Wir hatten das Glück, durch das Malheur mit unserer Hotelreservierung Panguitch quasi durch Zufall kennen zu lernen; besser gesagt ein Motel, ein Restaurant und eine Tankstelle am nördlichen Ortsausgang von Panguitch. Trotzdem, die Eindrücke reichten aus, um den Ort und seine Bewohner in unser Herz zu schließen. Waren wir nämlich bisher stets der üblichen Touristenroute gefolgt, von einer Attraktion zur nächsten, so bot dieser Ort zum ersten Mal echten Kontakt mit Menschen, die nicht in der Reisebranche tätig waren. Die sprichwörtliche Oberflächlichkeit der Amerikaner war hier viel geringer ausgeprägt, die Hilfsbereitschaft von ganz anderem Kaliber. Hier war der Gast wirklich König und nicht nur einer von zigtausend, dem man irgendwie das Geld abnehmen muss. Das zeigte sich deutlich in unserer Unterkunft "Horizon Motel", ein winziges Motel, wo der Chef selbst bediente. Er begrüßte uns freundlich, gab ein paar Tipps zum Bryce Canyon und zeigte uns dann unser Zimmer; das schönste wie er uns versicherte. Wir glaubten ihm, denn das Motel war fast unbesucht.
![]() Das Flying "M" Restaurant in Panguitch (395kb). |
![]() ... und Janet mit frischem Kaffee. |
Zwei Häuser weiter befindet sich das "berühmte" Flying "M" Restaurant, das auf eine für amerikanische Verhältnisse lange Geschichte zurückblicken kann. Das Restaurant wurde 1947 vom Sohn des bekannten Rinderfarmers und Revolverhelden Elijah Moore gegründet, der bereits 1890 mit einer der ersten Rinderherden nach Utah kam.
| TIP: Wer in die Nähe von Panguitch kommt sollte unbedingt einen kurzen Stopp im kultigen Flying "M" Restaurant machen! |
Hier gab es Smalltalk jenseits von "How are you?", und schnell hatten wir mit der Bedienung über 5 Minuten geplaudert währenddessen die anderen Gäste eben warten mussten, und das völlig ruhig und in einer beneidenswerten Gelassenheit - hierzulande völlig undenkbar. Überhaupt machte eben dieses Restaurant unseren Aufenthalt zu einem einzigartigen Erlebnis. Zunächst gelangt man in einen kleinen Souvenirshop, von dem aus drei Stufen hinunter in das Restaurant führen, das komplett im 50er Jahre Stil eingerichtet ist - mit Leder überzogenen Sitzen und Holztischen. Hinter der Theke bediente die quirlige Chefin des Familienbetriebs, mit Vornamen Janet - man war ja per Du -, höchst selbst. Sie sorgte mit flotten Sprüchen bei allen Gästen für gute Laune, und zum Abschied gab es eine Umarmung als wäre man seit 20 Jahren Stammgast. Dabei hatten wir nur zweimal dort gegessen. Ach ja, das Essen. Das war ein richtig angenehmer Gegensatz zu unserer bisherigen mehr oder weniger fastfood-haltigen Ernährung. Hier war alles "handmade", der Schinken zum Frühstück war nicht aus der Dose und es gab echten Bohnenkaffee, der den Namen auch verdient hatte - natürlich perma-refill inbegriffen.
Die Atmosphäre in diesem kleinen Restaurant am Highway erfüllte einfach alle Klischees, wie man sie aus alten amerikanischen Roadmovies kennt. Und die teils urigen Gäste taten ihr übriges zum Ambiente. Es fehlten nur ein paar Trucks und Harleys auf dem Parkplatz vor der Türe. Derart begeistert von Panguitch deckten wir uns alle im Souvenirshop mit Panguitch-Pullis ein. Auch wenn wir ansonsten überhaupt keine Souvenirjäger sind, aber das musste sein.
Leider konnten wir nur eine Nacht hier verbringen und hätten gerne die ganze Stadt mit ihren Holzhäusern besichtigt, doch dafür war keine Zeit. Doch wenn es uns erneut nach Utah verschlägt wird dies garantiert nachgeholt.
(Letzte Änderung: --.--.2003 / 01.02.2006)
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