabei zu belassen.

Somit gestaltete sich die Anreise vom Yosemite wie schon beim letzten Mal. Die Strecke kam mir erstaunlich vertraut vor - jedenfalls stellenweise. Besonders die hoch emporragende Highwaybrücke in Fresno, die dann in der Höhe eine weite Linkskurve vollzieht, hatte sich tief in mein Gedächtnis eingeprägt. Ansonsten ist die Strecke wenig interessant. Zunächst fährt man aus den dicht bewaldeten westlichen Gebirgshängen der Sierra Nevada heraus. Die Vegetation lockert auf, Laubbäume auf grünem Unterboden prägen noch das Bild. Doch sehr schnell wird der Bewuchs spärlicher, wandelt sich das saftig grüne Gras in helle, verdorrte Prärie. Bald darauf findet man sich in nahezu baumloser Umgebung - ein Vorgeschmack auf die Strecke nach Pismo Beach. Aber wir machten ja nur straßenbedingt diesen Westschlenker, um etwas weiter südlich wieder zur Sierra Nevada zurückzukehren.

Highway 41, Kalifornien

Schon bald verschwinden Bäume und Büsche (139kb).

Highway 41, Fresno, Kalifornien

In Fresno gehts wieder Richtung Sierra Nevada (98kb).

Highway 41, Highway 180, Fresno, Kalifornien

Highway 180 führt zum Westeingang des Seqouia (143kb).

Gleich hinter der besagten Highwaybrücke bei Fresno erwartete uns jedoch Ungemach. Groß und unübersehbar huschte ein Warnschild mit der bösen Aufschrift "Kings Canyon closed" an uns vorbei. Was sollte das? War der ganze Canyon geschlossen? Womöglich wegen Waldbränden? Das hätte ich doch in den Nachrichten gehört, zumal so ein Schild ja auch nicht von jetzt auf gleich aufgestellt ist. Da, noch ein Hinweisschild. Nun wurde mir doch mulmig. Die Musik-CD musste pausieren, ich suchte nach einem Nachrichtensender. Gleichzeitig spielte ich im Geiste die möglichen Optionen durch. Kings Canyon und Sequoia haben nur einen West- und einen Südeingang. Kings Canyon liegt direkt am Westeingang, auf den wir zusteuerten. War nun nur der Kings Canyon gesperrt und kam man noch in den Sequoia? Sollten wir vorsichtshalber den Südeingang ansteuern um auf Nummer sicher zu gehen? Oder gar umbuchen? Ok, aber wohin? Zwischen Sequoia und der Küste (unser nächstes Etappenziel war wie gesagt Pismo Beach) ist tiefste Pampa. Einzige Alternative, um den Parkbesuch und damit auch unseren schönen Reiseplan zu retten, wäre Three Rivers am Südeingang, so es denn dort freie Zimmer gäbe. Da war mir aber aus 2003 nicht allzu viel in Erinnerung (wir suchten damals ein Restaurant und fuhren zwei Stunden lang ehe wir in Woodlake endlich ein Pizza Hut fanden). Und wieder ein Schild. Irgend was musste uns einfallen.

Highway 180, Kalifornien

Die karge Landschaft wird wieder hügeliger (135kb).

Highway 180, Kalifornien

Noch sieht man die Sierra Nevada nicht (192kb).

Highway 180, Kalifornien

Die ersten Ausläufer des Gebirgszuges (198kb).

Je länger ich aber nachdachte, desto überzeugter wurde ich, dass da irgendwas nicht stimmen konnte. Man kann doch nicht einfach einen großen Nationalpark schließen, und nirgendwo erfährt man darüber außer am Wegesrand kurz vor dem Eingang. Zumal ich als "USA Reporter" ja nun wirklich stets die einschlägigen Nachrichtenquellen verfolge. Meine Zuversicht stieg. Aber dann kam es: mit viel Geblinke und zahlreichen Warnbaken war der schöne Highway plötzlich vor uns abgesperrt. Ein hässliches Detour-Schild wies uns nach links auf eine Nebenstraße. Mist, dachte ich. Dann ist es also doch wahr. Aber warum eine Umleitung nach links, also nach Norden? Alternativ gäbe es ja nur einen Südeingang. Nach gefühlten zwei Meilen gab es wieder eine Detour, jetzt nach rechts. Alles sehr komisch. Hatte man den Kings Canyon umverlegt? Wir fuhren weiter auf der vorgeschriebenen Umleitung. Fünf Minuten, zehn Minuten, dann ging es wieder nach rechts um die Ecke. Doch nach Süden Richtung Three Rivers? In der Ferne tauchte unsere alte Straße auf. Und dann kam der Moment, auf den ich gehofft hatte: es ging wieder auf unsere ursprüngliche Straße zurück. Ein letztes Schild am Ende der Umleitung klärte dann auch endlich auf, was der ganze Spuk sollte. Der Highway hieß an dieser Stelle nämlich East Kings Canyon Road. Warum man den Zusatz "Road" auf den Schildern weggelassen hatte und diese zudem noch im offiziellen Nationalparksbraun gefärbt waren - man weiß es nicht. Vermutlich waren es die Schilder, die man verwendet, wenn im Winter der Canyon wirklich gesperrt ist, und man hat sich gedacht, wozu neue Schilder herstellen wenn die vorhandenen fast passend sind. Dass man damit ganze Heerscharen von Touristen in der Hauptsaison verunsichert war wohl nicht beabsichtigt - aber nahezu perfekt bewerkstelligt.

Highway 180, Kalifornien

Es geht bergauf (158kb).

Entrance station, Sequoia, Kings Canyon, Kalifornien

Ganz alleine an der Entrance Station des Sequoia (379kb).

Highway 198, Sequoia, Kalifornien

Prescribed fires hüllen den Highway in dichten Rauch (229kb).

Nun konnte die Fahrt um einer finsteren Wolke am Himmel entledigt weitergehen. In der Ferne tauchten am Horizont bereits wieder die Berge auf, und die Fahrt durch die verschiedenen Vegetationszonen vollzog sich eindrucksvoll in umgekehrter Reihenfolge. Die Dämmerung hatte noch nicht wirklich eingesetzt, aber mit der tiefstehenden Sonne im Rücken wirkten die angestrahlten Hügel und der immer wieder durchschimmernde beige Boden sehr warm und angenehm. Um 19 Uhr erreichten wir den Westeingang des Kings Canyon and Sequoia National Park. Der sogenannte Big Stump Entrance war 2003 noch durch ein Holzschild an einem großen Baumstumpf passend gekennzeichnet. Danach suchte ich jetzt vergebens. Entweder war der Big Stump weg oder ich blind. Als wir die Entrance Station erreichten waren wir ganz alleine dort. Niemand außer uns wollte in den Park. Der groß angelegte und offenbar provisorische Platz, der die Automassen vor den Kassenhäuschen auffangen sollte, war mit Kegeln und Pylonen abgesteckt, so dass wir eine weite Schleife fahren mussten. Das ist immer wieder eine Herausforderung, keine Abkürzung zu nehmen. Es ist wie an den mit Bändern abgesteckten Warteschlangen in Flughäfen oder Schnellrestaurants. Wenn niemand da ist würde man am liebsten drüberklettern anstatt den Parcours zu durchlaufen. Jedenfalls fügten wir uns dem vorgegebenen Straßenverlauf und durften den Park betreten. Der Parkranger erklärte uns noch, es gäbe einige prescribed fires (also von der Parkverwaltung gemanagte Brände), aber die Region um unser Hotel, der Wuksachi Lodge, sei hiervon nicht betroffen. Schon zehn Minuten später fanden wir uns dann auch tatsächlich mitten in einem völlig verrauchten Straßenabschnitt. Wie Nebelschwaden zog der Rauch vom Tal rechts der Straße den Hang hinauf. Hin und wieder konnte man zwischen den Bäumen einzelne kleine Brände sehen, bei denen zusammengeklaubtes Laub und Unterholz auf einzelnen Lagerfeuern verbrannt wurde. Die Sicht betrug stellenweise keine hundert Meter. Wie gut, dass man in einem Auto die Außenluftzufuhr abschalten kann.

Wuksachi Lodge, Sequoia, Kalifornien

Die Wuksachi Lodge (296kb).

Wuksachi Lodge, Sequoia, Kalifornien

Wir bekamen ein Zimmer im Haus "Silliman" (438kb).

Um 20 Uhr hatten wir eingecheckt. Die Wuksachi Lodge war tatsächlich fernab jeglicher Geruchsbelästigung. Wir erhielten ein Zimmer im Silliman Gebäude, dem mittleren der drei Wohnblöcke. Unser Zimmer entsprach in jeder Hinsicht dem mir aus 2003 in Erinnerung gewesenen. Ein schönes breites King Bed, die lederne Ausziehcouch, der schwarze Kühlschrank, in den unsere drei Koffer gepasst hätten, und der obligatorische Fernsehschrank. Warum man in einem mit Holz ausgestatteten Zimmer einen knallblauen Plastikmülleimer aufstellt ist mir zwar prinzipiell egal, aber optisch nicht wirklich ein Volltreffer. Ebenso empfand ich die Wandbilder mit tanzenden Bären eher unpassend. Sicher wollte man an die heimischen und sich durchaus bemerkbar machenden Tiere erinnern. Ich assoziierte jedoch Tanzbären damit, was in eine völlig andere Richtung geht und in einem Nationalpark wie überhaupt mehr als unpassend ist.

Wuksachi Lodge, Sequoia, Kalifornien

Unser Zimmer mit der unsäglichen Couch (177kb).

Wuksachi Lodge, Sequoia, Kalifornien

Das King Bed hingegen war gewohnt gut. Links sieht man den fizzligen Lichtschalter (177kb).

Wuksachi Lodge, Sequoia, Kalifornien

Fernseh- und Kühlschrank - zwei unentbehrliche Einrichtungsgegenstände (175kb).

Wo wir beim Meckern sind: die Ausziehcouch (wohl nur im behindertengerechten Zimmer vorhanden) war ausgeklappt eher eine Buckelpritsche denn ein ernstzunehmendes Nachtlager. Mit etwas technischem Aufwand - sprich purer Gewalt - konnten wir die Scharniere der drei Bettelemente auf jeweils sagen wir mal 170 Grad aufdehnen, wobei die Gefahr mehr als groß war, sich dabei irgend ein Körperteil im störrischen Gestänge heftigst einzupitschen. Das Ergebnis war mithin nicht eine flache Liegestätte, sondern eine mit einem Höcker und einer Mulde. Wer Rückenbeschwerden hat, und sei es nur das geringste Zipperlein, sollte einen weiten Bogen um dieses Interieur machen. Wie die Optik und der muffige Gerucht schon erahnen ließen stammte es vermutlich aus den frühen 1960ern, mit einer Federkernmatratze, mit der man sich zudem punktgenau einzelne Wirbel massiv verbeulen konnte. Für eine Nacht sollte es notgedrungen reichen, ein Grund zur Reklamation wäre es allenthalben gewesen. Eine Alternative sah ich jedoch nicht, denn die 2003er Couch aus dem Nachbarhaus war von ähnlicher Güte. Mit den wie überall im Überfluss vorhandenen Kissen füllten wir die Mulde aus, und irgendwie ging es dann. Unangenehmes Interieur Nummer zwei war die Nachttischlampe. Das betrifft vermutlich alle Zimmer. Der Ausschalter befindet sich auf der Wandmontageplatte und ist ein winziger Metalldrehknopf. Der war an meiner Bettseite so schwergängig, dass ich ihn im Liegen nicht betätigen konnte. Und wenn man ihn dann mit wuchtiger Kraft gedreht bekam sprang er meistens gleich zwei Einstellungen weit - sprich, die Lampe war wieder an. Gott, warum hast Du am siebten Tag den Amerikanern den Kippschalter vorenthalten!??

Wuksachi Lodge, Sequoia, Kalifornien

Ein wirklich barrierefreies Badezimmer (153kb).

Wuksachi Lodge, Sequoia, Kalifornien

Im Frühstücksraum der Wuksachi Lodge (153kb).

Nachdem ich 2003 bereits das im Preis inbegriffene Frühstück verpasst hatte, weil dieses nur bis halb zehn angeboten wurde, wollte ich dies nun nicht erneut riskieren. Es gibt ja in der näheren Umgebung auch nicht wirklich viele Alternativen zur Nahrungsmittelbeschaffung. So rappelten wir uns auf und waren um 9 Uhr bereits im großen Speisesaal. Hier gab es ein Buffet mit Selbstbedienung. Nach dem Wait to be seated, das hier angenehm zügig abgewickelt wurde, stellte sich uns unsere Tischkellnerin nach allen Regeln der Kunst vor. Maja hieß die gute, und wie alle Kellnerinnen war sie nicht älter als 20 und ausgesprochen hübsch. Ob wir ein american breakfast oder ein continental breakfast wollten. Also entweder Herzhaftes mit Ei, Fleisch und Kartoffeln oder Süßes mit Backwaren, Müsli, Obst und Saft. Ich entschied mich für die letztere, preiswerte Variante. Hier wurde nämlich neben den üblichen Verdächtigen wie Orangensaft und Donuts auch eine Auswahl an frischem Obst angeboten. Das war natürlich das richtige für mich. Vor allem die leckeren orangen und grünen Honigmelonen in Verbindung mit dem süßen Gebäck bildeten eine angenehme Kombination und gaben den Ausschlag, diesmal nicht meine geliebten scrambled eggs mit ham zu ordern. Wenn auch der Kaffeenachschub etwas stockte war das Frühstück insgesamt sehr zufriedenstellend. So sahen das wohl auch die übrigen Gäste, denn immer wieder pilgerten sie für einen Nachschlag zu den Buffettischen. Gut, mit dem reichhaltigen Angebot des Gables Inn in Sausalito kann die Wuksachi Lodge nicht mithalten, aber das, was angeboten wurde, war sehr in Ordnung. Am zweiten Morgen sollten wir erneut hier essen.

Doch zuvor dürstete es mich am Abend nach der Erkundung des Grant Grove, der Boyden Cavern und des Kings Canyons nach einem kühlen Bier. Die kleine Bar direkt neben dem Frühstücksraum, an der man beim morgendlichen Waiten in aller Ruhe die zahlreichen bekannten und unbekannten Spirituositäten im Regal bewundern darf, war mir direkt aufgefallen. Vor dem Betreten der Lodge erblickten wir links derselben eine kleine Herde Maultierhirsche, die in Seelenruhe in der Abenddämmerung graste. Einige Touristen hatten sich versammelt und beobachteten begeistert und erstaunlich diszipliniert und leise das vermeintlich seltene Schauspiel. Ich schoss auch ein paar Fotos, fand das ganze dann aber doch nicht so weltbewegend, dass ich länger als fünf Minuten in der Abendkühle hier verbrachte. Im Yosemite hatte ich oft genug erlebt, wie handzahm und menschenunscheu die Tiere in solchen Touristenregionen sind.

Wuksachi Lodge, Sequoia, Kalifornien

Ein leckeres High Sierra Pale Ale (224kb).

Wuksachi Lodge, Sequoia, Kalifornien

Meister Petz waits to be seated (231kb).

So nahmen wir also an der Bar Platz - als einzige Gäste. Nur ein riesiger Plüschbär saß im Raum vor der Bar auf einem Stuhl. Meine Lieblingsbiermarke - Sam Adams - war zwar nicht im Angebot, aber der nette und sehr gesprächige Chef de Bar empfahl mir wärmstens ein Sierra Nevada Pale Ale als Alternative und wollte sodann unsere Lebensgeschichte hören. Angesichts der werbemäßig dominierenden Biersorten Budweiser und Heineken ließ ich mich auf den Deal mit dem großen Unbekannten ein und war angenehm überrascht. Das Gebräu konnte durchaus überzeugen. Ein Wiedertrinken ist fest eingeplant.

Zum Abschluss des Berichts möchte ich noch klarstellen, dass die Wuksachi Lodge trotz der von mir beschriebenen und erlebten kleinen Mängel meiner Meinung nach dennoch die beste Übernachtungsmöglichkeit im Sequoia Nationalpark darstellt. Die perfekte Lage, das hochalpine, rustikale Ambiente und der moderate Preis sprechen eine eindeutige Sprache. Die unmögliche Schlafcouch ist nur in wenigen Zimmern vorhanden, der Lichtschalter ein landesweites Problem. Beides war mir aus 2003 bekannt, und ich würde jederzeit wieder hier übernachten.

(Letzte Änderung: 07.05.2010)

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