Sequoia Nationalpark Mammutbäume Kings Canyon

Sequoia National Park, Kalifornien

Eingangsschild beim Big Stump Entrance im Oktober (295kb).

Big Trees Trail, Sequoia National Park, Kalifornien

Mammutbäume säumen den Big Trees Trail (497kb).

Kings Canyon Overlook, Sequoia National Park, Kalifornien

Blick vom Kings Canyon Overlook (260kb).

General Sherman Tree, Sequoia National Park, Kalifornien

General Sherman Tree (511kb).

Die großen Baumriesen von Sequoia und Kings Canyon, umgeben von enormen Granitcanyons und schneebedeckten Gipfeln, sind für jeden Besucher ein Ehrfurcht einflößendes Erlebnis. Schon der berühmte Naturforscher John Muir nannte die Sequoias "das schönste und majestätischste auf der Welt". Obgleich sie oft im Schatten des Yosemite Nationalparks im Norden liegen sind die beiden Nationalparks, die die gewaltigen Mammutbäume schützen, auf ihre eigene Weise eindrucksvoll. Sequoia und Kings Canyon grenzen aneinander und werden gemeinsam verwaltet. Sie umfassen etwa 3.500 Quadratkilometer mit einem Höhenunterschied von 3.962 Metern. Die Topographie reicht von Unterholz an den Gebirgsausläufern um den 518 Meter hohen Ash Mountain im Westen über den Giant Sequoia Gürtel zwischen 1.700 und 2.500 Metern bis zu den gewaltigen Gipfeln der Great Western Divide und der Sierra Crest. Mount Whitney bildet mit 4.421 Metern den höchsten Punkt der Vereinigten Staaten außer Alaska. Das Gebirgsmassiv der Sierra Nevada entstand durch tektonische Verschiebungen, bei denen sich seit 180 Millionen Jahren die pazifische Platte unter die nach Nordwesten driftende nordamerikanische Platte schiebt und dadurch eine zerklüftete Gebirgslandschaft mit freigelegten, tiefenvulkanischen Batholithen und Stöcken sowie markanten Trogtälern entstand.
Giant Forest Museum, Sequoia National Park, Kalifornien

Das Giant Forest Museum (585kb).

Giant Forest Museum, Sequoia National Park, Kalifornien

Ein Größenvergleich lässt die Dimensionen erahnen (254kb).

Giant Forest Museum, Sequoia National Park, Kalifornien

Diese Schautafel zeigt die Sequoia-Haine... (263kb)

Giant Forest Museum, Sequoia National Park, Kalifornien

... und die Höhenlage der verschiedenen Lebenszonen (226kb).

Die Besiedlung der beiden Parks kann bis ins 9. Jahrhundert nach Christus zurückverfolgt werden. Damals lebten drei Stämme der Shoshonen im heutigen Parkgebiet, und ein vierter aus dem San Joaquin Valley hielt sich hier gelegentlich auf. Die Weißen erschienen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Bis zum Goldfund in der Sierra Nevada 1848 lebten die wenigen Menschen friedlich neben den Ureinwohnern. Mit den einströmenden Goldsuchern kamen jedoch zahlreiche Krankheiten in die Täler, denen die meisten Einheimischen zum Opfer fielen. Die überlebenden verließen die Region ostwärts, so dass ab 1865 keine Indianer mehr in diesem Gebiet lebten. Schon 1852 begannen die Weißen, einzelne der riesigen Bäume zu fällen und zu Ausstellungszwecken an die Ostküste und nach Europa zu verschicken, wo sie ungläubiges Staunen hervorriefen. Obschon das Holz für die gewerbliche Nutzung von zu geringer Qualität war weil es sehr spröde ist wurden im weiteren Verlauf zahlreiche Baumriesen gefällt. Als Brennholz, Zaunpfahl oder Eisenbahnschwelle fand es Verwendung. Etwa 1880 war der Höhepunkt der Holzfällertätigkeiten. Als 1881 der Goldboom ein jähes Ende fand verschwanden auch die Holzfäller und wichen dem einsetzenden Tourismus.

Die Gründung der Nationalparks zum Schutz der stark beanspruchten Natur ist eng verbunden mit den beiden Pionieren Hale Tharp und John Muir. Von indianischen Freunden geführt, gelangt der Rinderzüchter und Goldsucher Hale Tharp 1858 als erster Weißer in den heute als Giant Forest bekannten Waldteil. Zeitweilig lebte er dort in einem umgestürzten hohlen Mammutbaumstamm, dem Tharp's Log. Dort besuchte ihn 1875 der Naturforscher und -schützer John Muir, der dem Giant Forest seinen Namen gab. Muir wurde einer der Hauptinitiatoren des Sequoia-Nationalpark-Projekts, welches am 25. September 1890 verwirklicht wurde. Die natürliche Schönheit der Landschaft sowie ihre Funktion als Wasserscheide wurden offiziell anerkannt und ihre Zerstörung durch die Errichtung des 50.000 acre großen Sequoia National Park verhindert. Es war nach dem Yellowstone der zweite Nationalpark der USA. Eine Woche später wurde der kleine 2.560 acre große General Grant National Park geschaffen, und Sequoia erhielt weitere Landabschnitte. Jahrelanges Drängen von Naturschützern führte zu zusätzlichen Erweiterungen. 1940 wurde der General Grant Park um die High Country rings um den South Fork Kings River erweitert und in Kings Canyon National Park umbenannt. 1965 kamen Cedar Grove und Tehipite Valley hinzu. Heute besuchen 1,5 Millionen Besucher pro Jahr die beiden Parks. Hauptbesuchszeit ist der Sommer.

Sequoia National Park, Kalifornien

Blick vom Generals Highway nach Westen auf unberührte Wälder (217kb).

Sequoia National Park, Kalifornien

Der Südeingang des Parks bei Three Rivers (289kb).

Die beiden Parks befinden sich an der Westflanke der Sierra Nevada und können in drei individuelle Zonen unterteilt werden, die durch Wasserläufe und Schluchten abgegrenzt sind. Zwischen 150 und 1.520 Metern befinden sich im Westen die Gebirgsausläufer (Foothills). Sie sind geprägt von einer Hügellandschaft mit strauchigem Unterholz oder goldfarbenem Graslandschaften mit vereinzelten Eichen. In den mittleren Höhenlagen von 1.520 bis 2.896 Metern findet man Felsformationen gemischt mit Auen und große Ansammlungen von Koniferen. Der Giant Sequoia Belt, ein 420 Kilometer langer und 24 Kilometer breiter, von Nord nach Süd verlaufender Streifen, den man im Sommer zu Fuß oder mit cross-country Ski oder Schneeschuhen im Winter erkunden kann, verläuft durch diese Zone. 29 der weltweit rund 75 Sequoia-Hainen befinden sich hier. Die hochalpine Sektion der Parks ist extrem zerklüftet und bildet eine Zone schroffer Felsformationen in einer Kette von Gipfeln, die über 13.000 feet emporragen und von Mount Whitney gekrönt werden. Im Norden schneidet der Kings River eine Schneise durch das Hinterland und hat über die Jahre einen Granitcanyon geformt, der stellenweise fast 4.000 feet über den Canyonboden emporragt. Vom Junction Overlook an der Straße zur Cedar Grove kann man die 8.200 feet Höhenunterschied zwischen Spanish Mountain und dem Kings River sowie den Zusammenfluss von Middle und South Fork des Kings Rivers sehen.

Giant Forest Sequoia National Park, Kalifornien

Im Giant Forest (469kb).

Giant Forest, Sequoia National Park, Kalifornien

Hier kann man durch einen Baum hindurchgehen (283kb).

Auch das Höhlensystem in den Parks ist einzigartig. Unterirdische Wasserläufe haben im Karstgestein über 240, teils riesige Höhlen wie die für Touristen zugängliche Crystal Cave (5,5 Kilometer lang), die Lilburn Cave (mit 32 Kilometern Länge die größte Höhle Kaliforniens) oder Hurricane Crawl entstehen lassen; und jährlich werden neue entdeckt. Die Höhlen sind hauptsächlich aus Marmor ausgewaschen, der als Bestandteil von Kalkstein durch Hitze und Druck der Aufwärtsbewegung der Gesteinsschichten im bis zu 50 Millionen Jahre alten Sierra Nevada Bartholith entstand.

Flora und Fauna wechseln mit der Höhenlage. Die Hügel und Graslandschaften am westlichen Rand der Berge im Central Valley sind hauptsächlich mit Eichen und Unterholz bewachsen. Rosengewächse (chamise), Blau-Eichen (blue oak) und Bärentrauben (red-barked manzanita) sowie gelegentlich Yuccas wachsen in den sanften Flusstälern. Die Menge an Grundwasser entscheidet über die Dichte der Eichenwälder, die im Frühjahr mit knietiefem, einjährigem Gras eingedeckt sind. Dies wurde Mitte des 19. Jahrhundert in Kalifornien angesiedelt und hat sich seither ausgebreitet. Felder mit weißen popcorn flower bedecken die Hügel im Frühling, und der yellow fiddleneck blüht. Im Sommer färben sich die Hügel aufgrund der enormen Hitze und des Regenmangels gold-braun. Kleine Lebewesen wie das Kalifornische Ziesel (bushy-tailed California ground squirrel) pirschen durch diese Landschaften. Schwarzbären (black bears), Kojoten (coyotes), Stinktiere (skunks) und Graufüchse (gray fox) leben genauso hier wie Maultierhirsche (mule deer), Rotluchse (bobcats) und Westliche Buschhäher (scrub jay) im Unterholz, die jeden, der sich ihnen nähert, lautstark beschimpfen. Selten trifft man auch Berglöwen (mountain lions) und Klapperschlangen (rattlesnakes).

Giant Forest, Sequoia National Park, Kalifornien

Die Bäume kann man fast nicht knipsen (432kb).

Giant Forest, Sequoia National Park, Kalifornien

Wo man Menschen an die Bäume lässt können sie sich nicht benehmen. Der zerschnitzte, 2006 abgebrochene Ast des General Sherman Tree (307kb).

Die Wälder in der mittleren Zone der Parks, die die Sequoias beherbergen, sind der Besuchsmagnet für Touristen. Doch es gibt im Gegensatz zu den üblichen Nadelwäldern, die von einer Baumart dominiert werden, eine Vielzahl anderer Pflanzen wie Pracht-Tannen (red fir) und Kolorado-Tannen (white fir), Weihrauchzedern (incense cedar) und Gelb-Kiefern (ponderosa pines). Wildblumen wie Glattstängelige Mentzelie (yellow blazing star) und Castilleja (red indian paintbrush) blühen vom Frühling bis zum Spätsommer. Goldmantelziesel (golden-mantled ground squirrels), Diademhäher (steller's jay), Maultierhirsche (mule deer) und Schwarzbären (black bears) sind hier heimisch. Die Schwarzbären sind hauptsächlich im Herbst aktiv wenn sie vor ihrem Winterschlaf Nahrung sammeln. Das sich am besten bemerkbar machende Lebewesen ist das Douglas-Hörnchen (douglas squirrel oder chickaree), das die meiste Zeit des Tages damit verbringt, lauthals sein Territorium zu kontrollieren und Tannenzapfen von den Wipfeln der Bäume zu nagen.

In der High Country mit ihrem stürmischen Wetter und der dünnen Erdkrume ist die Vegetation spärlich. Fuchsschwanz-Kiefern (foxtail pines) und Weißstämmige Kiefern (whitebark pines) bilden als Ergebnis von jahrelangem Wachstum bei starkem Wind, Schneefall und eisigen Temperaturen knorrige und verdrehte Äste aus. Die Lebensformen sind kleiner als in den niedrigeren Regionen. Im Sommer kann man Gelbbauchmurmeltiere (yellow-bellied marmots), Pfeifhasen (pikas), Wiesel (weasels), Gambelmeisen (mountain chickadees) und Eichelhäher (clark's nutcrackers) sehen. Panther-Lilien (leopard lilies) und Götterblumen (shooting stars) wachsen an Bachläufen und in Auen.

Giant Forest, Sequoia National Park, Kalifornien

Der Giant Forest trägt seinen Namen zu Recht (434kb).

Viele Bereiche in den hohen Lagen kann man im Winter nicht erreichen. Einige Straßen sind vom frühen November bis zum späten April geschlossen. Die Klettersaison ist zwischen Juni und Oktober. Zwischen Frühling und Herbst ist die Beste Zeit, um Mount Whitney zu sehen, denn der beste Aussichtspunkt - Whitney Portal Road, südlich von Lone Pine von Highway 395 abzweigend - ist im Winter geschlossen.

Die beste Zeit für einen Parkbesuch ist der späte Frühling und der frühe Herbst wenn die Temperaturen moderat und der Besucherandrang mäßig ist. Im Sommer zieht es Massen an Touristen zu den Giant Sequoias, und auf den wenigen engen Parkstraßen kann es zu Staus kommen. Wenn man dennoch im Sommer anreist sollte man wenn möglich die Wochenenden meiden. Dann ist der Andrang geringer und die Eindrücke weniger durch menschliche Aktivität gestört. Im Gegensatz dazu gibt es im Winter kaum Besucher. Aufgrund starken Schneefalls können Abschnitte der Hauptstraße ohne Vorwarnung gesperrt sein. Tiefe Wolken können hereinziehen und die Berge und Täler tagelang einhüllen. Wenn man in dieser Jahreszeit anreist sollte man unbedingt die Straßenzustände und Wetterbedingungen abklären bevor man loszieht.

Sequoia National Park, Kalifornien

Unterwegs im Park (504kb).

Sequoia National Park, Kalifornien

Der Westeingang (355kb).

Das Klima in den beiden Parks ist durch die immensen Höhenunterschiede sehr unterschiedlich. Tiefer Schnee bedeckt üblicherweise die mittleren Höhenlagen zwischen Dezember und Mai. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sind jedoch selten. Niederschläge fallen hier hauptsächlich zwischen Januar und Mitte Mai. Gewitter, Regen und sogar Schneefall können jedoch ganzjährig auftreten.

Im Sommer steigen die Tagestemperaturen in den niedrigen Lagen oft auf über 38 Grad Celsius, im höher gelegenen Sequoia-Gürtel selten über 32 Grad. Selbst im Hochsommer kann es in der Highcountry Nachttemperaturen von unter Null Grad geben, manchmal sogar bis -7 Grad. Daher ist es sinnvoll, jederzeit angemessene Kleidung zu tragen, die praktischerweise aus mehreren übereinander angezogenen Elementen besteht.

Die Foothills sind von milden, nassen Wintern und heißen, trockenen Sommern charakterisiert. Niederschläge treten hauptsächlich zwischen Januar und Mitte Mai auf, Regen im Sommer ist selten. 66 cm fallen durchschnittlich im Jahr. Im Winter ziehen oft niedrige Wolken von Westen herein, die die Landschaft oft für mehrere Tage verdunkeln.

In den mittleren Höhen ist der Sommer von warmen Tagen und kühlen Abenden geprägt. 102-114 cm Niederschlag fallen jährlich, hauptsächlich im Winter, was zu einer tiefen Schneedecke zwischen Dezember und Mai führt. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sind selten. An Sommernachmittagen können gelegentlich Gewitter auftreten.

Im Herbst und Winter sind die Temperaturen auf dem Lodgepole Campground 6 bis 9 Grad kühler als die Durchschnittswerte in den mittleren Höhen. In der Cedar Grove hingegen ist es im Sommer wärmer als anderswo in der Höhenlage; 35 bis 40 Grad können erreicht werden.

Übrigens: Sequoia und Kings Canyon bilden die zweitgrößte straßenlose Region in den USA außerhalb Alaskas.

(c) Stefan Kremer - Alle Rechte vorbehalten





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