Unsere Routenplanung in 2010 mit nur einer Übernachtung im Bryce Canyon und der damit verbundenen
späten Abfahrt am nächsten Morgen machte es erforderlich, auf der Fahrt Richtung Moab eine weitere Übernachtung
einzuplanen. Wer die Gegend kennt weiß, dass sich dafür eigentlich nur drei Orte ernsthaft anbieten: Torrey am Capitol Reef, Hanksville im Niemandsland und Green River noch ein Stückchen weiter nördlich. Da wir den wunderschönen Highway 12
genießen, dem Escalante Petrified Forest einen Besuch abstatten und schließlich auch Capitol Reef nicht rechts liegen
lassen wollten entschieden wir uns für Torrey als Tagesziel. Dieses winzige Dörfchen liegt unmittelbar am Highway und
nur schlanke 18 Kilometer vom Parkeingang des Capitol Reef entfernt. So würden wir noch am Abend Zeit für eine Fahrt in
diesen Nationalpark finden können.
Torrey ist ein sehr grünes, idyllisches Dorf (266kb).
Auffahrt zum Sandstone Inn (213kb).
Das Hotelschild in gepflegter Umgebung (274kb).
Die Hotelauswahl gestaltete sich als eigentlich leichte Aufgabe. Die Anzahl der Unterkünfte in Torrey
ist überschaubar. Lediglich meine Anforderungen hinsichtlich einer Rollin Shower ließen die Sache doch zu einer
Telefonierorgie ausarten. Besonders bemüht war man in bekannten Austins Chuckwagon Motel - konnte jedoch kein solches
Zimmer vorweisen. Letztlich fiel meine Wahl auf das Sandstone Inn. Das hatte zwar auch keine solche Dusche, aber
immerhin war es unschlagbar günstig. Gut, eigentlich war es teurer, denn das Accessible Zimmer hatte nur ein Kingsize
Bett, so dass wir zwei Zimmer nehmen mussten. Dennoch blieb die Sache bezahlbar, und mal eine Nacht im eigenen Zimmer zu
verbringen hatte auch seinen Reiz.
Wenn man auf dem Highway 12 Torrey erreicht mündet dieser Highway an einer Kreuzung in den Highway 24.
Links herum gelangt man in den Ort, rechts herum nach Capitol Reef und geradeaus gelangt man neben der Route 66
Tankstelle direkt zum Sandstone Inn. Das sich auf einer kleinen Anhöhe befindende Hotel bietet durch die exponierte Lage
einen hervorragenden Rundumblick auf die Landschaft. Da es erst 16:30 Uhr war entschieden wir uns, noch nicht
einzuchecken und lieber das gute Wetter auszunutzen, um noch Capitol Reef einen Besuch abzustatten - wir hatten ja late
arrival angekündigt, insofern bestand kein Zeitdruck. Um halb sieben war unser kleiner Abstecher in den Nationalpark
beendet und wir konnten uns nun unserer Unterkunft widmen. Doch zunächst machten wir noch einen kurzen Besuch in Torrey,
denn wir mussten ein paar Einkäufe tätigen. Im Trading Post gegenüber des Austin's Chuck Wagon Motels gelang dies, und
während meine Freunde die Erledigungen machten stellte ich fest, dass dieses Motel, das sich vom Auto aus vor mir
ausbreitete, in seiner gepflegten parkähnlichen Anlage durchaus auch einen Besuch wert sei. So findet man ständig
Gründe, wieder herkommen zu müssen...
Eingang des Sandstone Inn (213kb).
Die Rezeption (227kb).
Das Lesezimmer gleich gegenüber (183kb).
Nun gings aber hinauf zum Sandstone Inn. Hinauf bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das Days Inn auf
einer kleinen Anhöhe direkt nördlich des Highway 24 gelegen ist. Alleine schon der Ausblick von diesem Hügel lohnt eine
Fahrt hinauf, wie wir direkt feststellten. Doch es war schon Abend; ich sollte mir die Anlage und den Ausblick am
nächsten Morgen in Ruhe ausführlich anschauen. Wir parkten also vor der Rezeption und checkten ein. Zwei Zimmer auf der
südwestlichen Seite des Hauptgebäudes wurden uns zugewiesen. Also fuhren wir das kurze Stück um das Hauptgebäude herum
zu dessen Rückseite - man ist schließlich im Autoland, und Kofferschleppen ist uncool - und luden erstmal unser Gepäck
aus. Dann wurden die Zimmer in Augenschein genommen.
Mein Zimmer hat neben Kingsize Bed... (146kb)
... auch eine Sitzgruppe (138kb).
Der unvermeidliche Fernsehschrank (139kb).
Das Bad (138kb).
Mein Zimmer entsprach bis auf die Dusche vollkommen meinen Anforderungen. Neben dem Bett mir
ordentlicher Matratze gab es die obligatorische Sitzecke mit zwei gepolsterten Stühlen, einem federleichten
Sperrholztisch (wie das in den USA durchaus üblich ist), der im flauschigen Teppich allerdings leicht wackelte und
mithin eher dekorativ war, einem über Gebühr großen Kühlschrank, einer Mikrowelle, einem Fernseher im unvermeidlichen
Fernsehschrank (dessen Sinn und Zweck mir immer noch unklar ist, außer dass man hinter dem Fernseher quasi nicht
staubwischen kann), einem Polstersessel und den unvermeidlichen schiefen Lampenschirmen über dem Bett. Ich sollte
wirklich drüben mal ein Geschäft für Lampenschirm-Ringe eröffnen, denn die scheint es in den USA nirgends zu geben. Es
braucht ja eigentlich nur ein wenig Draht... Und wo wir dabei sind, uns zu wundern: warum sind die beiden Lampen (siehe
Bild) schwenkbar? Es gibt nur einen Einschalter für beide, und so dramatisch verändert sich die Ausleuchtung nicht, wenn
man sie 20 Zentimeter weiter wegschwenkt. Oder kann man mit diesem technischen Kniff am Ende in 3d lesen? Lassen wir
aber mal diese durchaus üblichen Besonderheiten, am Ende denkt Ihr noch, das Zimmer wäre doch nicht so toll gewesen.
Besonders lobenswert fand ich das Waschbecken. Ein frei hängendes, nicht in ein Möbel integriertes Becken mit nicht mit
Schaumstoff ummanteltem Siphon - es war fast wie daheim.
Das Hotelrestaurant (227kb).
Etwas mehr Deko wäre schön gewesen (246kb).
Cutthroat Pale Ale (263kb).
American Breakfast (227kb).
In meinem Kühlschrank - dem größeren der beiden Zimmer - deponierten wir alle zu kühlenden Sachen, dann
gingen wir ins Restaurant zum Abendessen. Das Speisezimmer mit Buffet in der Mitte bestand aus zahlreichen viereckigen
Holztischen mit jeweils 4 Stühlen. Irgendwie hatte der Raum mit seiner nüchternen Gestaltung und der mehr als dürftigen
Dekoration Kantinencharakter. Wie bekamen einen Tisch ganz in der Ecke. Bei der Bierauswahl bestand Beratungsbedarf,
denn - oh Schreck - es gab kein Sam Adams. Die nette Kellnerin meinte, Cutthroat Pale Ale wäre sehr gut, und so war es
auch. Zunächst war ich etwas irritiert, denn auf der Flasche war ein Fisch abgebildet. Jetzt weiß ich: das ist ein
Wortspiel. Cutthroat bedeutet Halsabschneider und ist damit eine Anspielung auf das Getränk. Der Fisch ist eine Forelle,
eine cutthroat trout. Jedenfalls ist das Gebräu eine würdige Alternative, die wir noch öfters in Anspruch nehmen sollten.
Mein Zimmer von außen (184kb).
Die Rückseite des Restaurants (227kb).
Noch ehe wir bestellen konnten begann eifriges Umkramen im Gastraum. Eine größere Reisegruppe aus
Frankreich wollte an einem gemeinsamen Tisch sitzen, und so wurde von der ganzen Kellnerschar (und die ist
bekanntermaßen immer recht zahlreich) eine kleine Tafel hergerichtet und eingedeckt. Hintergrund des Wunsches war
offenbar, dass bis auf den Reiseleiter niemand der englischen Sprache mächtig war, und der arme Mann nun jedem die
Speisekarte übersetzen musste. Aber anstatt damit direkt zu beginnen brachen zunächst angeregte Gespräche aus. Erst als
der Kellner zur Bestellaufnahme anrückte vergegenwärtigte man, dass man ja noch gar nicht in die Speisekarte geschaut,
geschweige denn auch nur ein Wort davon verstanden hätte. Zwei weitere Anläufe brauchte es, dann hatten alle eine knappe
Übersetzung erhalten und gewählt. Ob die wohl nachher alle das bekommen haben, was sie sich vorgestellt hatten? Ich weiß
es nicht, denn ich kann kein Französisch. Gegessen haben sie jedenfalls, und laut unterhalten haben sie sich auch die
ganze Zeit, als hätten sie das ganze Restaurant für sich alleine. Die Frage an die Kellnerin, ob sie keine Mireille
Matthieu CD auflegen könne, habe ich mir verkniffen. Mein Essen - ein Steak, was sonst - war ok. Keine Offenbarung wie
im Charles Street Diner in Mariposa, aber ok. So verkehrt lag ich mit der Kantineneinschätzung also nicht.
Blick nach Süden auf Highway 12 (397kb).
Torrey im Südwesten (469kb).
Das Days Inn unterhalb (372kb).
Alte Ackergeräte (436kb).
Am nächsten Morgen frühstückten wir praktischerweise ebenfalls hier. Dabei gab es - wie schon am Abend
zuvor - keinen Grund zu Beanstandungen. Im Gegensatz zur Bryce Canyon Lodge hatte man nicht die halben Beilagen
vergessen, und ansonsten kann man ja nicht allzuviel falsch machen bei einem American Breakfast wie ich es bestellte,
sofern der Toast nicht anbrennt. Allzusehr gescrambelte Eggs sind immer noch gleichgut, und der Ham stammt eh aus der
Dose. Sogar der Kaffee war genießbar, und meine Mitreisenden waren mit ihren Bestellungen ebenfalls zufrieden. Die
französische Reisegruppe war zu aller Erleichterung anscheinend schon vor uns aufgebrochen, was nicht unwesentlich zur
Gemütlichkeit am frühen Morgen beitrug. Frisch gestärkt konnten wir also in den neuen Tag starten. Moab war das
Tagesziel, mit einem Abstecher zum Goblin Valley, das quasi am Wegesrand des Highway 24 liegt und nicht missachtet
werden sollte. Einen Schlenker über Highway 128 am Colorado entlang wollten wir außerdem machen, der uns ins Cathedral
Valley und zu den Fisher Towers führen und weitaus interessanter sein sollte als der direkte Weg über Highway 191.
Im Nordwesten ist es rot (303kb).
Hier möchte man verweilen (424kb).
Blick nach Nordwesten (148kb).
Malerische Landschaft ringsum (391kb).
Blick nach Norden (296kb).
Doch bevor die Reise weiter ging nutzte ich das wunderbare, wolkenlose Morgenwetter und den Umstand,
dass ich im Gegensatz zu meinen Mitreisenden meinen Koffer bereits vor dem Frühstück gepackt hatte, dazu, mir quasi zum
Abschied die Hotelanlage und deren reizvolle Umgebung nochmal genau anzuschauen. Am Abend der Anreise waren die
Lichtverhältnisse schon recht ungünstig für ansprechende Fotos. Mir war aber bereits aufgefallen, dass das Umfeld eine
genauere Inspektion durchaus lohnen würde. So zog ich also mit meiner Spiegelreflex bewaffnet los, um die Vorzüge
unseres Hotels und seiner Lage auf digitalem Zelluloid zu bannen. Erlaubt mir zunächst eine kurze Beschreibung der
Hotelanlage.
Vor dem Hotel (222kb).
Das Sandstone Inn besteht im wesentlichen aus zwei Gästehäusern und einem mit Glas überdachten
Indoorpool. Im Hauptgebäude befindet sich außerdem das besagte Restaurant und ein Souvenirshop. Rundherum ist die Anlage
von Parkplätzen umgeben und eingesäumt von Schatten spendenden Bäumen und einigen alten Ackergeräten, die dort sehr
dekorativ ausgestellt sind. Hier und da haben Gäste Gartenstühle in den schmalen Wiesenstreifen unterhalb der Bäume
gestellt, um von dort in Ruhe die wunderbare Aussicht zu genießen. Hätten wir mehr Zeit gehabt hätte ich von dieser
Einladung auch Gebrauch gemacht - aber die Zeit war wie so oft recht knapp. Es blieb dennoch genug Zeit, in Ruhe um die
ganze Anlage zu gehen und die wunderbare Lage zu bewundern. Nach Südosten schaut man auf den östlichen Teil von Torrey,
das wie in einer Oase in zahlreichen Laubbäumen fast verschwindet. Einige Gebäude sind dennoch erkennbar. Das Days Inn
zum Beispiel, dem man quasi aufs Dach schaut weil es am Fuße des Hügels liegt, auf dem man sich befindet, hatten wir bei
der Hotelsuche auch in Betracht gezogen. Als ich aber nun alleine den Ausblick von diesem Hügel vergegenwärtigte
bestärkte mich das ungemein in der Wahl der Unterkunft.
Das Hauptgebäude des Inn (155kb).
Das zweite Gästehaus (207kb).
Liegewiese vor dem Indoorpool (478kb).
Der Indoorpool (279kb).
Auch in die anderen Himmelsrichtungen kann sich die Aussicht mehr als sehen lassen. Von Nordwesten bis
Nordosten bildet hinter einer Steppenlandschaft mit niedrigem Buschwerk eine rötliche Klippe in vielleicht 6 Kilometern
Entfernung den Horizont, die nur von einer bewaldeten, beigen Hügelkette dahinter überragt wird. Das ist einfach
malerisch und alleine schon die Fahrt zum Sandstone Inn wert, selbst wenn man hier nicht übernachtet. Hierzulande wäre
das eine Sehenswürdigkeit sondergleichen - in diesem Umfeld und im vor landschaftlichen Sehenswürdigkeiten übervollen
Südutah ist es hingegen eine wenig beachtete Nebensächlichkeit. Umso mehr liegt mir daran, auf dieses Kleinod aufmerksam
zu machen, zumal man sich nicht mit anderen Touristen den besten Platz an einem Aussichtspunkt teilen muss. Im Osten
schließlich schaut man Richtung Capitol Reef, dessen Klippen man aber nicht wirklich erkennt. Ich habe sie jedenfalls
nicht bewußt gesehen. Dafür waren zugegebenermaßen die übrigen Aussichten auch viel zu interessant - zumal die Sonne
morgens aus Osten scheint. Überhaupt findet man ringsum rötliche Felsen, was diesen Ort alleine schon sehenswert macht.
Ein alter Pflug (461kb).
Nach diesem kleinen Rundgang, der erstaunlicherweise einen der unerwartet nachhaltigen Höhepunkte in
meinem 2010er Urlaub darstellte, ging die Rundreise dann wie geplant weiter.
(Letzte Änderung: 14.09.2011)
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