Yosemite Village

An der am weitesten ins Tal reichenden Stelle der Rundstraße im Yosemite Valley liegt Yosemite Village. Dieser kleine, zentral im Park gelegene Ort ist der touristische Mittelpunkt des Jeder, der nicht bloß auf der Durchreise zum ist, kommt zwangsläufig zum Yosemite Village. Dem entsprechend gibt es große Parkplätze, die Parkverwaltung, eine Post Office und das Valley Visitor Center. Hier kann der Besucher nicht nur Karten, Bücher und Videos erwerben, sondern sich auch bei den Rangern über die Straßenzustände und Verfügbarkeit der Campgrounds erkundigen. Mehrere Ausstellungen über den Park sind ebenfalls vorhanden, die die Geschichte und Geologie des Yosemite erklären. Im Yosemite Valley Wilderness Center findet man Karten und Informationen über Wanderwege und die benötigte Ausrüstung. Auch ein US-Court (Gericht) fehlt in dieser Hochburg des Verbrechens (??) nicht. Sinnvoller ist in dieser Hochburg für Bergsteiger da schon eine Klinik. Und da eine nicht reicht gibt es auch noch eine Dentalklinik. Natürlich findet man hier direkt an der Hauptstraße den Village Store - das größte Haus im Dorf. Der ist jedoch in der Hauptsache ein Souvenirladen, der die Größe und Artikelvielfalt eines Baumarktes hierzulande erreicht. Nur ganz nebenbei und in einem Seitentrakt findet man alle anderen Artikel - von jedem exakt zwei Exemplare im Regal. Typisch für Amerika: selbst in diesem Geschäft gab es eine Ecke, in der man Hotdogs und warme Fertiggerichte erwerben konnte, die den ganzen Tag in ihrer heißen Vitrine vor sich hinbruzzelten. Souvenirs haben wir in 2000 keine erworben, denn Kitschfaktor und Preise waren einfach unglaublich. Nur Sandwiches zum Mittagessen, die wir später bei den gegessen haben, fanden den Weg in unseren Besitz.

Als wir 2003 erneut im Village Store vorbeischauten entschieden wir uns, keine warmen Speisen aus den Warmhaltevitrinen zu nehmen sondern im angrenzenden Grill zu speisen - ein folgenschwerer Fehler wie ich gleich berichten werde. Doch zunächst ging die Andenkensuche los. Vom Kaufrausch übermannt landete eine schicke Aluminium-Warmhaltetasse in meinem Einkaufskörbchen. Zwar schmeckt der Kaffee aus diesem Coffee-Mug nicht wirklich besser, aber er bleibt zumindest länger warm und verschlabbert nicht im Auto, denn die Tasse hat einen Deckel, wie fast alle amerikanischen Kaffeetassen. Das muss man sich wie eine Schnabeltasse ohne Schnabel vorstellen. Im Prinzip nuckelt man dann am Plastikdeckel herum während die Unterlippe am kühlen Aluminium aufliegt - eben stilechter Kaffeegenuss in Verbindung mit der amerikanischen "Kaffee"-Plürre. Natürlich durfte eine DVD über den Yosemite im Wandel der Jahreszeiten nicht ungekauft im Regal stehen bleiben, dann übermannte mich wieder der Hunger und wir verließen den Store durch die Hintertüre um direkt zu jenem Grill zu gelangen.

Um es vorwegzunehmen: das mit Abstand schlechteste Essen des 2003er Urlaubs wurde uns im Yosemite Village Grill serviert. Es grenzt schon beinahe an Unverschämtheit, was einem an einem so herrlichen Ort wie dem Yosemite für richtig teures Geld untergeschoben wird - es gibt aber leider keine Alternativen. Zunächst macht der Grill keinen allzu abschreckenden Eindruck; man hat ja Hunger und achtet nicht so sehr auf Kleinigkeiten jenseits der Speisekarte. So reihten auch wir uns, vom Hunger getrieben, in die Warteschlange ein. Auffällig hier war schon, dass die Warteschlange mit eng gespannten Sperrbändern zur Theke geleitet wurde, wie am Flughafenschalter. Ob hier wohl in der Saison besonders hoher Andrang herrscht? Oder will man verhindern, dass die Kunden beim näheren Betrachten des Ladens kehrt machen? Wer weiß; heute würde ich auf letzteres tippen. Jedenfalls bemerkte ich - die Blicke steil nach oben auf die Speisekarte gerichtet - von der Umgebung noch nicht allzu viel, bis ich meine Wahl getroffen hatte und an der Reihe war.

Yosemite Falls, Yosemite, Kalifornien

Der Mülleimer ist wohl platziert, sollte aber eigentlich überquillen: Yosemite Village Grill (403kb).

Aber was war das? Normalerweise bedienen doch immer junge, nette Menschen und die armen Rentner kümmern sich um die Zulieferarbeiten und den Abwasch. Hier war es umgekehrt. Ein Endfünfziger nahm ohne jede Regung meine Hamburger-Order entgegen und tippte sie in einen Computer. Dessen Monitor hing hinter ihm oben an der Decke, so dass er sich immer wieder umdrehen und den Nacken verrenken musste, um seine Eingaben zu kontrollieren - wie ergonomisch. Und dass ich einen Hamburger wollte, wusste ich ja, da brauchte ich keinen Kontrollmonitor. Aber jetzt wirds beinahe lustig. Das Küchenpersonal, das die Speisen direkt hinter der Theke zubereitete, kam nun nach vorne, warf auch einen Blick auf den übel plazierten Monitor und wusste dann, was zu tun war. Oh wie modern ist doch McDonalds, dachte ich mir, die die Bestellungen durch Zurufe in die Küche weitergeben. Doch nun kam die nächste Hürde. Der Andrang im Grill war sehr dürftig, der Hunger groß, ich wähnte mich schon meiner Speise zeitlich sehr nahe. Doch weit gefehlt. Nichts war vorrätig. Erst wurden die Brötchen ausgepackt, das Hackfleisch in die Pfanne geworfen, und immer mal wieder zum Monitor gelaufen. Nunja, dachte ich, dann ist wenigstens alles schön frisch zubereitet. Das war es dann auch nach etwa 5 Minuten, doch schnell war alles in einer Pappschachtel verborgen und ich verließ den Grill, der keine Sitzgelegenheiten bot. Draußen gab es eine Menge Bänke und Tische, teilweise sogar überdacht. In einer nicht ganz so windigen und kalten Ecke - es waren vielleicht gefühlte 5 Grad - ließ ich mich nieder und öffnete fatalerweise die große Pappschachtel anstatt sie direkt im Mülleimer zu entsorgen. Was ich erblickte war schon optisch ein ziemlicher Ausfall. Ein verdächtig braunes Hamburgerbrötchen - das dann auch tatsächlich statt weich schön knusprig geraten war - ummantelte eine harte, tief braune, krustige Hackscheibe. Ohne Soße, ohne Salat, ohne Gurke oder auch nur eine einzige weitere Zutat. Und kalt war der Klumpen auch. Glücklicherweise erinnerte ich mich, dass ich beim Verlassen des Grills an einem komischen Apparat vorbeigegangen war - ein Ketchupspender. Also nichts wie hin. Ketchup übertönt in großzügigen Mengen schließlich auch den pappigsten Geschmack. Leider gab es nur winzige Papphütchen, die man mit dem zigarettenautomatgroßen Gerät befüllen konnte. Was ich tragen konnte wurde mitgenommen und dann das Brötchen entsprechend eingeweicht. Der Hunger triebs rein, heißt es so schön, und hier war es tatsächlich so.

Mir ist es bis heute unverständlich, wie sich eine Gastronomie mit solch verheerender Qualität an einer solch exponierten Stelle halten kann. Doch vielleicht hat sich das Problem ja zwischenzeitlich erledigt; bei 4 Millionen Besuchern pro Jahr im Park (2001) werden sicherlich noch ein paar über diese üble Pommesbude stolpern und sich vielleicht sogar beschweren... Ich wollte mir die Stimmung nicht verderben lassen und freute mich schon darauf, diesen Bericht schreiben zu können. Natürlich musste ich ein Foto machen. Und die Moral von der Geschicht: esst im Yosemite Village Grill nicht. Lieber ein paar Sandwiches mitnehmen!

Vielleicht interessant bei längeren Aufenthalten im Yosemite ist die Ansel Adams Gallery, die vermutlich größte Sammlung mit Fotografien des Yosemite Nationalparks. Etwas außerhalb des Yosemite Village liegt das einzige Hotel im Nationalpark, das 1927 aus Naturstein erbaute Ahwahnee Hotel. Dieses wollten wir wegen seiner optimalen Lage bei unserem allerersten Besuch ursprünglich gebucht haben, es war aber belegt und wo wir nun sahen, dass es mitten im schattigen Wald lag, waren wir mit unserer Wahl schon zufrieden. Außerdem ist es unbezahlbar teuer.

Noch etwas weiter östlich des Yosemite Village liegen die Camp Grounds am und Tenaya Creek. Auch über das übrige Valley verteilen sich viele Campingplätze.

Vom Yosemite Valley führen Wanderwege nach Norden zu den Tuolumne Meadows (benannt nach einem Indianerstamm), vorbei am Mirror Lake entlang des Tenaya Creek und Richtung Osten zum Vernal und Nevada Fall.

(c) Stefan Kremer - Alle Rechte vorbehalten

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