Hearst Castle San Simeon

Hearst Castle, Kalifornien

Hier beginnt der Weg zum Märchenschloss (519kb).

Hearst Castle, Kalifornien

Großzügige Parkanlage am Eingang zum Castle (275kb).

Ein kurzes Stück südlich von San Simeon machten wir den nächsten Halt. Hier befindet sich 8 km landeinwärts in den Santa Lucia Mountains das weltberühmte Hearst Castle. Eine große, strahlend weiße und blumenverzierte Hinweismauer an der Abfahrt zum Castle lädt den Vorbeifahrenden zu einem kurzen Kultur-Stopp (oder -Schock, je nachdem) ein. Der Medienmogul und Multimilliardär William Randolph Hearst, geboren am 29. April 1863 in San Francisco, hat sich hier auf einem 488 Meter hohen Berg einer Hügelkette auf dem Gebiet seiner Ranch ein eigenes Schloss und Denkmal errichtet. Dieses nannte er selbst "La Cuesta Encantada" (der bezaubernde Hügel), sprach aber eigentlich nur von " the ranch". Es vereint alle nur erdenklichen Baustile, vor allem italienische und spanische Elemente, und kann wohl eher als kitschig denn als architektonisches Meisterwerk bezeichnet werden. Dennoch strahlt es eine magische Anziehungskraft aus, dessen Charme in seiner Blütezeit in den 1920er und 1930er Jahren zahlreiche Prominente Besucher wie Winston Churchill, Calvin Coolidge, Charles Lindbergh, Charlie Chaplin oder Greta Garbo, um nur einige zu nennen, erlagen. Das Schloss mit seiner einmaligen Aussicht auf den Pazifik besteht aus 165 Zimmern, von denen sich 115 im großen Haupthaus, dem im mediterranen Stil erbauten, an eine spanisch-maurische Kathedrale erinnernde Casa Grande, befinden. Hier werden Hearsts umfangreiche Kunstsammlung und Antiquitäten der Renaissance und Gotik ausgestellt. Die übrigen Zimmer verteilen sich auf die drei Gasthäuser. Pools, Springbrunnen und Statuen schmücken die Gärten des 0,5 Quadratkilometer großen Areals. Das bekannteste Bauelement ist sicherlich der Neptune Pool, ein riesiges Schwimmbecken im römischen Stil, mit Mosaik auf dem Beckengrund und von Säulen und kleinen Tempeln eingerahmt. Der Bau des Castles begann 1919 und dauerte bis 1947 als der schlechte Gesundheitszustand Hearsts den Weiterbau verhinderte. Bei seinem Tod am 14. August 1951 war das Casa Grande noch unvollendet. 1957 wurde Hearst Castle dem Staat Kalifornien geschenkt und ist heute ein State Historical Monument. Es erwirtschaftet die meisten Einkünfte unter allen Parks der Vereinigten Staaten.

Im berühmten Film "Citizen Kane" von Orson Welles spielt Hearst Castle übrigens eine tragende Rolle, stellt es doch Charles Foster Kanes "Xanadu" dar.

Hearst Castle, Kalifornien

So sieht man das Schloss mit bloßem Auge - oder auch nicht (326kb).

Hearst Castle, Kalifornien

Auch mit 3-fach Zoom ist es noch unscheinbar (304kb).

Wir parkten am Eingang und inspizierten die großangelegten Eingangsgebäude. Der Andrang war riesig, auch wenn das Schloss völlig im Nebel verschwunden war. Das war für uns letztendlich auch der Grund, warum wir auf eine Besichtigung verzichteten. Mit einem Bus wären wir ansonsten bis zum Schloss gefahren worden und hätten dann an einer der vier verschiedenen eindreiviertel Stunden dauernden, treppenreichen Führungen mit 150 bis 400 Stufen ($20 - $24 in 2005) teilgenommen. Abends gibt es noch eine zweistündige Führung. So begnügten wir uns mit den kleinen Ausstellungen in der Eingangshalle; mehrere Zimmer hinter Glas ließen erahnen, was auf einen zukommen würde - für 10 bis 20 Dollar pro Person... Auch wenn alles sehr opulent wirkte, so besonders wertvoll erschien mir das Ganze nicht, denn alles war ja aus den verschiedensten Stilepochen zusammengeklaubt. Jedes Teil für sich sicherlich ein Kunstwerk, aber in der Zusammenstellung bereitet das sicher jedem Kunst- und Architekturkenner Magengrimmen. Wie auch immer, der Himmel war bedeckt, uns zog es der Sonne entgegen, und die schien weiter nördlich.


Hearst Castle, Kalifornien

Erst mit 6-fach Zoom erahnt man die Größe des Bauwerks (370kb).

Hearst Castle, Kalifornien

Im gemütlichen Foyer. Links sieht man einen Ausstellungsraum.

In 2003 führte mich der Weg erneut nach Hearst Castle. Dieses mal wollte ich mir das Schloss, dass ich wegen des diesigen Wetters in 2000 noch nicht mal in Natura gesehen hatte, zumindest aus der Ferne anschauen; für mehr hätte die Zeit sowieso nicht gereicht. Eine Führung sollte man ohnehin vorbuchen, der Andrang an der Kasse war nämlich recht ordentlich, und man will ja keine Zeit in einer Warteschlange vor dem Schalter verplempern. Das Wetter spielte diesmal mit, und so zog es mich zunächst durch das Eingangsgebäude (dem Visitors Center) hindurch zielstrebig auf die an der Rückseite desselben befindlichen Terrasse. Von dieser hat man einen nahezu perfekten Ausblick auf den " bezaubernden Hügel", auf dem in ziemlicher Entfernung das Schloss thront - und dank der Distanz erschreckend klein wirkt. Einige festinstallierte Ferngläser sollen dem entgegenwirken, aber erstaunlicherweise interessierte sich offenbar kaum jemand für diese Aussicht; die Besucher drängten sich alle in dem Visitors Center oder warteten auf den nächsten Shuttlebus zum Castle. So konnte ich in aller Ruhe das Schloss in den Fokus nehmen. Wie groß die Distanz war könnt Ihr daran erkennen, dass trotz 6-fachem Zoom nicht sehr viele Details auf den Bildern erkennbar sind. Direkt hinter der Terrasse befindet sich übrigens eine riesige Weidefläche mit Rindern. Hier, im weltweit größten privaten Zoo, sollen auch Bisons und Zebras grasen; gesehen habe ich indes keine. Wie auch immer, viel ärgerlicher war der hohe Weidezaun mit Stacheldrahteinlage, der die schöne Aussicht doch reichlich störte und kaum aus dem Bild fernzuhalten war, denn er befand sich jenseits einer Straße hinter der Terrassenbrüstung.

Hearst Castle, Kalifornien

Einer der Ausstellungsräume im Foyer hinter Glas.

Hearst Castle, Kalifornien

Unbemerkt im kleinen Museum aufgenommen (187kb).

Nachdem die Fotos geschossen und das Schloss bewundert war - wie gesagt, für die Innereien kann ich mich nicht wirklich interessieren; da schaue ich mir lieber die Originale in Italien und Spanien an - verweilten wir noch eine halbe Stunde in dem kleinen kostenlosen Museum, das sich im Eingangsgebäude befindet und in dem auch die eiligeren Touristen einen guten Überblick über das Hearst Castle und seinen Besitzer bekommen können. Während entlang der breiten Gänge im mit Palmen und Sitzbänken ausgestatteten, geräumigen Foyerbereichs des Gebäudes einige kleine Zimmer und Ausstellungsgegenstände der verschiedenen Sammlungen hinter großen Glasscheiben bewundert werden können gelangt man in dieses Museum durch einen Eingang in der nordöstlichen Gebäudeecke - sprich vom Eingang aus gesehen hinten links. Ein Wärter an der engen Eingangstüre achtet darauf, dass der Andrang im Inneren der "William Randolph Hearst exhibit" nicht zu groß wird und dass man nicht mit der Kamera in den Händen herumläuft. Knipsen ist in diesem Bereich nicht gerne gesehen. Stative und Blitzlicht sind auf dem Gelände des Castles verboten. So musste ich etwas tricksen um ein paar Eindrücke festzuhalten. Die Räume waren im Gegensatz zu dem hellen Foyer, das ein Glasdach besitzt, fensterlos und recht dunkel ausgeleuchtet, sehr ungünstig ohne Blitz. Wie gut, dass meine Nikon Coolpix 995 nicht wie eine übliche Kamera aussieht und auch keine Geräusche macht. Unter diesen schwierigen Bedingungen sind natürlich nur wenige Bilder nicht wegen der langen Belichtungszeit verwackelt - nunja, aber immerhin. Das kleine Museum besteht aus einer handvoll aneinandergereihter Räume mit Glasvitrinen in der Mitte und großen Schautafeln, Leuchtbildern und gläsernen Regalen an den Wänden. Sehr allgemein gehaltene Informationstexte und Zeitdokumente versorgen den Betrachter mit den wesentlichen Hintergrundinformationen über William Randolph Hearst, sein Leben und natürlich sein außergewöhnliches Domizil. Auch über die Architektin Julia Morgan erfährt man genaueres. Einige ausgesuchte Kunstwerke aus der umfangreichen Sammlung Hearsts ergänzen die Ausstellung, und im Gegensatz zum Castle darf man einige hier auch anfassen - ein Streichelzoo für Kunstfreunde sozusagen. Es gibt nur einen Weg durch dieses museale Kleinod, und nach spätestens 20 Minuten hat man sich wirklich alles angeschaut. Unsere Fahrt konnte weitergehen.

William Randolph Hearst, Hearst Castle, Kalifornien

William Randolph Hearst (454kb).

Wenn Ihr mich nach einem Fazit fragt kann ich nur folgendes sagen: wenn Ihr den Highway 1 entlang fahrt und 30 Minuten erübrigen könnt schaut einfach mal rein, und wenn es nur für ein flottes Foto und die Exhibit ist. Habt Ihr mehr Zeit und der Himmel ist halbwegs blau könnt Ihr natürlich eine Besichtigung machen und mich einen Kunstbanausen nennen. Vielleicht muss ich auch erstmal das Hearst Castle selbst erleben um meine Meinung zu revidieren. Ebenfalls erwähnenswert ist das National Geographics Theater, das alle 45 Minuten den Film "Hearst Castle - Building the dream" auf einer riesigen IMAX-Leinwand vorführt; vielleicht eine gute Alternative bei Regen.

(Letzte Änderung: 28.02.2006)



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