Hackberry General Store Museum Route 66

Hackberry General Store, Hackberry, Route 66, Arizona

Der General Store in Hackberry (446kb).

Hackberry General Store, Hackberry, Route 66, Arizona

Alte Mobilgas-Zapfsäulen vor der Historic Route 66 (299kb).

Hackberry General Store, Hackberry, Route 66, Arizona

Ein faszinierender Ort für Fans (388kb).

Hackberry General Store, Hackberry, Route 66, Arizona

Altes Greyhound-Busstop Schild (399kb).

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Ein Windrad (225kb).

Wer träumt nicht davon, einmal einen Teil der Route 66 zu fahren. Wenn man sich dann noch in der Nähe dieser legendären Strecke befindet, was man zwangsläufig ist wenn man von oder Los Angeles / Richtung unterwegs ist, sollte man zumindest einen kurzen Blick darauf werfen und für eine kurze Strecke den Interstate verlassen um historische Luft zu schnuppern. Ein Ort, an dem sich dies besonders lohnt, ist Hackberry. Besser gesagt der Hackberry General Store. Ein wahrer Geheimtipp ist dieses mittlerweile unter den Südwest-Experten zum Muss aufgestiegene Kleinod. Entgegen der Namensgebung ist dieser General Store zwar auch ein Geschäft, aber in erster Linie eines der schönsten - wenn nicht das beste - Museum über die historische Route 66.
Wir entschieden uns in 2003 zum ersten Mal, zwischen Kingman und den schnurgeraden Interstate 40 zu verlassen, um dieses gemütliche und vermutlich schönste Stück auf der Route 66 zurückzulegen. Den Tipp, bei Hackberry einen Stopp einzulegen, hatte mir ein Kollege gegeben - und es war der beste Hinweis seit langem. Deshalb machte ich in 2006 erneut einen Stopp am General Store, diesmal vom Grand Canyon über Seligman kommend. Auf den ersten Blick eher unscheinbar taucht der Store bei der Fahrt von Kingman nach Seligman vor Hackberry auf der linken Straßenseite auf. Was auf den ersten Blick wie eine alte Tankstelle aussieht und daher leicht übersehen werden kann verwandelt sich, je näher man kommt, zu einem wahren Juwel, einem Sammelsurium aller nur erdenklicher Erinnerungen an die gute alte Zeit. Schon wenn man auf die große Parkfläche vor dem Store auffährt fallen einem unzählige Antiquitäten, Sammelstücke und Raritäten aus den 1950er und 1960er Jahren ins Auge. Der Blickfang schlechthin ist eine leuchtend rote Chevrolet Corvette aus dem Jahr 1956, die tagsüber vor dem Eingang des Museums unter dem schützenden Vordach ausgestellt ist. Sie gehört den Besitzern John und Kerry Pritchard, die 1998 mit dieser Corvette die Route 66 entlang fuhren, den alten General Store sahen und ihn spontan kauften. Doch dazu später mehr.
Hackberry General Store, Hackberry, Route 66, Arizona

Dieser Oldtimer ist ein Hingucker (360kb).

Hackberry General Store, Hackberry, Route 66, Arizona

Er erfüllt seinen Zweck hervorragend (472kb).

Hackberry General Store, Hackberry, Route 66, Arizona

Doch auch neuere Modelle sind vorhanden (358kb).

Hackberry General Store, Hackberry, Route 66, Arizona

Erinnerung an die Rindertransporte (308kb).

Erlaubt mir einen kurzen Blick auf die Geschichte Hackberrys und des General Stores. Der Ursprung Hackberrys geht auf das Jahr 1874 zurück als Prospektoren ein Bergbaucamp nahe einer Quelle auf der Ostseite der Peacock Mountains errichteten. Die Hackberry Silbermine wurde nach einem großen Hackberry Tree nahe der Quelle benannt. Die Eisenbahn erreichte Hackberry 1882, und der Rinder-Transport begann als zweites wirtschaftliches Standbein. Hackberry entwickelte sich zu einem bedeutenden Umschlagplatz, dem drittgrößten in Arizona in seiner Blütezeit. Als der Bergbau 1919 als Ergebnis von Rechtsstreitigkeiten unter den Besitzern aufhörte, waren 3 Millionen Dollar in Gold und Silber gefördert worden. 2000 versuchte der Besitzer der 3 qkm, die die Hackberry Silbermine umfassten, das Land zu verkaufen.

Der Hackberry General Store wurde 1934 errichtet als der nahegelegene Ort Hackberry jenseits des Schienenstrangs mehr und mehr wuchs. Als die Route 66 an Bedeutung zunahm übernahm der General Store zusätzlich die Versorgung der Reisenden mit Benzin und Proviant. Interstate 40 kürzte schließlich den kurvigen Straßenabschnitt zwischen Kingman und Seligman ab und beendete damit die Existenzgrundlage des ursprünglichen Stores, der daraufhin 1978 geschlossen wurde.

Chevrolet Corvette, Hackberry General Store, Hackberry, Route 66, Arizona

Der Blickfang: eine Corvette von 1956 (620kb).

Hackberry General Store, Hackberry, Route 66, Arizona

In dieser unscheinbaren Hütte... (409kb)

Ford Model T, Hackberry General Store, Hackberry, Route 66, Arizona

... verbirgt sich ein besonderes Heiligtum: ... (342kb)

Ford Model T, Hackberry General Store, Hackberry, Route 66, Arizona

Ein Ford Model T Transporter (367kb).

In den frühen 1990er kam der exzentrische Künstler und Hippie Bob Waldmire zum verlassenen General Store und begann, hier seine Kunstwerke zu verkaufen. Bob war kein unbeschriebenes Blatt in der Geschichte der Route 66. Sein Vater erfand die Cozy Dogs, eine Art Hot Dog am Stiel, und andere Mitglieder seiner Familie betreiben auch heute noch das berühmte Cozy Dog Drive-In in Springfield/Illinois. Für die Route 66 interessierte sich Bob seit den späten 1960ern. Seit dieser Zeit bereiste er die Straße mit seinem VW-Van, verkaufte seine Bilder in Form von Postkarten, Stickern, Postern und Karten. Die Postkarten kann man heute als Reproduktionen entlang der ganzen Route 66 kaufen. 1992 teilte Bob mit, er würde den Hackberry General Store wiedereröffnen. Er kaufte das Gebäude und renovierte es, malte die alten Schilder neu und fegte den Parkplatz. So entstand das International-Bioregional Old Route 66 Visitors Center. Als das neue Visitors Center seine Türen öffnete bot es den Besuchern die Möglichkeit, eine eindrucksvolle Sammlung von Karten, Büchern, Straßenschildern und Relikten, die mit der historischen Route 66 im Zusammenhang standen, zu bewundern. Dabei gestaltete er eine Wand als Erinnerung an seinen Vater. 1998 zog es Bob aber wieder zurück nach Chicago/Illinois; die Einheimischen mochten den seltsamen Künstler nicht besonders, und er war es leid sich von ihnen hänseln zu lassen. Außerdem war das Dach des Gebäudes undicht geworden. Als dann John und Kerry Pritchard durch Zufall vorbei kamen und anboten, das Dach zu flicken, verkaufte er schließlich das Visitors Center an das Ehepaar aus Washington. Der Erwerb gab ihnen einen Platz, um ihre Sammlung an Route 66 Memorabilia aus 35 Jahren auszustellen und den Store zu erweitern. John ist außerdem ein ausgesprochener Oldtimerfan und legt im Gegensatz zum künstlerisch veranlagten Vorbesitzer mehr Wert auf das Geschäft - und natürlich alles, was mit den geliebten alten Autos zu tun hat.

Hackberry General Store, Hackberry, Route 66, Arizona

Der Verkaufstresen im Inneren rechts vom Eingang (279kb).

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Links gibts Filme, rechts Knabberzeugs (291kb).

Hackberry General Store, Hackberry, Route 66, Arizona

Fotos der Stars, die schon hier waren (240kb).

Wir stiegen aus. Diesen Laden mussten wir uns einfach genauer anschauen. Schon die beiden großen Mobilgas Zapfsäulen vor dem Hauptgebäude - ein Flachbau im typischen Tankstellenformat der 1930er - waren ein optischer Anziehungspunkt. Gleich davor parkte unter dem Schutz des Vordachs die besagte Corvette. Einige alte Straßenschilder baumelten über den Zapfsäulen quietschend im Wind. Es war kurz vor 18 Uhr, und John, der Besitzer, war eigentlich schon dabei, Feierabend zu machen. Aber Besucher aus dem fernen Deutschland waren natürlich viel zu interessant, um ihnen die Türe vor der Nase zuzuschlagen, und John viel zu freundlich um auf Pünktlichkeit zu drängen. Und als wir ihm berichteten, ein Arbeitskollege hätte uns sein Museum wärmstens ans Herz gelegt spielte für John die Zeit plötzlich gar keine Rolle mehr. Er führte uns durch sein vollgekramtes, aber sehr ordentliches Museum, erzählte die eine oder andere kleine Anekdote und war sichtlich stolz, dass wir extra wegen seinem Lebenswerk hierher gekommen waren. Regale voller alter Straßenschilder, Sticker, Aufkleber, T-Shirts, Hüte, Bücher, Modellautos - es gab nichts zum Thema Route 66, was es hier nicht gab. Alte Fotos erinnerten an die Prominenten wie Marilyn Monroe oder Humphrey Bogart, die den alten General Store bereits besucht oder hier einen Film gedreht hatten. Rund 15 Minuten stöberten wir in den alten Erinnerungen an eine Zeit, die wir selbst nicht erlebt hatten, aber aus dem Fernsehen in leicht verklärter Form kannten. Unter uns gesagt: so toll finde ich die Route 66 nicht; da gibt es weiß Gott schönere Straßen und Highways in Amerika. Aber die Zeiten haben sich geändert, und wie es damals in den 1960ern war kann ich nicht beurteilen. Wenn aber jemand mit solcher Hingabe ein Museum führt muss schon was magisches dran gewesen sein an der Route 66.

Hackberry General Store, Hackberry, Route 66, Arizona

Die Geldscheinsammlung (242kb).

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Und hier Fotos u.a. vom Playboyshooting (303kb).

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Wer gerne in alten Telefonbüchern stöbert... (365kb)

Was wäre ein Halt an einem General Store, wenn man nichts erwirbt. Das bekannte Route 66 (root) beer versuchte ich zwar nicht, aber ein gutes Hagen Dasz Eis konnte ich mir nicht entgehen lassen. Während wir mit dem Eis bewaffnet nach draußen gingen verabschiedete sich John, rangierte die Corvette und noch zwei weitere Oldtimer zu ihrem nächtlichen Stellplatz und fuhr dann nach Hause zu seiner Frau Kerry. Während nun leichter Regen einsetzte und wir an unserem Eis lutschten hielt ein weiteres Auto, nachdem es kurz zuvor am General Store vorbeigefahren und umgedreht war; Dänen, wie sich herausstellte. Zwar hatten sie John, die Corvette und das Museum verpasst - ganz zu schweigen von dem dänischen Eis, das sie neidisch zur Kenntnis genommen hatten -, aber neugierig erkundeten sie trotzdem die Anlage zumindest von außen. In Anbetracht unserer noch recht weiten Strecke verzichteten wir darauf - leider, denn so verpassten wir unter anderem eine kleine Werkstatt direkt neben dem Store, in der neben anderen Oldtimern ein perfekt restaurierter Ford Model T Tieflader ausgestellt ist.

Hackberry General Store, Hackberry, Route 66, Arizona

Ein Nebengebäude, die Music Hall (407kb).

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Ein privat genutztes Haus (464kb).

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Eindrücke aus dem Umfeld (462kb).

Als wir 2006 erneut nach Hackberry kamen - diesmal von Seligman aus - war John nicht im Laden, dafür aber seine Frau. Aufgrund des hervorragenden Wetters konnten wir die Anlage in Ruhe inspizieren, was drei Jahre zuvor teilweise wortwörtlich ins Wasser gefallen war. Vor allem aus fotografischer Sicht war die Szenerie nun ein wahrer Genuss. Das ganze Ambiente wirkte wie in einem alten Roadmovie. Es fehlte nur noch der im warmen Wind vorbeiwehende Grasbüchel. Für ein paar Minuten setzten wir uns auf eine Holzbank vor dem Museum und genossen die einzigartige Umgebung und das heiße Wetter. Ein Eintrag im gegenüber dem Verkaufstresen ausgelegten Gästebuch offenbarte die Beliebtheit des Stores in Deutschland; etwa die Hälfte der Einträge der letzten Seiten waren von Deutschen.

Interview mit John Pritchard.mp3 (4,5mb)

Für alle, die nicht in den Genuss kamen, den General Store von innen zu bewundern und ein paar Worte mit John Pritchard zu wechseln, habe ich ein Interview mit John aufgetan, das er 2005 gegeben hat. Die 18 Minuten sind sehr informativ und kurzweilig. Hört es Euch an und taucht ein die in Faszination der Route 66...

(c) Stefan Kremer - Alle Rechte vorbehalten

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